Chief AI Officer (CAIO) – bedeutsame neue Rolle im C-Level?

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Chief AI Officer (CAIO): Was verbirgt sich dahinter? Martin Krill, geschäftsführender Gesellschafter der HAGER Executive Consulting, erläutert die Zukunftsaussichten der Position und welche Anforderungen CAIOs erfüllen sollten.

2023 war das Jahr, in dem Künstliche Intelligenz endgültig ihren Durchbruch schaffte. Fast jeder hat bereits von führenden Lösungen wie ChatGPT gehört oder nutzt sie sogar aktiv. Dies gilt auch für Unternehmen, denen mittlerweile verschiedenste KI-Lösungen zur Verfügung stehen. Doch gehen damit eine Reihe rechtlicher, strategischer und taktischer Fragen einher. Bislang wurde meist der CTO damit konfrontiert, den die Komplexität des Themas jedoch schnell überfordern kann. An dieser Stelle kommt eine neue Rolle ins Spiel: der Chief AI Officer, kurz CAIO.

Künstliche Intelligenz: Viele Potenziale sind noch ungenutzt

Foto Künstliche Intelligenz
Envato/Rawpixel

Künstliche Intelligenz eröffnet vielfältige Chancen für Unternehmen. Beispielsweise ist sie in der Lage, interne und kundenbezogene Prozesse zu automatisieren, große Datenmengen zu analysieren und präzise Prognosen zu zukünftigen Entwicklungen zu liefern. Im Kreise vieler Unternehmen hat sich dies herumgesprochen. Und so erlebt KI derzeit einen klaren Schub in der Wirtschaft. Im Jahr 2023 nutzten immerhin 15 Prozent der deutschen Unternehmen Künstliche Intelligenz. Im Vorjahr waren es noch neun Prozent. Über zwei Drittel (68 Prozent) halten KI für die wichtigste Zukunftstechnologie.

Dieses Zahlenmaterial von Bitkom verdeutlicht zweierlei Aspekte: Einerseits sehen Unternehmen offensichtlich enormes Potenzial in Künstlicher Intelligenz, eingesetzt werden KI-Lösungen andererseits noch relativ zögerlich. Dies liegt häufig an einer ganzen Reihe ungeklärter Fragen: Wer ist für die Entwicklung von KI in der Organisation zuständig? Wie lässt sich KI in die Unternehmensstrategie einbetten? In welchen Bereichen ergibt der KI-Einsatz Sinn? Welche KI-Modelle und -Werkzeuge sind geeignet? Welche Fachkräfte werden benötigt? Welchen Vorschriften unterliegt Künstliche Intelligenz, wenn sie mit sensiblen Daten arbeitet?

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Fragen dieser Art landen derzeit oft beim CTO, CDO oder auch CIO. Doch die Flut verschiedener Anfragen, die Fülle an Vorschriften und auch die technische Komplexität der Implementierung stellen diese Manager vor große, kaum zu bewältigende Herausforderungen. Daher gehen die ersten Unternehmen dazu über, die neue Rolle des CAIO zu etablieren.

Was ist ein Chief AI Officer und welche Aufgaben hat er/sie?

Was ist ein Chief AI Officer und welche Aufgaben hat er/sie?
Twenty20/@lelia_milaya

Angesichts des enormen Potenzials und der hohen Komplexität von KI gewinnt der Chief AI Officer zunehmend an Bedeutung. Dieser Senior Executive trägt die Gesamtverantwortung für die strategische Konzeption, die Entwicklung und die Umsetzung von KI-Maßnahmen. Dabei berichtet er unmittelbar an den CEO.

Die Kernaufgabe des CAIO liegt darin, die gesamte KI-Strategie eines Unternehmens zu definieren und zu überwachen, sodass diese jederzeit den Bedürfnissen und Geschäftszielen entspricht. Weiterhin kommen folgende Verantwortungsbereiche hinzu:

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  • Identifizierung geeigneter Einsatzbereiche für KI
  • Erfolgreiche Implementierung von KI in diesen Bereichen (inklusive Bereitstellung von qualifizierten Mitarbeitern und geeigneten Technologien)
  • Skalierung des KI-Einsatzes
  • Einhaltung von Compliance-Regularien und ethischen Grundsätzen
  • Schaffung von Transparenz zur KI-Strategie
  • Kommunikation mit den Stakeholdern
  • Kontinuierliche Weiterbildung
  • Aufbau von KI-Know-how in der Belegschaft
  • Förderung einer datenorientierten und KI-getriebenen Innovationskultur
  • Überwachung und Bewertung der Leistung von KI-Initiativen

Bei der Erfüllung dieser Aufgaben wird der Chief AI Officer gerade zu Beginn auf eine Reihe von Herausforderungen stoßen. Dies beginnt bei fehlenden IT-Ressourcen, denn KI ist rechen- und speicherintensiv. Hinzu kommen komplexe Fragen der Daten- und Cybersicherheit. Auch der Aufbau qualifizierter KI-Fachkräfte dürfte sich schwierig gestalten. Ebenso muss zunächst Akzeptanz in der Organisation geschaffen werden, damit KI-Projekte nicht an Widerständen scheitern. Darüber hinaus ist es selbstverständlich nicht trivial, eine Vision für den konkreten Einsatz von KI zu entwickeln – eine umsetzbare Idee, die das Image der Marke nicht beeinträchtig und zugleich die Wettbewerbsposition stärkt.

Wie sieht der/die ideale Kandidat/in für die CAIO-Rolle aus?

Kuenstliche Intelligenz
Twenty20/@tampatra

Ein pauschales Anforderungsprofil für die Rolle des Chief AI Officers lässt sich nicht definieren, denn der Verantwortungs- und Aufgabenbereich wird abhängig von der Branche stark variieren. Dennoch existieren eine Reihe von Eigenschaften, die eine gute KI-Führungskraft mitbringen sollte. Zunächst ist ein technisches Know-how im Bereich Künstlicher Intelligenz unabdingbar. Hinzu kommen mehrere Soft Skills wie Kommunikations- und Entscheidungsstärke, Teamfähigkeit, kreative Problemlösung, Innovationsgeist und Transformationswille.

Weiterhin sollte ein Chief AI Officer den aktuellen Status in der KI-Branche und bevorstehende, bahnbrechende Weiterentwicklungen genau im Blick haben. Insbesondere ist ein tiefes Verständnis gefordert, in welcher Form sich relevante KI-Technologien wie Generative KI, Computer Vision und die Verarbeitung natürlicher Sprache auf die eigene Branche auswirken werden. Ein erfolgreicher Chief AI Officer sollte in der Lage sein, sich an die kontinuierlichen Veränderungen im KI-Markt anzupassen und das Unternehmen durch die entsprechenden Änderungen zu führen.

Selbstverständlich handelt ein guter CAIO auf der Grundlage anerkannter ethischer Grundsätze. Er kennt die ethischen Herausforderungen, die mit KI in Zusammenhang stehen – darunter Themen wie Voreingenommenheit, Diskriminierung, Datenschutz sowie die Auswirkung von Künstlicher Intelligenz auf Arbeitsplätze und die Gesellschaft. Im Hinblick auf letzteren Punkt ist es von Bedeutung, KI als Werkzeug zu betrachtet, das menschliche Fähigkeiten erweitert, den Menschen jedoch nicht ersetzt.

Das Anforderungsprofil ist insgesamt relativ breit. Es umfasst technologisches Know-how ebenso wie betriebswirtschaftliche und soziale Fähigkeiten. Entsprechend könnte es schwierig werden, geeignete Kandidaten zu rekrutieren. Doch angesichts des erheblichen Potenzials von KI dürfte es sich für Unternehmen lohnen, an dieser Stelle keine Kosten und Mühen zu scheuen.

Wie sieht die Zukunft des CAIOs aus?

Die Rolle des CAIO ist neu, ebenso das Thema KI. Daher werden sich Chief AI Officers anfangs häufig mit vielen operativen Fragen beschäftigen müssen. Allerdings ist abzusehen, dass die Rolle in Zukunft einen deutlich strategischeren und ethischeren Fokus haben wird. Dies liegt schlicht daran, dass die Bedeutung von KI im Hinblick auf die Zielerreichung eines Unternehmens kontinuierlich steigt. Nachdem sich KI-Technologien rasant weiterentwickeln, werden zudem die ethischen Überlegungen ausgeweitet werden müssen. Daher wird man von einem Chief AI Officer in Zukunft nicht nur die Realisierung wirtschaftlicher Vorteile erwarten. Auch die Einhaltung von Vorschriften sowie der verantwortungsvolle, faire und transparente KI-Einsatz sind Aspekte, die der KI-Chef erfüllen können sollte.

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Martin Krill ist seit 2004 geschäftsführender Gesellschafter der HAGER Executive Consulting und Ansprechpartner und Experte für die Bereiche „Digital & Technology“. Als erfahrener Executive-Search-Berater hat er in den letzten 20 Jahren Unternehmen erfolgreich bei der Besetzung anspruchsvoller Führungspositionen unterstützt. Martin Krill ist seit den 1990er Jahren fest in der IT-Branche verwurzelt. Er hat die Entwicklung von HAGER Executive Consulting und die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus dieser Branche maßgeblich geprägt.

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