Diversity im eigenen Team – nur Wunschdenken?

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Viele Menschen scheinen Diversität eher bei anderen zu favorisieren als in den eigenen Reihen, meint Martin Krill, Geschäftsführer Hager Unternehmensberatung.

Unternehmen, die das Thema Diversity nicht in ihrem Programm haben, gelten teilweise schon als antiquiert. Eigentlich möchte auch keiner ein homogenes Team, in dem alle gleich funktionieren oder empfinden. Bekanntlich sind ja heterogene Besatzungen viel erfolgreicher. Doch wie sehen Realität und Alltag wirklich aus? Wollen denn auch alle Diversität in den eigenen Reihen oder ist es nur das Wunschdenken, das für die anderen gilt?

In einer Studie des Portals Glassdoor über ‚Diversity + Inclusion‘ wurde diese Frage international beleuchtet. Insgesamt gaben 37 Prozent der befragten Teilnehmer aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA an, dass sie bereits Diskriminierung erfahren oder zumindest beobachtet hatten. Die Hälfte der Mitarbeiter aller befragten Länder vertritt die Meinung, dass ihr Unternehmen mehr für die Förderung der Vielfalt tun sollte. Wobei es eher die jüngeren Mitarbeiter sind, die eine Veränderung als erforderlich einstufen, als viele ihrer älteren Kolleginnen und Kollegen.

Deutsche Unternehmen sind homogen aufgestellt

Interessanterweise stimmten in Deutschland rund zehn Prozent weniger befragte Partizipanten dieser Aussage zu als im internationalen Vergleich. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Diversität in Deutschland in der Realität besonders gut umgesetzt wird. Das Gegenteil ist eher der Fall. Viele deutsche Unternehmen sind im internationalen Vergleich kaum divers, sondern eher homogen aufgestellt. Damit gibt es weniger Grundlagen, die zur Diskriminierung führen könnten. Auch hat sich herauskristallisiert, dass viele Menschen Diversität eher bei den anderen favorisieren als in den eigenen Reihen. Für sich selbst ziehen viele es häufig vor, mit Personen zusammenzuarbeiten, die ihnen möglichst ähnlich sind. Demnach macht es hier einen Unterschied, ob man bei der Auswahl von Kollegen für sich selbst oder für Dritte entscheidet.

Gleichgesinnte bevorzugt

Zwar verbinden die meisten der Teilnehmer Diversität mit Kreativität und Innovation, aber sie befürchten auf der anderen Seite, dass eine Zusammenarbeit mit Personen, die andere Ansichten vertreten, eine andere Sprache sprechen oder einen unbekannten kulturellen Lebensstil pflegen, eher schwierig sein könnte. Diese Bedenken fallen umso stärker ins Gewicht, je mehr die eigene Person betroffen ist. Deshalb bevorzugen viele Arbeitnehmer eher Gleichgesinnte im eigenen Team als einen diversen Teamplayer, der womöglich mit deutlich anderen Ansichten Kontroversen einbringt.

Auch in der von der Hager Unternehmensberatung im vergangenen Jahr durchgeführten Diversity-Umfrage zeigten sich vergleichbare Ergebnisse. Viele Unternehmen erkennen die Wichtigkeit und auch den Zugewinn, den sie durch Vielfalt erlangen. Jedoch haben die wenigsten der befragten Teilnehmer eine feste Strategie, die sie verfolgen. Auch wird vielfach die Erkenntnis, die zwar schon den meisten Köpfen angekommen ist, nicht aktiv in den eigenen Reihen in die Tat umgesetzt. Diversity wird erst dann Normalität sein, wenn wir es nicht mehr überdenken und darüber diskutieren müssen.

Martin Krill ist seit knapp zwanzig Jahren für die Hager Unternehmensberatung tätig und wurde 2004 zum Geschäftsführer berufen. Er besetzt gehobene Vertriebs- und Management-Positionen in der Technologiebranche sowie in weiteren ausgewählten Branchen.

Die Hager Unternehmensberatung beschäftigt mittlerweile rund 100 Mitarbeiter an den deutschen Standorten. Aufgrund der Partnerschaft zu Horton International ist sie in mehr als 40 Niederlassungen in den global wichtigsten Wirtschaftsregionen vertreten.

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