KI und Führung: „Wir stehen erst ganz am Anfang“

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ChatGPT ist ein „iPhone-Moment“ für die Führung, sagt Patrick Merke im Interview mit dem HR JOURNAL. KI und Führung: Wie sich die Führungspraxis verändern wird, das erfahren Sie am 21. Februar in einem Führungskräfte-Dialog. Lesen Sie hier, worum es dort geht und welche Erkenntnisse Sie mitnehmen können.

ChatGPT eröffnet Führungskräften, noch fundiertere Entscheidungen zu treffen. Sie können ihre kommunikative Effizienz und Wirkungskraft steigern, was zu einer kommunikativeren und qualitativ hochwertigeren Führung führt. Patrick Merke, Gründer und Leiter der frankfurter akademie für neue arbeitskultur und neue führung, ist unverkennbar „der Enthusiast“, wenn es um die Potenziale von KI im Management geht.

KI und Führung: Hier stehen wir erst noch am Anfang. „Es herrscht noch ein großes Maß an Unwissenheit und Unsicherheit unter den Führungskräften“, sagt Merke. Für ihn steht fest: Die Einführung von ChatGPT & Co. markiert einen Paradigmenwechsel in der Arbeitswelt, vergleichbar mit revolutionären Momenten wie der Einführung des iPhones.

Gemeinsam mit Professor Werner Bruns, Studiengangsleiter Digitale Transformation bei der Rheinischen Fachhochschule Köln, wird er im Führungskräfte-Dialog die Potenziale und Grenzen von KI für die konkrete Führungspraxis ausloten. Veranstalter ist der Deutscher Führungskräfteverband ULA in Kooperation mit dem HR JOURNAL. Wir haben Patrick Merke im Vorfeld des Dialogs einige Fragen gestellt.

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Beginnen wir mit der wichtigsten Frage aus Sicht der Teilnehmenden: Welche Erkenntnisse nehmen diese aus dem Führungskräfte-Dialog mit?

Patrick Merke: Die Teilnehmenden nehmen mit, welche Auswirkungen ChatGPT auf die Führungspraxis hat. Sie lernen, dass ChatGPT als ein vielseitiges Instrument und Kollegin dienen kann, um sie zum Beispiel in einer breiten Palette an Rollen zu unterstützen – von der Bereitstellung methodischer Empfehlungen basierend auf aktuellen Situationen und Bedürfnissen der Mitarbeitenden bis hin zur Simulation spezifischer Rollen innerhalb der Organisation. Führungskräfte können durch die Nutzung von ChatGPT ihre kommunikative Effizienz und Wirkungskraft steigern, was zu einer kommunikativeren und qualitativ hochwertigeren Führung führt. Darüber hinaus kann ChatGPT die Möglichkeit des Shared Leadership fördern, bei dem Führungsaufgaben innerhalb eines Teams kollektiv übernommen werden, was eine partizipativere Führungskultur ermöglicht.

Künstliche Intelligenz (KI) wird die Arbeitswelt revolutionieren, hieß es in der Ankündigung des Führungskräfte-Dialogs. Was sind Ihre ersten Gedanken zu den möglichen Auswirkungen von KI auf die Führungspraxis?

Patrick Merke: Die Einführung von ChatGPT und ähnlichen KI-Modellen markiert zweifelsohne einen paradigmatischen Wandel in der Arbeitswelt, vergleichbar mit revolutionären Momenten wie der Einführung des iPhones. So wie ChatGPT als „iPhone-Moment der Künstlichen Intelligenz“ bezeichnet wird, ist ChatGPT auch ein „iPhone-Moment“ für die Führung. In dieser neuen Ära der Führungspraxis nutzen Führungskräfte KI-Modelle wie ChatGPT effektiv für ihre Kommunikation, die Entscheidungsfindung und die Teamarbeit. Die transformative Kraft von ChatGPT ermöglicht eine Führungspraxis, die digitaler, dynamischer, kommunikativer, transparenter, hochwertiger, anspruchsvoller, individueller und demokratischer ist. ChatGPT bedeutet nicht nur eine technologische, sondern vor allem auch eine kulturelle und strukturelle Veränderung.

Wie schätzen Sie den aktuellen Stand der Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Führung ein?

Patrick Merke: Wir stehen erst ganz am Anfang. Es herrscht noch ein großes Maß an Unwissenheit und Unsicherheit unter den Führungskräften, was übrigens angesichts der rasanten Entwicklungen auf diesem Gebiet absolut verständlich ist. Selbst ich, der sich berufsmäßig mit der Thematik beschäftigt, stoße regelmäßig an meine Grenzen. Und hinzu kommt, dass nicht nur Führungskräfte fit für KI sein müssen, sondern letztendlich alle Mitarbeitenden in der Organisation. Sie werden die Möglichkeiten der KI nur nutzen können, wenn alle eine entsprechende KI-Kompetenz haben. Wir nennen das den Domino-Effekt: Wenn eine Person in einem Team oder einer Organisation beginnt, mit ChatGPT zu arbeiten, müssen die Kollegen und Kolleginnen folgen, um mit der Geschwindigkeit und/oder dem Niveau mitzuhalten.

Wie sehen Sie die Rolle von KI bei der Befähigung von Führungskräften, fundierte Entscheidungen zu treffen?

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Patrick Merke: ChatGPT eröffnet Führungskräften, noch fundiertere Entscheidungen zu treffen. Durch den unmittelbaren Zugriff auf umfangreiche Daten, Analysen und Informationen können sie sowohl schneller als auch auf einer breiteren Informationsgrundlage agieren. Diese beschleunigte Entscheidungsfindung und Handlungsfähigkeit bringen allerdings auch neue Herausforderungen mit sich, zum Beispiel die Erwartungen an eine erhöhte Reaktionsfähigkeit der Führungskräfte. Die Rolle von ChatGPT bei der Befähigung von Führungskräften liegt somit in der Beschleunigung von Prozessen und damit als Katalysator für einen kulturellen Wandel der Führung, bei dem Geschwindigkeit ein zentrales Führungsmerkmal wird.

Welche spezifischen kulturellen Veränderungen werden in Unternehmen zu beobachten sein, die konsequent auf KI in der Führung setzen?

Patrick Merke: Unternehmen, die konsequent auf KI in der Führung setzen, werden signifikante kulturelle Veränderungen erleben, die sich in mehreren Dimensionen manifestieren:

  • Demokratisierung des Wissens und Shared Leadership: Mit fortschrittlichen KI-Systemen wie ChatGPT haben nun alle im Team und in der Organisation Zugriff auf ein umfangreiches Führungswissen, das zuvor eventuell nur erfahrenen Führungskräften vorbehalten war. Dies fördert eine Kultur des Shared Leadership, bei dem Führungsaufgaben innerhalb eines Teams kollektiv erbracht werden, und ermutigt jeden Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen und zur Führung des Teams beizutragen.
  • Steigerung der Kommunikationsqualität: Führung wird kommunikativer, da ChatGPT die kommunikative Präzision, Effizienz und Wirkungskraft von Führungskräften steigert. Die Grenzen der Sprache werden erweitert, was zu einem besseren Verständnis und stärkerem Vertrauen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden führen kann.
  • Erhöhung der Reaktionsfähigkeit und Schnelligkeit: Die Führungs-Kultur wird durch die sofortige Verfügbarkeit von Daten, Analysen und Informationen dynamischer. Führungskräfte müssen und können zunehmend in Echtzeit reagieren, was die Erwartungen an deren Reaktionsfähigkeit erhöht.
  • Qualitative Verbesserung der Führung: Führungskräfte haben Zugriff auf eine breite Palette von Informationen und Wissen rund um Führungsthemen, was zu durchdachteren Entscheidungen führt. Die Führungsqualität wird qualitativ gehaltvoller.
  • Förderung einer Lernkultur: Die Einführung von ChatGPT fördert eine Kultur des kontinuierlichen Lernens und des team- und bereichsübergreifenden Austauschs. Denn angesichts der rasanten Entwicklung im Bereich der KI ist es dringend notwendig, sich vom individuellen Silo-Lernen zu lösen. Das Lernfeld KI ist aktuell nur im Team zu bewältigen.

Wer sollte sich auf jeden Fall für den Führungskräfte-Dialog anmelden?

Patrick Merke: Jede Führungskraft, die sich noch nicht mit den Auswirkungen von ChatGPT auf die Führungspraxis auseinandergesetzt hat, ist herzlich willkommen und sollte teilnehmen. Dies gilt sowohl für Enthusiasten, die die Potenziale von KI in der Führung erkunden möchten, als auch für Skeptiker und Kritiker, die sich mit den Herausforderungen und Grenzen dieser Technologien auseinandersetzen möchten. Spoiler-Alarm: Ich bin eher der Enthusiast …

KI und Führung: Die Veranstaltung

Führung mit KI
ULA-Führungskräfte-Dialog
21. Februar 2024, 17:00 bis 18:00 Uhr
(Webex-Konferenz)

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme an dem Führungskräfte-Dialog und bitten um Anmeldung bis 20. Februar 2024. Die Teilnahme ist kostenfrei. Hier können Sie sich anmelden: https://www.ula.de/ula-fuehrungskraefte-dialog-fuehrung-mit-ki/

Über die ULA:

Logo ULADie ULA e. V. – Deutscher Führungskräfteverband wurde im Jahr 1951 unter dem damaligen Namen „Union der Leitenden Angestellten“ gegründet und ist der größte Dachverband für Fach- und Führungskräfteorganisationen. Als gemeinsames politisches Sprachrohr ihrer Mitgliedsverbände vertritt sie die Interessen aller Führungskräfte in Deutschland.

Während die ULA e. V.– Deutscher Führungskräfteverband die übergreifende Vertretung im politischen Raum sicherstellt, nehmen ihre Mitgliedsverbände die Vertretung der spezifischen berufs- und branchenbezogene Anliegen und Interessen ihrer Mitglieder wahr.

Die ULA e. V.– Deutscher Führungskräfteverband ist Gründungsmitglied der CEC European Managers, die eine Million Führungskräfte in Europa vertritt.

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Patrick Merke ist Gründer und Leiter der frankfurter akademie für neue arbeitskultur und neue führung. Seine Themenschwerpunkte sind vor allem Führungskultur, Kommunikationskultur, Lernkultur, Teamkultur sowie Organisationsentwicklung und Change Management. Er verfügt über knapp 25 Jahre Erfahrung im Management und in Führungspositionen, darunter 15 Jahre in verschiedenen Rollen innerhalb der F.A.Z.-Gruppe.

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