„Reise der Offenheit“: Wie transparent darf ein Unternehmen sein?

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In einer digitalen Welt, wo alles über Unternehmen im Internet steht, aber die Wahrheit nur das Unternehmen selbst kennt, ist es so wichtig, offen über Offenheit zu sprechen. Nadine Trautwein, Geschäftsführerin von HUNTER, geht in ihrem Gastbeitrag mit diesem Thema aus der Sicht eines CEOs um. Über eine „Reise der Offenheit“.

In einem traditionsreichen, familiengeführten Unternehmen wie HUNTER ist es oft schwierig, Altbewährtes mit neuen Ideen zu verknüpfen. Unsere tief verwurzelten Werte sind der Kompass, der uns durch die Jahrzehnte geführt hat. Doch in unserer sich schnell verändernden Welt sehen wir uns einer komplexen Frage gegenübergestellt: Wie behandeln wir das Thema Transparenz und Offenheit, insbesondere in Bezug auf interne Kommunikation. Gerade als Familienunternehmen ist es doch besonders wichtig, dass alle Themen auf den Familientisch kommen und ganz offen diskutiert werden.

Veränderungen sind per se nicht immer einfach und insbesondere in Bezug auf Führungsstile- und prinzipien und cultural change Prozesse lässt sich der Schalter nicht von heute auf morgen umlegen. Das habe ich selbst erfahren.

Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass eine Bewertung durch Außen von Beratungsfirmen oder auch durch Coaches ein sinnvoller erster Schritt ist, Kommunikation objektiv zu bewerten. Im eigenen Süppchen schwimmen, das habe ich ganz früh als Unternehmerin gelernt, lässt dich nicht über den Tellerrand sehen.

Das würde ich immer wieder machen: den Einbezug externer Coaches. Dafür müssen wir unsere Türe ganz weit aufmachen, um zu zeigen, wo und wie wir kommunizieren. Nur in der offenen Zusammenarbeit mit Coaches auf Augenhöhe kann eine professionelle Einsicht funktionieren und unsere reale Kommunikationskultur und -struktur objektiv bewertet werden. Von außen funktioniert nur eine mögliche Veränderung, wenn sie mittendrin in unseren Meetings sitzt.

Offenheit muss fest verankert werden in der Unternehmenskultur

Was hat uns das gebracht? Was sind unsere Learnings? Ein Bild ist mir bis heute im Kopf geblieben und das veranschaulicht ganz gut die Kommunikation bei HUNTER. Sie lässt sich am besten mit den Schichten einer Zwiebel vergleichen: Im innersten Kern befinden sich die sensibelsten und vertraulichsten Informationen, die nur in einem engen Kreis geteilt werden. Hier herrscht absolute Offenheit und das Wissen, dass jedes Mitglied dieses Kerns die gleiche Verantwortung teilt und auch trägt.

In diesem geschützten Raum ist Platz für Offenheit in ihrer Reinform. Dazu gehört positive und negative Kritik in gleichen Teilen dazu. Nur so funktioniert echte Transparenz, sie muss auch mal wehtun – immer unter der Prämisse, den Wunsch, die Situation, das Unternehmen oder den Menschen besser zu machen – immer mit wohlwollender, unterstützender Haltung. Niemals geht es darum, den oder die andere zu verletzen. Genau das wollen wir in dem kleinsten Kreis verhindern, indem wir einen Schutzraum bilden, der ganz klar sagt: Alles auf den Tisch, egal wie stark der Fisch stinkt, nur so können wir die richtigen Entscheidungen fürs Unternehmen treffen.

Werte müssen gelebt werden und nicht eingefordert

Unsere Erkenntnis: Wenn wir als Führungskräfte, auch insbesondere ich, als geschäftsführende Gesellschafterin, offene Kommunikation nicht täglich vorleben, dann kann ich nicht erwarten, dass die Unternehmenskultur gelebt wird. Als Führungskräfte müssen wir uns trauen, transparent über Strategien, Zahlen und Herausforderungen zu sprechen, dabei aber stets abwägen, welche Informationen relevant und angemessen sind. Es ist kein einfacher Prozess und erfordert eine ständige Neubewertung, um sicherzustellen, dass die richtigen Informationen geteilt werden, diese aber auch verständlich vermittelt und nachvollziehbar aufgenommen werden können.

Plakative Beispiele sind oft Zahlen, die Raum für Spekulationen aufmachen. Das Quartal 1 ist im Vergleich zum Vorjahr so oder so gelaufen. Ohne Kontext funktioniert keine offene Kommunikation. Sie funktioniert nur, wenn der Kontext und die Botschaft klar ist, sonst kann sie auch zum Bumerang werden.

Dies erfordert ein tiefes Verständnis und Vertrauen in unsere Mitarbeitenden und ein Bewusstsein dafür, dass Offenheit nicht als Risiko, sondern als wertvolles Gut betrachtet wird.

Diese transformative Reise hat HUNTER nicht nur verändert, sondern uns auch gestärkt. Wir haben eine neue Perspektive auf das, was es bedeutet, transparent zu sein, gewonnen und verstanden, dass es nicht darum geht, alles blindlings offenzulegen, sondern darum, klug und durchdacht zu teilen, Vertrauen zu schaffen und zu erhalten.

Zum Abschluss möchte ich alle anderen Unternehmen ermutigen, sich auf ihre eigene „Reise der Offenheit“ zu begeben. Es ist eine herausfordernde, aber lohnende Reise, die das Potenzial hat, nicht nur die Kommunikation, sondern die gesamte Unternehmenskultur zu bereichern. Jeder hat das Recht auf eine offene Kommunikation.

Und auch in diesem Bereich gilt: Lebenslanges Lernen! Obwohl ich jeden Tag kommuniziere, lerne ich jeden Tag aufs Neue zu kommunizieren.

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Foto Nadine Trautwein

Im Jahr 2000 stieg Nadine Trautwein bei HUNTER, dem Bielefelder Spezialisten für hochwertiges Tierzubehör, ein und führt seit dem Jahr 2007 das weltweit erfolgreiche Unternehmen mit einem Team von rund 160 engagierten Mitarbeitern, die die Begeisterung für die Marke teilen und Tiere lieben.

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