Game Changer: E-Sport im Recruiting

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Teamfähig, strategisches Denken, schnelle Entscheidungsfindung – Gaming fördert Skills, die auch im Job gefragt sind. Jürgen Janke von der Wirtschaftsförderung Paderborn erklärt, wie E-Sport neue Möglichkeiten bietet, die Sichtbarkeit von Unternehmen zu erhöhen und potenzielle Fachkräfte anzusprechen.

Gaming – Was oft als sinnloser Zeitvertreib abgetan wird, erweist sich als wirksames Instrument im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Über 85 Prozent der 16- bis 29-Jährigen in Deutschland spielen regelmäßig. Viele davon begeistern sich für den digitalen Wettkampf. Das sollten Recruiter nutzen. So bieten beispielsweise Berufsmessen die Möglichkeit, sich schon mit einfachen Mitteln wie der Bereitstellung einer Spielkonsole von der Masse abzuheben.

Hier können Unternehmen ohne großen Aufwand Vernetzungsmöglichkeiten schaffen, die über das bloße Verteilen von Flyern und Visitenkarten hinausgehen. Gaming-Angebote ziehen Besucherinnen / Besucher auf Messen geradezu magisch an, was zu langen Warteschlangen führt und Zeit für Gespräche mit potenziellen Bewerberinnen / Bewerbern verschafft.

Eindrücke über Frustrationstoleranz und Leistungsbereitschaft gewinnen

Die Integration eines Highscore-Systems oder eines kleinen Wettbewerbs am Messestand bringt zwei weitere Vorteile. Erstens können Unternehmen auf niederschwellige Weise Eindrücke über die Frustrationstoleranz und das Verhalten der unter Druck stehenden Teilnehmenden gewinnen. Zweitens wird deutlich, welche Interessenten den Highscore im Auge behalten und eventuell mehrmals den Stand besuchen, um ihn zu übertreffen. Dies gibt Aufschluss über die Leistungsbereitschaft und den Ehrgeiz der Personen.

Haben die Personalverantwortlichen erst einmal die Aufmerksamkeit der Messebesucher gewonnen, sollten sie nicht vergessen, Kontaktdaten zu sammeln, um später über mögliche Gewinne und offene Stellen im Unternehmen informieren zu können.

Aber nicht nur im Rahmen von Berufsmessen kann Gaming ein Mittel zum Aufbau erster Kontakte mit potenziellen Fachkräften sein.

E-Sport-Turniere: Momente schaffen, die Nachwuchskräften in Erinnerung bleiben

E-Sport Paderborn
©WFG Paderborn / Tobias Vorwerk

E-Sport-Turniere erweisen sich als weitere innovative Plattform, um Menschen und Unternehmen zu vernetzen. So werden in Paderborn in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Schulen und Sportvereinen regelmäßig E-Sport-Turniere veranstaltet. Hier spielen Teilnehmende unterschiedliche Titel in dafür ungewohnten Umgebungen, wie einem Autohaus, im Einkaufszentrum, Kino, Klassenraum oder im Büro. Dabei kommen sie mit Unternehmen in Kontakt, die ihnen bis dahin völlig unbekannt waren. Beispielsweise zeigte zuletzt ein Mario Kart Turnier mit fast 50 Teilnehmenden aus 20 Paderborner Unternehmen, wie gut solche Formate auch im B2B Umfeld angenommen werden.

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Turniere wie diese bilden das ideale Umfeld, den ersten Berührungspunkt zwischen (jungen) Menschen und Unternehmen sehr positiv zu gestalten. Zwar steht der digitale Wettbewerb im Mittelpunkt, gleichzeitig verankert sich jedoch unbewusst, wo dieser schöne Moment stattgefunden hat (zum Beispiel auf einem Unternehmensgelände) und durch wen er ermöglicht wurde.

Wer als Personalverantwortlicher die Möglichkeit hat, stellt nicht nur Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern lässt auch Mitarbeitende am Turnier teilnehmen. Dies schafft zusätzlich eine Verbindung auf persönlicher Ebene. So können Unternehmen signalisieren, dass Menschen dort arbeiten, die die gleichen Interessen haben und „wie ich“ gerne spielen. Das Bewerbungsgespräch startet direkt auf einer Wellenlänge. So kommen Unternehmen an Arbeitskräfte, die sie sonst nicht erreicht hätten.

Mehr als nur als Gaming-Skills

E-Sport Paderborn
©WFG Paderborn / Tobias Vorwerk

Oft verschweigen Bewerberinnen und Bewerber im Bewerbungsgespräch aus Angst vor Vorurteilen ihre Leidenschaft für Gaming. Dabei können sich gerade hier wertvolle Kompetenzen verbergen. Zum Beispiel Teamfähigkeit, strategisches Denken und schnelle Entscheidungsfindung – Fähigkeiten, die in der heutigen Arbeitswelt immer mehr gefragt sind und im Umfeld von E-Sport spielerisch erlernt werden.

Beispielsweise koordinieren manche Spielerinnen / Spieler im Game „World of Warcraft“ jedes Wochenende „Raids“ (Schlachtzüge, die man als Gruppe durchführt) für bis zu 40 Personen und geben ihnen Aufgaben, die auf individuellen und spielerischen Fähigkeiten basieren. In einer zunehmend dezentralen und digitalen Arbeitswelt ist dies eine Schlüsselqualifikation, um virtuelle und wechselnde Teams erfolgreich zu führen.

Das Engagement in den Unternehmenskontext übertragen

Ähnliche Potenziale haben Spielerinnen und Spieler, die sich jahrelang in festen Teamstrukturen in Hobbyligen engagieren und mehrfach die Woche trainieren, um gemeinsam meist digitale Ziele im E-Sport zu erreichen. Wertvoll ist dabei auch, dass es in fast allen Fällen nicht um Gewinnprämien geht, sondern um den persönlichen Ehrgeiz. Dies zu erkennen und schließlich Wege zu finden, dieses Engagement in den Unternehmenskontext zu übertragen, ist von unschätzbarem Wert.

Noch stehen wir am Anfang einer Entwicklung, in der E-Sport eine immer wichtigere Rolle im Bereich des Recruitings einnehmen wird. Unternehmen, die diese Chance erkennen und nutzen, haben einen entscheidenden Vorteil im Wettbewerb. E-Sport ist weit mehr als nur ein Trend. Er ist ein prägender Bestandteil im Leben vieler Menschen, der von vielen Recruitern unterschätzt und dadurch nicht integriert wird.

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Jürgen Janke ist bei der Wirtschaftsförderung Paderborn für die Themen Digitalisierung, Innovationen und E-Sport zuständig. Darüber hinaus engagiert er sich ehrenamtlich im Paderborner E-Sport-Verein, der jungen Menschen und Gaming-Interessierten professionelle Strukturen bereitstellt. Foto: WFG Paderborn / Besim Mazhiqi

 

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