Recruitment unter Corona-Bedingungen

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Recruiting unter Corona-Bedingungen bringt Besonderheiten mit sich, die es zu beachten gilt. Mehr erfahren Sie von Katrin Luzar, Monster Deutschland.

Die anhaltende Pandemielage wirkt sich unterschiedlich auf die Personalpolitik deutscher Unternehmen aus. Während Branchen wie Gastronomie, Tourismus und Luftfahrt sowie das Messe- und Veranstaltungssegment von Corona besonders stark betroffen sind, gehen Neuanstellungen auch in der Automobilindustrie und im Finanzwesen konjunkturbedingt eher zurück.

Im Technologiesegment, Gesundheitswesen und im Onlinehandel und der Logistik hingegen boomt das Geschäft und Unternehmen stocken ihre Belegschaft auf. Dabei setzen sie verstärkt auf digitale Recruiting-Prozesse. Freilich bietet nicht jedes Unternehmen gleich ein eigenes Bewerberportal oder nutzt eine Recruitingsoftware. Weit verbreitet aber ist – zumindest für das Erstgespräch – das Job-Interview per Video-Konferenz. Fest steht: Das Recruiting unter Corona-Bedingungen, wie das Bewerbungsgespräch per Video, bringt einige Besonderheiten mit sich, die es zu beachten gilt.

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Wirtschaftliche Perspektiven zeigen und Flexibilität bieten

Bewerber achten in Krisenzeiten mehr denn je auf die wirtschaftlichen Perspektiven eines möglichen Arbeitgebers. Wie krisensicher ist die Branche und wie wird sie sich bei anhaltender Krise entwickeln? Wie stabil steht der potenzielle Arbeitgeber da? Ist es ein etabliertes Unternehmen mit Rücklagen oder ein finanzierungsabhängiges Start-up? Gab es im ausschreibenden Unternehmen zu Pandemiebeginn vermehrt Personalabbau und ist mit neuen Entlassungen zu rechnen?

Schon in der Ausschreibung sollten Unternehmen darauf achten, möglichen Bewerbern Perspektiven aufzuzeigen und sich als sicherer Arbeitgeber zu positionieren. Verweise auf Wachstum oder Neukundengewinne als Recruiting-Grund, auf Teamstabilität oder ein attraktives Förder- und Weiterbildungsprogramm schaffen Vertrauen und signalisieren: Hier haben Bewerber eine Zukunft.

Zudem sollten Arbeitgeber hervorheben, welche Angebote für flexibles Arbeiten sie in ihrem Unternehmen etabliert haben. Viele Arbeitnehmer, die in der Pandemie die positiven Seiten von Home und Remote Office schätzen gelernt haben, möchten darauf auch künftig nicht verzichten. Wer sich hier als aufgeschlossener Arbeitgeber präsentiert, erweitert seinen Bewerberpool – und spricht unter Umständen auch hochqualifizierte Bewerber an, die nicht im Einzugsbereich wohnen.

„Corona-Lücken“ sind keine Schande

Nicht nur in Sachen Arbeitsort und -zeit hat uns Corona Flexibilität gelehrt; auch hinsichtlich des Lebenslaufs sollten Recruiter derzeit umdenken: In der Regel betrachten Personalverantwortliche Lücken im Lebenslauf als Makel. Bewerber, die ihren Werdegang nicht lückenlos skizzieren können, müssen spätestens im Bewerbungsgespräch mit Fragen rechnen. Recruiter erwarten von ihnen, offensiv mit Fehlzeiten umzugehen, zu ihnen zu stehen und zu erklären, wie sie zustande kamen. Dieses Transparenzgebot gilt an sich auch für „Corona-Lücken“. Wer allerdings seinen Job Pandemie-bedingt verloren und in der aktuellen Wirtschaftslage nicht gleich eine Folgeanstellung gefunden hat, wird zu Recht auf Verständnis hoffen.

Bei größeren Lücken kann es ein wertvolles Differenzierungsmerkmal zwischen Bewerbern sein, wie die Zwangspause genutzt wurde – zum Beispiel für sinnvolle Weiterbildungen. Besonders der Ausbau digitaler Kompetenzen steht derzeit hoch im Kurs. Sie sind angesichts von Remote Working und verstärkt genutzter digitaler Arbeitsprozesse gefragter denn je. Wer sich hier eigenständig bildet, zeigt Engagement und Sinn für die Anforderungen der Zeit.

Professionelle Bewerbungsgespräche gelingen auch per Video

Zahlreiche Bewerbungen auf Ihre Stellenanzeige sind eingegangen. Eine Vorauswahl wurde getroffen. Termine für die ersten Bewerbungsgespräche stehen – dank Social Distancing per Video-Konferenz. Im Zweifel sogar aus dem Home Office. Was gilt es nun zu beachten?

Grundsätzlich sollten sich Bewerber und Recruiter auf ein Video-Interview genauso vorbereiten wie auf ein persönliches Gespräch. Bewerber sollten mit den typischen Fragen zu ihren Kompetenzen, zu ihrer Motivation und Selbsteinschätzung sowie zu ihrem Lebenslauf rechnen. Recruiter sollten im Gegenzug intelligente Rückfragen zur ausgeschriebenen Stelle und zum Unternehmen, zum Team und Aufgabenbereich sowie zu den Arbeitsbedingungen und Karriereperspektiven erwarten.

Gerade wenn der offizielle Rahmen des Besprechungsraums in den Unternehmensräumlichkeiten fehlt, ist aber auch ein besonderes Gespür für Repräsentation unabdingbar: Alle Teilnehmer sollten deshalb wie im persönlichen Gespräch auf angemessene Kleidung und ein gepflegtes Äußeres achten. Genauso wichtig ist das Umfeld, in dem sie sich präsentieren, sowie die technische Qualität des Calls – besonders, wenn er von zu Hause aus wahrgenommen wird. Für beide Seiten gilt:

  • Prüfen Sie vor Beginn der Video-Konferenz die Stabilität Ihres Internetanschlusses sowie Bild- und Tonqualität.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie nicht gestört werden und vermeiden Sie Nebengeräusche.
  • Sorgen Sie für optimale Ausleuchtung und setzen Sie sich zur Vermeidung von Gegenlicht nicht mit dem Rücken zum Fenster.
  • Wählen Sie einen geeigneten Hintergrund, am besten eine neutrale Wand oder aber ein Bücherregal, ein geschlossener Schrank oder ein Bild. Prüfen Sie jedoch unbedingt, was Ihr Gesprächspartner hinter Ihnen erkennen kann: der Gegenstand von Bildern, Buchtitel oder Krimskrams können schnell unprofessionell wirken oder zu Peinlichkeiten führen.
  • Wenn Sie zu Hause keinen ausgesprochenen Arbeitsplatz haben, wählen Sie möglichst einen Platz am Esstisch mit neutralem Hintergrund. Einblicke in Ihre Küche oder Schlafzimmereinrichtung sind tabu. Ebenso macht es keinen guten Eindruck, wenn Sie erkennbar auf einem Sofa oder gar auf dem Fußboden sitzen.
  • Manche Video-Tools bieten die Möglichkeit, Hintergrundeffekte zu wählen. Hier gilt: Den Raum hinter Ihnen in Unschärfe zu tauchen, kann zu einem professionellen Erscheinungsbild beitragen. Aber Finger weg von Palmenstrand oder Bürosimulation.

Übrigens: Auch im Video-Interview unter Corona-Bedingungen ist es möglich, Bewerbern einen Einblick in die Unternehmenskultur zu bieten. Laden Sie mögliche Team-Kollegen zu einer lockeren Frage-Antwort-Runde mit in den Call ein oder bieten Sie Bewerbern einen virtuellen Bürorundgang an. So vermitteln Sie vielversprechenden Kandidaten eine Idee vom Miteinander auch „nach der Krise“.

Dr. Katrin Luzar kam Anfang 2011 zu Monster und verantwortet aktuell als Senior Director Marketing die Themenbereiche Marketing- und Markenstrategie DACH und Schweden sowie Public Relations und das Content Management. Auf europäischer Ebene leitet sie den Bereich der Consumer Communications und hat dabei den Perfect Fit für die Jobsuchenden im Fokus.

Seit über 20 Jahren unterstützt das Online-Karriereportal Monster weltweit Arbeitnehmer bei der Suche nach dem richtigen Job und Arbeitgeber bei der Suche nach den besten Talenten. Heute agiert das Unternehmen in über 40 Ländern und bietet Lösungen rund um Jobsuche, Karriereplanung, Rekrutierung und Talentmanagement.

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