Schneckentempo im Recruiting schadet dem Unternehmen

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Fast 75 Prozent der Befragten glauben, aus der Art des Bewerbungsprozesses Rückschlüsse auf die Unternehmenskultur ziehen zu können, sagt eine Stepstone-Studie. „Schnelle“ Unternehmen punkten bei Bewerberinnen und Bewerbern. Durch Automatisierung kann HR mindestens 10 Stunden pro Woche beim Recruiting einsparen.

Unternehmen könnten bei Bewerberinnen und Bewerbern mit Tempo punkten, sind aber auch mangels Automatisierung noch viel zu langsam. Das ist das Ergebnis der Studie „The State of Recruitment and Automation“ von The Stepstone Group, für die die globale Recruiting-Plattform im September 2023 rund 550 Personalverantwortliche und 3.700 Kandidatinnen / Kandidaten befragt hat.

Demnach erwarten 61 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber von Firmen nach maximal einer Woche eine erste verbindliche Rückmeldung zu ihrer Bewerbung. Die Mehrheit wartet darauf aber vergeblich.

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Unternehmen müssen schnell sein

Das Tempo des Bewerbungsprozesses wirkt sich den Ergebnissen zufolge direkt auf die Attraktivität des potenziellen Arbeitgebers aus: Zwei Drittel der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden sich eher für ein Unternehmen entscheiden, wenn der Ablauf dort schnell und unkompliziert ist. Sogar 79 Prozent der Befragten gaben an, die Qualität des Bewerbungsprozesses sei in den vergangenen Jahren für sie wichtiger geworden.

Beinahe genauso viele (75 Prozent) glauben, aus dem Verfahren Rückschlüsse auf die Unternehmenskultur ziehen zu können. Und für 63 Prozent spiegelt der Bewerbungsprozess zudem wider, wie technologieaffin ein möglicher neuer Arbeitgeber ist.

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Jobsuchende haben die Wahl

Foto Tobias Zimmermann
Tobias Zimmermann

„Der Arbeitsmarkt ist ein Arbeitnehmer- / -innen-Markt – die aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten haben daran bisher nichts geändert. Entsprechend selbstbewusst sind Jobsuchende und entsprechend hoch sind ihre Erwartungen an das Einstellungsverfahren. Bewerberinnen und Bewerber wollen es einfach, verbindlich und sie wollen schnell ins persönliche Gespräch“, sagt Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone Group.

„Der Bewerbungsprozess wird bei der Entscheidung für oder gegen einen neuen Arbeitgeber mehr und mehr zum Zünglein an der Waage. Wer mehrere gute Optionen hat, entscheidet sich im Zweifel für das Unternehmen, das am schnellsten reagiert“, betont Zimmermann.

Personalabteilungen sind überlastet

Doch viele Personalverantwortliche ächzen: Mehr als sechs von zehn Recruiter / -innen (62 Prozent) müssen der Studie zufolge heute mehr Stellen besetzen als in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig sei diese Aufgabe schwieriger geworden: So spüre die große Mehrheit der HR-Verantwortlichen (89 Prozent) den zunehmenden Wettbewerb um Fachkräfte. Acht von zehn (81 Prozent) benötigten derzeit länger als in den Vorjahren, um eine offene Stelle zu besetzen. Fast zwei Drittel (65 Prozent) beklagen, die Menge an Arbeit übersteige ihre Ressourcen.

Zehn Stunden weniger Arbeit pro Woche durch Automatisierung

Personalverantwortliche könnten den Studienergebnissen zufolge mindestens zehn Stunden Arbeitszeit pro Woche beim Recruiting einsparen, wenn sie manuelle Tätigkeiten automatisieren würden. So sichten 86 Prozent von ihnen alle Bewerbungsunterlagen immer noch vollständig manuell, 80 Prozent formulieren ihre Stellenanzeigen auf konventionellem Weg. Fast drei von vier Recruiter / -innen (74 Prozent) überprüfen per Hand, ob die Bewerbungsunterlagen vollständig sind.

Über die Studie „The State of Recruitment and Automation“

In Zeiten der Arbeiterlosigkeit sind Unternehmen mehr denn je darauf angewiesen, innovative Ansätze zu finden, um im Wettbewerb um die besten Talente erfolgreich zu sein. Doch wie können wir den Bewerbungsprozess effizienter gestalten und das Bewerbererlebnis nachhaltig verbessern? Im September 2023 hat The Stepstone Group rund 550 Personalverantwortliche und 3.700 Kandidatinnen und Kandidaten zu Tech und Automatisierung im Recruiting befragt. Die Stichprobe der Kandidatinnen und Kandidaten ist repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung nach Alter und Geschlecht.

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