Recruiting: Warum es sich lohnt, auf Soft Skills zu achten

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Persönlichkeiten rekrutieren: Warum und wie HR Soft Skills im Bewerbungsgespräch identifizieren sollte, weiß Jérémy Lamri von JobTeaser.

Eine Menge gut ausgebildeter Talente der Gen Z strömen auf den Arbeitsmarkt. Bewerberinnen und Bewerber mit gut ausgebildeten Softskills machen den entscheidenden Unterschied für ein kollegiales Arbeitsklima und den unternehmerischen Erfolg. Im Internet finden sich eine Menge Tipps, wie Bewerberinnen und Bewerber ihre Soft Skills unter Beweis stellen können.

Die Perspektive von HR hingegen wird kaum thematisiert. Dabei sind Soft Skills für das erfolgreiche Recruiting junger Talente und langfristig fruchtende Arbeitsbeziehungen essenziell. Schließlich stellt der akademische Nachwuchs die Führungskräfte von Morgen. Um erfolgreich zu führen, bedarf es jedoch weit mehr als eines akademischen Abschlusses.

Um die Bedeutung von Soft Skills im Bewerbungsgespräch zu verdeutlichen und Ihnen konkrete Tipps für den Arbeitsalltag an die Hand zu geben, braucht es zunächst ein gemeinsames Verständnis des Begriffs. Eine gängige Definition, auf der unser Verständnis fußt, geht von folgenden vier Hauptkompetenzen aus:

  1. Kreativität
  2. Kommunikation
  3. Kollaboration
  4. Kritisches Denken

Kurzum: Soft Skills helfen uns dabei, besser analysieren zu können, was um uns herum passiert und Ursachen und deren Wirkung miteinander zu verknüpfen. Gleichzeitig geben sie uns die Fähigkeit, in angemessener Weise mit anderen Individuen zu kommunizieren. Sie haben daher einen wesentlichen Anteil daran, wie wir uns an Situationen und Gegebenheiten anpassen und in diesen reagieren. Schon jetzt ein zentraler Aspekt in nahezu jedem Beruf, der in der schnelllebigen Welt von Morgen für die Gen Z eine noch größere Bedeutung spielen wird.

Warum Sie Soft Skills im Bewerbungsgespräch berücksichtigen sollten

Routineaufgaben werden längst von Maschinen übernommen. Übrig bleiben komplexe Jobs, die kontinuierliches Reagieren und Anpassen an den jeweiligen Kontext verlangen. Probleme müssen gelöst und Strategien geändert werden. Selten sind daher die fachlichen Fähigkeiten die Ursache für Konfliktpunkte oder ungelöste Problemstellungen im Arbeitsumfeld. Vielmehr sind es oft fehlende oder unzureichend entwickelte Soft Skills. Die Identifizierung und Förderung von Soft Skills trägt daher maßgeblich zum unternehmerischen Erfolg und zum kollegialen Klima bei.

Die Schwierigkeit: Soft Skills können entgegen der Arbeitserfahrung und Bildung nicht einfach abgefragt werden. Erschwerend hinzu kommt, dass die einzelnen Soft Skills für jeden etwas anderes bedeuten. Während eine Person bei Kreativität direkt an eine künstlerische Begabung denkt, umschreibt eine andere Person mit Kreativität das flexible Reagieren auf Problemstellungen. Mit ein paar Tipps können Sie dennoch die relevanten Soft Skills für die gesuchte Vakanz im Bewerbungsgespräch identifizieren.

Soft Skills im Bewerbungsgespräch identifizieren: Das sind unsere Tipps

1. Positive Emotionen im Bewerbungsgespräch fördern

Ihre Bewerberinnen und Bewerber lernen Sie am besten in einer positiven Atmosphäre kennen. Diese zu schaffen und somit positive Emotionen im Bewerbungsgespräch zu fördern, ist nicht kompliziert. Schon die Gestaltung der Rahmenbedingungen kann einen positiven Einfluss haben. Denn: Mit angenehmen Rahmenbedingungen und im Gesprächsfluss lassen sich wesentlich einfacher Soft Skills abfragen und erkennen. Konkret bedeutet das:

  • Reduzieren Sie die Zahl der Gesprächsteilnehmerinnen / -teilnehmer. Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber und stellen sich vor, von mehreren Personen bewertet zu werden. Nicht angenehm? Für Bewerberinnen und Bewerber auch nicht.
  • Achten Sie auf eine angemessene Location. Ein großer leerer Konferenzraum eignet sich genauso wenig wie die Kantine. Wählen Sie eine warme und private Atmosphäre, damit sich Ihr Gegenüber wohl fühlt.
  • Bereiten Sie die jungen Talente auf die Rahmenbedingungen vor. Geben Sie dafür vorher bekannt, wer am Bewerbungsgespräch teilnehmen und wo es stattfinden wird.
  • Achten Sie darauf, dass ein Gesprächsfluss entsteht. Das heißt: Bombardieren Sie die Bewerberinnen und Bewerber nicht mit den immer gleichen Fragen, sondern gehen Sie konkret auf die Erzählungen Ihres Gegenüber ein.

2. Verknüpfungen zu Angaben im Lebenslauf herstellen

Die Hard Facts über Ihre Bewerberinnen und Bewerber kennen Sie bereits. Nutzen Sie dies, um über angegebenen Stationen im Lebenslauf das Gespräch zu eröffnen und Bezüge zu Soft Skills herzustellen. Es bietet sich beispielsweise an, die Motivation für bestimmte Schritte zu erfragen: Warum haben sich die Bewerbende für ein Gap-Year nach dem Bachelor entschieden? Warum den Master in einer anderen Stadt gemacht als den Bachelor? Und was macht an dem spezifischen Ehrenamt am meisten Spaß?

3. Alltagsbezüge herstellen

Soft Skills werden nur zu einem sehr begrenzten Anteil im beruflichen Kontext trainiert. Vielmehr erlernen und trainieren wir unsere Soft Skills unabhängig unserer beruflichen Tätigkeit in unserem Alltag. Um Soft Skills abzufragen, empfiehlt es sich daher, einen Bezug zu Alltagssituationen herzustellen. Fragen Sie Bewerberinnen und Bewerber beispielsweise, ob und wie sie schon mal eine Krise zwischen Menschen gelöst haben, beispielsweise im Familienkontext oder unter Freunden. Die Antworten verraten Ihnen weit mehr über deren Fähigkeiten als ein Zertifikat im Lebenslauf.

4. Geben Sie einen Vertrauensvorschuss

Soft Skills basieren auf den Kontext, in dem sie angewendet werden und sind daher schwierig zu messen. Scheitert beispielsweise die Kommunikation zwischen Teammitgliedern in einer spezifischen Situation, heißt das nicht, dass die Beteiligten keine kommunikativen Fähigkeiten haben. Darüber hinaus gibt es keinen Nachweis über die Soft Skills. Es ist daher essentiell, den Bewerberinnen und Bewerbern einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Gerade der Gen Z, der die jungen Talente, die auf den Arbeitsmarkt strömen, angehören, ist das Vertrauen des Arbeitgebers ohnehin sehr wichtig. Seien Sie also nicht zu misstrauisch und vertrauen Sie auf die Angaben der BewerberInnen.

Fazit: Soft Skills müssen im Recruiting an Bedeutung gewinnen

Um eine langfristig erfolgreiche Arbeitsbeziehung zu realisieren, ist es wichtig, die jungen Talente im Vorstellungsgespräch bestmöglich kennenzulernen. Hard Skills lassen sich bereits aus dem Lebenslauf und Zeugnissen entnehmen. Viele Bewerberinnen und Bewerber werden Ihre formellen Anforderungen erfüllen. Umso wichtiger ist es, den Fokus auf die Soft Skills zu legen, um die perfekte Ergänzung für Ihr Team zu identifizieren. Denn: Haben die jungen Talente die passenden Soft Skills, werden Sie nicht nur ihre Aufgabe besser erfüllen, sondern auch zu einem positiven und kollegialen Arbeitsklima beitragen. Um dies umzusetzen, entwickelt JobTeaser zur Zeit übrigens ein eigenes, wissenschaftlich untermauertes Tool, das „Hester H10“ genannt wird. Das Tool wird Studierenden dabei zu helfen, ihre wichtigsten Soft Skills zu identifizieren und zu lernen, wie sie diese im Bewerbungsgespräch kommunizieren können.

Darüber hinaus tragen positive Emotionen im Bewerbungsgespräch, ein echtes Interesse an der Person und zufriedenen Arbeitnehmerinnen / Arbeitnehmern maßgeblich zu einem erfolgreichen Employer Branding bei. Wer sich beim Bewerbungsgespräch wohlfühlt oder im Job zufrieden ist, berichtet positiv über den Arbeitgeber. Die Beachtung von Soft Skills im Recruiting der Gen Z sind damit auf vielen Ebenen ein Gewinn.

Jérémy Lamri ist Chief of Innovation and Public Affairs bei JobTeaser. Eines seiner Themen: Soft Skills im Bewerbungsprozess in den Fokus stellen. In seinem Buch ‘The 21st Century Skills: How soft skills can make the difference in the digital era’ setzt er sich mit der Frage auseinander, welche Soft Skills zu beruflichem Erfolg beitragen und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt.

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