Soft Skills: Warum sie jetzt besonders wichtig sind

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Unternehmen setzen vermehrt auf Weiterbildung — und dabei auch auf Förderung der Soft Skills. Von Miriam Schneider von CoachHub erfahren Sie mehr.

Im Angesicht der Pandemie sind Unternehmen optimistisch und verunsichert zugleich: Zwar rechnen die meisten von ihnen mit Wachstum im kommenden Jahr, glauben aber nicht an eine baldige Rückkehr der Stabilität. Sie setzen vermehrt auf Weiterbildung statt auf Neueinstellungen — und dabei besonders auf zwischenmenschliche Fähigkeiten.

Anfang 2022 jährt sich der Ausbruch der globalen Corona-Pandemie zum zweiten Mal und die Wirtschaft kommt nicht zur Ruhe. Vielfach zwang das Virus Unternehmen zum Umdenken, die Arbeitswelt zu kleinen und großen Revolutionen. Home Office, Remote Work, die Digitalisierung der Mittagspause — die persönliche Interaktion in Büroräumen bedeutete plötzlich Gefahr, Covid-19 verunmöglichte den Status Quo.

Was für Mitarbeitende neben unersehnter Belastung auch unerwartete Freiheiten brachte, stellte Unternehmen und ihre Führungskräfte vor neue Herausforderungen: Wie führe ich eine Abteilung von meinem Wohnzimmer aus? Wird der Kontakt zu meinen Kolleginnen und Kollegen via Videochat an Qualität verlieren? Nicht nur im Innenleben von Unternehmen reihen sich Fragezeichen. Auch der Blick nach Außen wirft Fragen auf: Wann wird sich die Lage normalisieren? Wie sieht die nahe Zukunft meines Unternehmens aus? Wie es scheint, herrscht dazu mehr Optimismus, als angesichts der globalen Lage zu erwarten wäre.

Upskilling statt Recruiting

Laut einer Studie des Digital-Coaching-Unternehmens CoachHub rechnen 85 Prozent der befragten Entscheiderinnen / Entscheider mit fortgesetztem Wachstum ihrer Unternehmen im kommenden Jahr. In starkem Gegensatz dazu gehen nur 12 Prozent davon aus, dass bereits 2022 wieder Stabilität einkehren wird: Der Optimismus scheint zurück — doch die Unsicherheit bleibt.

Interessanterweise wollen laut derselben Studie auch 92 Prozent der Befragten die Budgets für die Entwicklung ihrer Mitarbeitenden aufstocken, die Hälfte davon sogar deutlich. Dafür gibt es einen Grund: Als mögliches Ergebnis der Unsicherheit ziehen alle befragten Unternehmen — vom kleinsten bis zum größten — eine Weiter- und Fortbildung der bereits bestehenden Mitarbeitenden der Einstellung neuer Kolleginnen / Kollegen vor. Bei Unternehmen mit bis zu 5.000 Mitarbeitenden sind es beinahe 75 Prozent; von befragten Unternehmen mit über 100.000 Beschäftigten bevorzugen immerhin zu 56 Prozent das Upskilling der eigenen Belegschaft.

Zwischenmenschliche Fähigkeiten im Fokus

Sowohl kleine als auch große Neuerungen in der Arbeitswelt bringen neue Herausforderungen mit sich, erfordern neue Fähigkeiten oder den Ausbau altbekannter Kompetenzen. Und die sind nicht ausschließlich technischer Natur: Der CoachHub-Studie zufolge setzen 40 Prozent der befragten Unternehmen auf einen Mix aus technischen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten, ein Drittel will sich — angesichts ständiger technologischer Weiterentwicklung nicht abwegig — rein auf technische Fortbildung konzentrieren, knapp ein Viertel jedoch auf Zwischenmenschliches. Hier lautet ein wichtiges Stichwort: Soft Skills.

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Soft Skills sind kaum in harten Fakten darstellbar und im Gegensatz zu fachspezifischen Fähigkeiten oft schwer zu messen. Sie umfassen Kommunikation, also Reden und Zuhören, aber auch Überzeugungskraft, Belastbarkeit und Motivation, Verlässlichkeit, Teamkompetenz und die Fähigkeit, Probleme zu lösen.

Fähigkeiten also, die besonders in Zeiten von Home Office und Remote Work von großer Wichtigkeit sind: Teamführung aus der Ferne gestaltet sich weit komplexer als vor Ort, Mitarbeitende leiden oftmals unter fehlendem persönlichen Kontakt, die Arbeit in der eigenen Wohnung erhöht bei vielen das Burnout-Risiko.

Für gesunde und engagierte Teams und damit für den nachhaltigen Unternehmenserfolg sind Soft Skills also unabdingbar — insbesondere unter Führungskräften.

Die Soft Skills der Führungskräfte fördern

Management ist eine Aufgabe, die Soft Skills erfordert. Fragt man Beschäftigte, stellt sich heraus, dass sie bei ihren Führungskräften Soft Skills wie Team Building, Kommunikationsfähigkeit und Delegation für weit wichtiger halten als technisches Können: Sicher ist es nicht unwichtig, dass die Teamleitung die Arbeit des Teams auch versteht — jedoch braucht es keine technische Spezialisierung, die bereits unter den Teammitgliedern vorhanden ist.

Doch wie fördert man die Soft Skills einer Führungskraft? Keine einfache Aufgabe, da Soft Skills sich oft natürlicherweise mit Erfahrungen entwickeln. Doch besonders in herausfordernden Zeiten wie diesen muss es schneller gehen. Es müssen Führungsfähigkeiten und Denkweisen schneller entwickelt und verändert werden, damit Mitarbeitende dynamisch, empathisch und zielorientiert geführt werden können.

Nachhaltige Entwicklung von Soft Skills durch Coaching

Maßnahmen wie Seminare oder Workshops für größere Gruppen von Beschäftigten können effektiv als gute Inspiration und zum Legen von Grundlagen genutzt werden. Allerdings wird Gelerntes, kommt es nicht zu Anwendung, schnell wieder vergessen und häufig kommt die individuelle Integration der Lerninhalte bei Gruppen Trainings etwas kurz. Für eine nachhaltige Entwicklung gerade von Soft Skills kann Coaching durch die individualisierte, spezialisierte und vor allem regelmäßige Unterstützung einen wirksamen Beitrag leisten.

Gerade in Zeiten wie diesen scheint es Unternehmen wichtig, die Fähigkeiten ihrer bereits vorhandenen Belegschaft auszubauen — gegen weitreichende Neueinstellungen spricht wohl auch eine weit verbreitete und anhaltende Verunsicherung. Für Personalentwicklung werden zusätzliche Gelder bereitgestellt, dem Ausbau von Soft Skills dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Neben anderen Maßnahmen kann Coaching sich hier als nützlich erweisen, besonders in digitaler Form: Individualisierte und flexible Begleitung insbesondere von Führungskräften kann die Entwicklung von Soft Skills beschleunigen, mit denen Engagement, Wohlbefinden und Effektivität der Mitarbeitenden gezielt und nachhaltig gefördert werden können.

Miriam Schneider ist Wirtschaftspsychologin und Coach bei CoachHub – Europas führende digitale Coaching-Plattform mit mehr als 2.500 zertifizierten Business Coaches. In ihrer Rolle arbeitet sie daran, die Coaching-Theorie in die Praxis zu übersetzen.

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