HR im Jahr 2024: Schlüsselrolle bei der Anpassung an die Rezession

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Welche Rolle spielt HR in Zeiten der Rezession im Unternehmen? Prozesssicherheit und Business-Innovation stehen an erster Stelle, sagen Franz Herrlein und Jessica Krenzer von Alpine One. Oberste Priorität für HR sollte es sein, Strukturen zu schaffen, die die Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigen und gleichzeitig das Business vorantreiben. Ihr Rat: Die HR-Strategie aus der Businessstrategie ableiten, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

In wirtschaftlich unsicheren Zeiten, insbesondere in einer Rezession, sehen sich Unternehmen mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Diese Veränderungen beeinflussen nicht nur das Geschäftsumfeld, sondern stellen auch den Bereich Human Resources (HR) vor neue und anspruchsvolle Aufgaben.

Unsere Erfahrung ist, dass Unternehmen in solch turbulenten Zeiten ihren Fokus geschärft auf die Erreichung ihrer Geschäftsziele setzen. Mitarbeiterbindung, -entwicklung und Wohlbefinden scheinen dabei nicht mehr die höchste Priorität zu genießen, da Unternehmen überproportional mit Problemen wie sinkender Nachfrage, Umsatzrückgang und Gewinneinbußen zu kämpfen haben.

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Dies führt nicht selten zu drastischen Maßnahmen wie Arbeitsplatzabbau und Budgetkürzungen, um Liquiditätsproblemen entgegenzuwirken. Angesichts des demografischen Wandels und des „War for Talents“ können es sich Unternehmen aber auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht mehr leisten, die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Hintergrund zu stellen.

Wie beeinflusst diese herausfordernde Situation HR und Mitarbeitende? Welche Rolle spielt HR?

Idealerweise übernimmt HR heute die Rolle eines Bindeglieds zwischen dem Unternehmen und den Mitarbeitenden, anstatt eine separate Einheit zu sein. Dies erweitert deutlich den Aufgaben- und Einflussbereich von HR. Damit einher geht aber auch die Notwendigkeit, sich neben den traditionellen Aufgaben unter anderem mit der zunehmenden Komplexität zu befassen, die durch den gesteigerten Wunsch der Mitarbeitenden nach mehr Flexibilität, Stabilität und Sicherheit am Arbeitsplatz entsteht. Ein Auslöser für diesen Wunsch war mitunter die Corona Pandemie.

Gleichzeitig muss HR in seiner Schlüsselrolle die Businessziele im Auge behalten und die Auswirkungen des technologischen Fortschritts, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), berücksichtigen und für die effiziente Gestaltung von HR-Prozessen nutzen. Dies bietet einerseits die Chance, die neuen Aufgaben besser zu bewältigen, ist andererseits aber zunächst mit einem höheren Aufwand verbunden.

In wirtschaftlich turbulenten Zeiten ist es insgesamt schwer, eine Vielzahl von Themen und Verantwortungsbereichen zu bewältigen. Ihre Bewältigung erfordert nicht nur Erfahrung und eine klare Verteilung der Verantwortlichkeiten, sondern auch klare Ziele. Aus unserer Erfahrung sollte es daher die oberste Priorität von HR sein, Strukturen zu schaffen, die sowohl die Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigen als auch gleichzeitig das Business vorantreiben. Deshalb raten wir dazu, die HR-Strategie aus der Businessstrategie abzuleiten, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Unsere These: Innovation und Sicherheit ziehen Menschen an und treiben so das Business voran.

Zwei Schlüsselfaktoren sind dabei erfahrungsgemäß besonders wichtig: Prozesssicherheit und Business-Innovation. HR-Verantwortliche müssen Arbeitsabläufe anpassen und klar definieren, um Reibungslosigkeit sicherzustellen. Dies entlastet Mitarbeitende, spart Ressourcen und senkt Kosten. Gleichzeitig müssen sie Business-Innovationen begünstigen, indem sie talentierte Mitarbeitende identifizieren, binden, entwickeln und so die Rahmenbedingungen für Innovationsprozesse schaffen.

Warum sind diese beiden Faktoren so wichtig?

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Prozesssicherheit und Business-Innovation eng miteinander verbunden sind und gemeinsam erheblichen Einfluss auf den Geschäftserfolg haben.

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Eine Studie hat ergeben, dass ca. 25 Prozent aller Mitarbeitenden mit Entscheidungsbefugnis sich dafür entscheiden würden, die Position oder gar das Unternehmen zu wechseln, wenn sie mit der digitalen Reife des Unternehmens nicht zufrieden sind. Mit digitaler Reife ist gemeint, dass Systeme, Prozesse oder Arbeitsweisen effizient und innovativ gestaltet sind. Bei besseren wirtschaftlichen Gegebenheiten steigt diese Wechselbereitschaft sogar auf 60 Prozent. (2023 Digital Maturity Report).
Nachhaltige Prozessstrukturen spielen also eine erhebliche Rolle dabei, Mitarbeitende zu halten. Solche Strukturen, die klare Werte und Visionen besitzen, das Einbringen neuer Ideen fördern und eine gesunde Fehlerkultur unterstützen, schaffen gleichzeitig einen fruchtbaren Boden für Innovationen. Diese hingegen, insbesondere im technischen Bereich, können zur Optimierung von Prozessen und so zu mehr Prozesssicherheit beitragen.

HR agiert hier als entscheidendes Bindeglied zwischen Mitarbeitenden und Business. HR unterstützt dabei, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass beide Seiten zufrieden sind. Es gilt also, die Erfolgsfaktoren zu identifizieren und klar zu definieren, die den größtmöglichen positiven Effekt haben, um als Unternehmen fit für die Zukunft zu sein.

Grafik Innovation & Prozesssicherheit

Erfolgsfaktoren erkennen

Die enge Zusammenarbeit zwischen HR und dem Business ist entscheidend, damit HR einen bedeutenden Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten kann. Eine Integration von Personen aus dem Business in HR ist dabei eine wertvolle Empfehlung, um die Interessen beider Seiten optimal zu vertreten. Die Kunst besteht darin, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden so zu erfüllen, dass sie den Unternehmenszielen zuträglich sind. Nur Unternehmen, die bewusst abwägen und priorisieren, welche (Innovations-) Ziele sie verfolgen möchten und müssen, werden auch in Krisenzeiten Innovation vorantreiben und Erfolgseinbußen minimieren können.

HR im Jahr 2024: Schlüsselrolle bei der Anpassung an die Rezession

 

Hier ein Tipp aus unseren Erfahrungsschatz:

„Nur wenn HR-Arbeit direkt aus den Anforderungen des Business abgeleitet wird und eine enge Verzahnung zwischen den Bereichen People & Culture und dem Business erfolgt, kann langfristiger Unternehmenserfolg entstehen und deshalb ist HR auch keine Subfunktion unterhalb der Geschäftsleitung, sondern sollte auf oberster Ebene angesiedelt sein.“ (Franz Herrlein)

Zudem möchten wir im Folgenden einige bewährte Methoden aus unserer langjährigen Beratungserfahrung teilen. Unsere Best Practices für mehr Innovation:

  1. Impulse setzen: Unternehmen sollten eine Umgebung schaffen, die Kreativität und neue Ideen fördert, um Innovationen anzustoßen
  2. Gesunde Fehlerkultur: Eine Kultur, in der Mitarbeiter ermutigt werden, Risiken einzugehen und aus Fehlern zu lernen, ist entscheidend für erfolgreiche Innovationen
  3. Diverses Team: Die Einbeziehung vielfältiger Perspektiven und Hintergründe in den Innovationsprozess kann die Kreativität steigern und zu besseren Lösungen führen

Unsere How-to‘s für mehr Prozesssicherheit:

  1. Um die Prozesssicherheit und -zuverlässigkeit zu verbessern, definieren Sie klare Ziele und Standards für Ihre Prozesse.
  2. Etablieren Sie eine Sicherheitskultur, die Mitarbeiter dazu ermutigt, Bedenken ehrlich zu äußern und aktiv zur Prozesssicherheit und Innovation beizutragen.
  3. Nutzen Sie die Chancen der digitalen Transformation, um Prozessoptimierungen mithilfe von Echtzeitdaten voranzutreiben und Innovationen in Ihrem Unternehmen zu fördern.
  4. Implementieren Sie effektives Change-Management, um den Wandel im Unternehmen zu erleichtern. Dies schließt die Identifizierung von Widerstandspunkten ein, um gezielte Maßnahmen zur Widerstandsbewältigung zu ergreifen und die Akzeptanz neuer Prozesse zu fördern.

HR in Zeiten der Rezession

Insgesamt wird deutlich, dass HR in Zeiten der Rezession eine Schlüsselrolle bei der Anpassung und Unterstützung des Business einnimmt. Durch eine strategische Ausrichtung, eine enge Zusammenarbeit mit dem Business und kontinuierliche Weiterentwicklung kann HR einen nachhaltigen Beitrag zum Erfolg und zur Widerstandsfähigkeit von Unternehmen leisten.

Klar ist auch, sich auf den Erfolg des Unternehmens zu konzentrieren, bedeutet nicht, den menschlichen Faktor zu vernachlässigen, sondern vielmehr, die Entwicklung und Ziele der Mitarbeitenden mit denen des Unternehmens in Einklang zu bringen. HR spielt hier eine entscheidende Rolle.

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Franz Herrlein ist CEO und Gründer der Alpine One GmbH. Er hat mehr als 25 Jahre internationale Berufserfahrung, insbesondere bei Top Management Beratungen und als Vorstand international tätiger Groß- und Privatbanken. Franz Herrlein war Associate Partner bei The Boston Consulting Group in München und Mailand und Partner bei Bain & Company in München. Darüber hinaus war er u.a. COO und Konzernvorstand der Dresdner Bank AG, Chief Integration Officer und Konzernvorstand von Unicredit in Mailand, CFO Infrastructure bei der Deutschen Bank AG in Frankfurt am Main und London und CFO und Vorstand der BHF Bank AG in Frankfurt am Main.

Jessica Krenzer ist als Senior Consultant bei der Alpine One GmbH tätig. Die Fremdsprachenkorrespondentin hat einen Bachelor in BWL und studiert gerade im Masterstudium Personalmanagement. Foto: Melissa Bungartz

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