Wie das Metaverse HR in der Praxis unterstützt

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Unter anderem Recruiting, Lernen und Employee Experience werden durch das Metaverse deutlich profitieren, sagt Tanja Matt, Senior Consultant bei Detecon. Wie das in der Praxis aussehen kann, schildert sie in diesem Beitrag.

Das Metaverse und dessen Nutzen ist immer wieder in der Diskussion. Vor allem die Frage nach Praxisanwendungen für Unternehmen steht im Raum. Ich bin überzeugt: Das Metaverse hat das Potenzial, ungeahnte Möglichkeiten rund um HR und New Work zu eröffnen, etwa für die Themen Recruiting, Lernen und Employee Experience.

Im Recruiting mussten die Beteiligten bislang auf eine Telefon- oder Videokonferenz ausweichen, wenn ein persönliches Treffen nicht möglich war. Das schränkt den Eindruck, den die Bewerberinnen / Bewerber über den potenziellen Arbeitgeber gewinnen können, deutlich ein. Anders im Metaverse: Unternehmen können einen digitalen Meetingraum anbieten und ihr gesamtes Büro virtualisieren – inklusive Rundführung.

Praxisanwendungen lebensnäher erlernen

Metaverse in der HR-Praxis
Envato/fxquadro

Während der letzten drei Jahre hat die digitale Zusammenarbeit einen deutlichen Schub erhalten. Das Metaverse könnte diese allerdings auf eine neue Ebene heben. Praxisanwendungen etwa sind lebensnäher zu erlernen als in bisherigen Konstellationen. Dadurch schafft virtuelles Training neben den Simulationen und Interaktionsmöglichkeiten einen zusätzlichen Kontaktraum. In dem können Menschen wieder stärker voneinander lernen und sich gegenseitig über die digitale Schulter schauen. Das führt zu vermehrtem Austausch – auch informell – und direkter Ansprache.

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Die Bandbreite denkbarer Beispiele ist hier hoch und erstreckt sich etwa von Moderationstraining in nachgestellten Live-Situationen bis hin zum Üben technischer Vorgänge und komplizierter medizinischer Eingriffe. Gerade die letzteren beiden Fälle bieten Chancen, gefährliche oder komplexe Prozeduren sicher zu trainieren. Und das so realitätsnah wie möglich.

In Fernsehprogrammen konnten wir schon öfters sehen, wie Moderatoren Gespräche mit einem holographisch projizierten Gegenüber führten. In Zukunft könnte das so ähnlich zu einem Teil des Arbeitsalltags werden. In hybriden Meetings kann ein solcher Begegnungsraum mehr Gleichberechtigung unter allen Teilnehmenden schaffen – ganz unabhängig davon, ob vor Ort oder virtuell zugeschaltet. So kann sich etwa ein Projektteam für den Bau eines neuen Produktionsstandorts im Metaverse treffen. In einer virtuellen Simulation können sie unmittelbar miteinander interagieren oder sich eigenständig im Raum bewegen und ein Bild vom Baufortschritt machen.

Recruiting: Sich mithilfe des Metaverse besser kennenlernen

Metaverse in der HR-Praxis
Envato/Wavebreakmedia

Bewerberinnen / Bewerber und Recruiterinnen / Recruiter können sich mithilfe des Metaverse besser kennenlernen als bislang virtuell möglich. Eine deutlich erkennbare Mimik und Gestik der jeweiligen Avatare vermittelt den Recruiterinnen / Recruitern einen umfassenderen Eindruck der Kandidatinnen und Kandidaten– und umgekehrt. Zudem können Unternehmen einen „digitalen Zwilling“ ihres Büros anlegen. So erhalten die Interessentinnen / Interessenten bei einem virtuellen Rundgang einen umfassenden Eindruck von den Gegebenheiten vor Ort und der dort herrschenden Atmosphäre.

Ein solches Treffen im virtuellen Raum schafft auch den Rahmen für Gespräche, die offener und persönlicher sind als in einer klassischen Videokonferenz. Die Kommunikation vermittelt mehr Emotionen und sorgt insgesamt für ein besseres Erlebnis im Bewerbungsprozess. Darüber hinaus entfällt die Anreise – gegebenenfalls für beide Seiten – und spart so Zeit. Diese Faktoren tragen zudem zu einer positiveren Candidate Journey bei. Ein weiterer Vorteil für Recruiterinnen / Recruiter ergibt sich durch die erhöhte Unabhängigkeit von Wohn- und Standorten: Der Markt für potenzielle Bewerberinnen / Bewerber vergrößert sich.

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Employee Experience ist individueller und persönlicher

Ist die Bewerbungsphase erfolgreich abgeschlossen, folgt das Onboarding. Und auch hier kann das das Metaverse eine große Rolle spielen: In einem virtuellen Raum ist die Employee Experience individueller und persönlicher als über die gängigen Kooperationsplattformen. Unternehmen können dadurch ihre Kultur einfacher und eindrücklicher vermitteln als in den traditionellen digitalen Medien.

Auf der anderen Seite können Bewerberinnen / Bewerber und Neueinsteigende einen umfassenderen Eindruck von sich vermitteln als über den beschränkten Bildausschnitt ihrer Webcam. Hier ergeben sich durch Technologien mittlerweile sehr ausgefeilte Anwendungsmöglichkeiten. Mittels Scanner und Künstlicher Intelligenz können Anwenderinnen / Anwender einen digitalen Zwilling von sich erzeugen – inklusive Körperbau, Mimik und Gestik.

Mehr Fairness dank Metaverse

Recruiterinnen / Recruiter stehen heutzutage vor der Herausforderung, Jobfairness hinsichtlich Inklusion und Diversität zu ermöglichen. Das Metaverse kann hierbei zukünftig ein hilfreiches Werkzeug werden: In den virtuellen Welten können Unternehmen ihre Mitarbeitenden dem realen gemeinsamen Erleben näherkommen als über die gängigen digitalen Plattformen für Zusammenarbeit. Ein Meeting im Metaverse – zum Beispiel in einem virtuellen Büro – ist also weniger starr als ein Videocall über Teams oder Zoom. Es ist mehr Bewegung und Dynamik in dem Meeting, wie in einem persönlichen Treffen.“

Dieses Erlebnis können sie aber nun nicht nur allen Mitarbeitenden bieten, sondern auch ihren Bewerberinnen / Bewerbern. So können diese ohne Reiseaufwand den Geist des Unternehmens erfahren. Das kann gerade für Menschen mit Bewegungseinschränkungen sehr förderlich sein und diese besser einbinden – selbst von zuhause aus. Das Forschungsprojekt „Social Virtual Reality“ beschäftigt sich zudem damit, auch Menschen mit Behinderung, Seniorinnen / Senioren oder durch Krankheit beeinträchtigten Personen einen integrativen Zugang zu virtueller Realität zu verschaffen.

Zwei Hürden bleiben

Eine größere Hürde bleibt allerdings trotz aller Bemühungen: Um das Metaverse erlebbar zu machen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein – schon während des Bewerbungsprozesses. Zum einen müssen alle Beteiligten Zugriff auf eine stabile, schnelle Internetleitung haben, und hier stoßen wir im Alltag schon in den regulären Videokonferenzen vereinzelt an Grenzen. Allerdings geht der Ausbau weltweit voran, sodass dies in Zukunft das kleinere Problem sein sollte.

Zum anderen ist für den Zugang zum Metaverse ein Virtual-Reality-Headset oder eine Augmented-Reality-Brille nötig. Ganz abgesehen davon, dass nicht jede(r) Bewerber(in) solch ein Gerät zuhause liegen hat, lassen diese bislang noch an Tragekomfort zu wünschen übrig. Gerade im Dauerbetrieb. Und Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen sind außen vor.

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Dr. Tanja Matt arbeitet als Senior Consultant im Strategy & Transformation Chapter bei der Unternehmensberatung Detecon. Als Topic Lead New Work beschäftigt sie sich mit der Arbeitswelt der Zukunft und der Frage, wie Unternehmen für sich und ihre Mitarbeiter den Weg dorthin optimal gestalten und meistern können. Detecon ist eine weltweit agierende Unternehmensberatung, die seit 40 Jahren klassisches Management Consulting mit hoher Technologiekompetenz vereint. Mit mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern und 20 Büros weltweit ist Detecon Teil der Deutschen Telekom Gruppe.

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