Homeoffice? Für viele Fachkräfte mit Berufsausbildung undenkbar.

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Seit der Corona-Krise und den eingeleiteten Maßnahmen der Bundesregierung scheint die Arbeitswelt Kopf zu stehen. Viele Unternehmen müssen vorerst komplett schließen, andere sind in der vergleichsweise glücklichen Lage, ihren Mitarbeitern Homeoffice anbieten zu können, um arbeitsfähig zu bleiben. Hier zeigt sich aber einmal mehr: die Homeoffice-Lösung ist nicht für alle Arbeitnehmer geeignet. Laut einer aktuellen Befragung von meinestadt.de können zwei Drittel der Fachkräfte mit Berufsausbildung nicht von zuhause arbeiten, weil es ihr Job gar nicht zulässt. Denkt man an KrankenpflegerInnen, Supermarkt-KassiererInnen und LKW-FahrerInnen, wird klar warum. meinestadt.de hat Ende März insgesamt 1.641 Fachkräfte mit Berufsausbildung zu den Auswirkungen der Corona-Krise befragt.

Zunächst wird deutlich: Die befragten Fachkräfte gehen insgesamt besonnen mit der aktuellen Lage um. Knapp 7 von 10 Fachkräften fühlen sich über die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland und Europa von Anfang an ausreichend von den Medien informiert. Auch die eingeleiteten Maßnahmen wie die Schließung von Restaurants, Cafés und Schulen sowie Kontaktsperren halten 32 Prozent für angemessen und genau richtig umgesetzt. Etwas mehr als die Hälfte findet die Maßnahmen richtig, allerdings kam die Umsetzung ihrer Meinung nach zu spät. Nur ein geringer Teil von knapp 7 Prozent hält die Maßnahmen für nicht sinnvoll. Mit der angeordneten Kontaktsperre scheint der überwiegende Teil der Fachkräfte weniger Schwierigkeiten zu haben. Auf die Frage, wie schwer ihnen die soziale Kontaktsperre fällt, antworten knapp die Hälfte mit “nicht schwer” und “gar nicht schwer”.

Tipps zu Homeoffice gehen an systemrelevanten Berufen vorbei

Fragt man Fachkräfte, ob sie während der Corona-Krise die Möglichkeit haben, von zuhause zu arbeiten, antworten 68 Prozent mit “Nein, weil es in meinem Beruf/ meiner Branche gar nicht möglich ist”. Hier zeigt sich, dass die Diskussion um Homeoffice und virtuelles Arbeiten an den meisten Fachkräften mit Berufsausbildung völlig vorbei geht. In Deutschland sind 61,4 Prozent der Erwerbstätigen nicht-akademische Fachkräfte, darunter auch viele systemrelevante Berufsgruppen wie Pflegekräfte, MitarbeiterInnen in Supermärkten oder Logistik-Fachkräfte, die die Lieferketten aufrecht erhalten. Anders als die meisten Akademiker sind es genau diese Berufsgruppen, die jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, um unser System am Laufen zu halten.

Immerhin 21 Prozent der nicht-akademischen Fachkräfte haben die Möglichkeit, während der Corona-Krise Homeoffice zu machen. Und wie funktioniert das Arbeiten von zuhause? Die Zusammenarbeit und den Austausch mit Kollegen bewerten 68 Prozent als reibungslos und fast 9 von 10 Befragten genießen das Vertrauen ihres Vorgesetzten, dass sie ihre Arbeit eigenverantwortlich und gut erledigen.

Knapp ein Drittel muss viele Überstunden leisten

Welche Auswirkungen hat die Krise für die Unternehmen? Das Stimmungsbild ist durchwachsen: 31 Prpzent der Befragten geben an, viele Überstunden machen zu müssen, um mit der Arbeit hinterher zu kommen. Rund ein Viertel glaubt, dass Mitarbeiter in ihrem Betrieb entlassen werden. Obwohl 57 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass ihr Unternehmen aufgrund der Corona-Krise große finanzielle Verluste erleiden wird, geben nur 7 Prozent an, dass die Situation ihr Unternehmen in die Insolvenz treiben wird. 42 Prozent können dies jedoch noch nicht abschätzen.

Die Krise als Chance?

Bei der Frage, ob die Corona-Ausnahmesituation auf ganz Deutschland bezogen eine Chance für die deutsche Arbeitskultur hin zu mehr Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeit ist, zeigt sich ebenfalls ein geteiltes Bild: 38 Prozent stimmen (voll) zu, etwa genauso viele sind sich unsicher. Die restlichen 24 Prozent sehen eher keine Chance auf einen nachhaltigen Umschwung in der Arbeitskultur. “Die Diskussion um Homeoffice zeigt einmal mehr, dass ein Großteil der Erwerbstätigen häufig vergessen wird. Arbeitgeber müssen sich überlegen, wie insbesondere die systemrelevanten Jobs langfristig attraktiver gestaltet werden können. Homeoffice-Lösungen greifen bei diesen Berufsgruppen nicht, da braucht es zielgruppenspezifische Ansätze”, sagt Wolfgang Weber, Geschäftsführer von meinestadt.de.

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