Architektur für die Post-Corona-Arbeitswelt

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Raumkonzeption und Innendesign müssen eine motivierende, wertschätzende Arbeitsatmosphäre fördern, sagt Architekt Marcel Schuckel.

Nur weil die New Work-Thematik im Kontext der anhaltenden Pandemie eine völlig neue Relevanz erfahren hat, bedeutet das noch lange nicht, dass das klassische Büro in einer Post-Corona-Welt ausgedient hat. Die neuen Anforderungen lassen sich durch eine bestimmte New Work-Architektur fördern, sodass neue Potenziale freigesetzt werden können.

Corona gilt als Katalysator für weitreichende Veränderungen in der Unternehmenslandschaft. Vor allem die Digitalisierung wird, das erwarten Experten in Deutschland und der Welt, rasant zunehmen, um professionelles und effizientes Arbeiten auch dezentral zu ermöglichen. Das sichert das Funktionieren eines Unternehmens auch in kritischen Szenarien und bietet eine hohe Flexibilität, im Homeoffice oder von allen anderen Orten zu arbeiten. Das Stichwort ist New Work: „Die zentralen Werte des Konzepts von New Work sind die Selbstständigkeit, die Freiheit und die Teilhabe an der Gemeinschaft. Vieles davon wurde bereits bedingt durch die aktuelle Situation kurzfristig realisiert. Der Arbeitsplatz der Zukunft steht für Innovation, Kreativität und eigentlich ergänzend auch für Entspannung“, wie Unternehmensberater Ralf Hager im HR JOURNAL schreibt.

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Zugleich schreibt Lawrence Mohiuddine von Unispace: „Nur weil die New Work-Thematik im Kontext der anhaltenden Pandemie eine völlig neue Relevanz erfahren hat, bedeutet das noch lange nicht, dass das klassische Büro, wie wir es kennen, in einer Post-Corona-Welt ausgedient hat.“ Zwar gibt die Mehrheit der Angestellten laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK an, im Homeoffice produktiver arbeiten zu können. Aber: „Dreiviertel der befragten Mitarbeiter gaben im Rahmen der Forsa-Umfrage an, dass ihnen der persönliche Kontakt zu ihren Kollegen im Homeoffice am meisten fehle. Knapp die Hälfte sagte außerdem, dass ihre Arbeit durch den fehlenden Austausch mit Teamkollegen beeinträchtigt sei und fast genauso vielen fehle zuhause die klare Trennung zwischen Privatleben und Beruf.“

Durch Architektur New Work-Konzepte in Unternehmen etablieren

Das ist eine ganz wesentliche Erkenntnis in der großen New Work-Debatte, die immer mehr an Schwung gewinnt. Es kommt darauf an, neben Remote-Arbeitsstrukturen auch das Unternehmen an sich auf die neuen Anforderungen einzustellen unter dem Motto: Architektur für die Arbeitswelt der Zukunft. Da sich die Gesellschaft im Wandel laut der Definition des Portals Gründerszene von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft befinde, sehe die Arbeitswelt sich vor dem Hintergrund des neuen Wertewandels zu einer freien Arbeitsweise gezwungen, sich anzupassen. Die veralteten, klassischen Arbeitsstrukturen wandeln sich im Zuge des neuen Zeitalters zu weicheren, flexibleren Vorstellungen, Arbeitsräume und -strukturen werden der Arbeitswelt 4.0 angepasst, um echte Handlungsfreiheit mit Freiräumen für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit zu ermöglichen.

New Work ist natürlich zunächst eine Frage der Führung, der generellen strategischen und konzeptionellen Ausrichtung eines Unternehmens und der Bereitschaft der Mitarbeiter. New Work lässt sich weder von oben verordnen noch einfach nebenher auf Arbeitsebene umsetzen. Es ist ein fundamentaler Wandel im Verständnis der Arbeitsplatzgestaltung und dem Einsatz von Mitarbeitern nötig, um New Work wirklich durchzusetzen. Und daher ist eben genauso eine neue Architektur wichtig, um New Work-Konzepte in Unternehmen zu etablieren.

Die Raumkonzeption und das Innendesign müssen sich auf diese neue, flexible und hochkommunikative Arbeitswelt einstellen und dabei die Firmenindividualität repräsentieren, Emotionen und Interesse bei Mitarbeitern und Kunden wecken und eine gelungene Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Kunden ermöglichen. Daraus entsteht eine motivierende, wertschätzende Arbeitsatmosphäre, die zum Unternehmenserfolg und der Bindung der Mitarbeiter und Kunden beiträgt. New Work, die neue Arbeit, soll das Mittel sein, mit dem sich der Mensch als freies Individuum verwirklichen kann. Dabei geht es insbesondere um die sinnstiftende Funktion der Arbeit, aber auch um Werte wie Freiheit und Selbstständigkeit.

Räume müssen entsprechend ihrer Funktion und Ästhetik gestaltet werden

Diese Anforderungen lassen sich durch eine bestimmte Architektur fördern, sodass neue Potenziale freigesetzt werden können. Es werden Räume für Meetings, Rückzug, Konzentration, Teamarbeit und Kommunikation benötigt – und diese Räume müssen entsprechend ihrer Funktion und ästhetisch anspruchsvoll zugleich gestaltet werden. Es ist die Aufgabe des Beraters und Planers, diese architektonischen Lösungen herzustellen, und zwar ganzheitlich: von der Planung der Räume über die Herstellung der Möbel und dem Innendesign bis hin zur technischen Umsetzung der gesamten Elektrik und Lichtplanung.

Ebenfalls wichtig sind heutzutage beispielsweise Raumlösungen mit Einzel- und Großraumbüros, Kommunikationsinseln und Treffpunkten (Meeting Points) und Arbeitsplätzen, die auf die Anforderungen in der Digitalisierung und Flexibilisierung ausgerichtet sind. Mit einem klassischen Bürodesign mit abgeschotteten Räumen und Arbeitsplätzen, schwerem Holz und wuchtigen Möbeln ist das kaum möglich.

Multifunktionalität ist der entscheidende Faktor in der New Work-Gestaltung

Es ist auch möglich, Themen wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit zukunftsweisend zu steuern. Der Einsatz Licht und Heizung können beispielsweise von der Belegung der verschiedenen Arbeitsplätze abhängig gemacht: Ist eine Arbeitsinsel nicht besetzt, wird sie auch nicht beleuchtet und beheizt, währenddessen die dauerhaft genutzten Kommunikationsinseln kontinuierlich versorgt werden können. Im Rahmen einer architektonischen Neustrukturierung können Unternehmen natürlich auch im Sinne der Smart Office-Technologie besser vernetzt werden.

Apropos Insellösungen: Multifunktionalität ist der entscheidende Faktor in der New Work-Gestaltung, der auch Ruhezonen und Gesprächszonen berücksichtigt. Diese Orte werden der jeweiligen Arbeitssituation und dann Arbeitsanforderung entsprechend gestaltet. Auf diese Weise ergibt sich für die Mitarbeiter ein hoher Grad an Unabhängigkeit bei der Erledigung seiner Aufgaben, aber genauso werden die Anforderungen der Unternehmen hinsichtlich Effizienz und Motivation gefördert.

Offene Büroumgebungen erhöhen den persönlichen Austausch

Ein Stichwort: Open Workspace. Forscher der California Polytechnic State University beispielsweise haben herausgefunden, dass offene Büroumgebungen den persönlichen Austausch zwischen Mitarbeitern erhöhen. Dieser intensive Informations- und Ideenaustausch führt dazu, dass sich die Kreativität von Teams erhöht und die Innovationsfähigkeit verbessert wird. Der Hintergrund im Sinne der Architektur: Klassische Formen des Arbeitsplatzes wie Einzel- oder Doppelbüro und separate Räume für Gespräche und größere Meetings sind im Sinne der (digitalen) Kollaboration für die Zukunft kaum gerüstet und konkurrenzfähig. Daher muss sich moderne Büroarchitektur immer auch den Aspekten des New Work widmen, um echte, nachhaltige Ergebnisse zu erreichen.

Architektur für die Arbeitswelt der Zukunft: Unter diesem Motto hat sich Architekt (AKNW) Diplom-Ingenieur Marcel Schuckel aus Heinsberg als Berater für New Work-Fragestellungen positioniert. Weitere Informationen unter https://drholzinger.de

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