Ralf Hager: Corona gibt New Work deutliche Schubkraft

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Der Arbeitsplatz der Zukunft steht für Innovation, Kreativität und Entspannung, sagt Ralf Hager, Gründer und Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung.

Die Arbeitswelt wurde kurzfristig vor extreme Veränderungen gestellt. Seit der im März einberufenen Kontaktbeschränkung sind viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus ihrer gewohnten Arbeitsumgebung ins Homeoffice gezogen und setzen verstärkt digitale Technologien ein. Die Krise zeigt einen massiven Sprung in Richtung New Work. Neue Arbeitsnormen werden flächendeckend und signifikant stärker genutzt als noch vor der Corona-Phase, doch ob diese – quasi kurzfristigen – Veränderungen auch nachhaltig sind, ist vielfach fraglich.

Welche Möglichkeiten hat der Arbeitgeber bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes?

Der Arbeitsplatz der Zukunft steht für Innovation, Kreativität und eigentlich ergänzend auch für Entspannung.

Die zentralen Werte des Konzepts von New Work sind die Selbstständigkeit, die Freiheit und die Teilhabe an der Gemeinschaft. Vieles davon wurde bereits bedingt durch die aktuelle Situation kurzfristig realisiert. Eine gute Mischung, die auch nach der Pandemie erfolgversprechend sein könnte, könnten sich aus Funktionalität, Geselligkeit und Komfort, gestalten:

  • Moderne Büroausstattung
  • Mobilität und Flexibilität sowie auch weiterhin die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, Vertrauensarbeitszeit
  • Kreativräume und Lounge-Bereiche
  • Individuell angepasste Software-Lösungen, moderne Hardware-Lösungen
  • Attraktive Arbeitgeberangebote im Bereich Gesundheitsmanagement und Mitarbeiterevents.

Balance zwischen Technik und Kultur sowie Generationen

Jedoch reicht es nicht mehr nur aus, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lediglich Hard Facts anzubieten. Vielmehr gilt es, dass Unternehmen die Belegschaft auch mitnehmen und ein entsprechendes Mindset entwickeln. Die Einbeziehung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt als entscheidender Punkt für nachhaltig erfolgreichen Wandel und Erfolg. Denn es gibt nicht den einheitlichen Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, sondern unterschiedliche Charaktere und vielfältige Anforderungen. Die Beschäftigten stammen zudem oft aus unterschiedlichen Generationen mit individuellen Vorlieben und Bedürfnissen. Es gibt keine Musterlösung für ein Puzzle, das in jeder Organisation ein anderes Bild ergibt.

Unabhängig von neuen Technologien wird sich auch die demografische Entwicklung weiterhin entscheidend auf das Thema New Work auswirken. Bis zum Jahr 2025 werden viele der sogenannten Millennials ins Berufsleben eintreten. Sie treffen dort auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Generation X, die bis in ihre 60er Jahre aktiv im Unternehmen tätig sind. Auch diese hier entstehende Vielfalt der Beschäftigten mit sehr verschiedenartigen Präferenzen und Bedürfnissen erfordert von Unternehmen eine ergänzende Veränderung im Hinblick auf New Work. Zur Stärkung des Employer Brandings empfiehlt es sich, dass Unternehmen ein kontextbezogenes und personalisiertes Arbeitsumfeld entwickeln, um auf die individuellen Bedürfnisse der Belegschaft einzugehen.

Herausforderungen für Unternehmenslenker

Die sich hieraus ergebenden umfangreichen Veränderungen auf der Unternehmensebene bedeuten auch große Herausforderungen für das Management. Unternehmenslenker sind gefordert, den jeweils eigenen und richtigen Weg von New Work zu finden, damit das Unternehmen wettbewerbsfähig bleibt.

Für eine erfolgreiche New Work Umgebung sollten auch die vorhandenen Prozesse genauer betrachtet werden und neue Möglichkeiten und Wege geprüft. In vielen Organisationen lösen sich traditionelle Strukturen auf. Allmählich hat es sich sicher ‚herumgesprochen‘, dass ein moderner Arbeitsplatz eine geeignete Waffe im Kampf um die besten Köpfe sein kann. Unternehmen sollten nicht allzu lange bei der Entwicklung neuer Arbeitsplatzmodelle auf sich warten lassen, um Schwierigkeiten bei der Rekrutierung ihrer Talente zu vermeiden.

New Work ist kein Programm, kein Prozess, sondern auch eine Frage der Haltung, der Kultur und Führung.

Unternehmenskultur muss New Work ermöglichen

Eine wichtige Voraussetzung ist auch eine neue – oder besser gesagt – angepasste Kultur, in der sich New Work entfalten kann. Die Kultur sollte von den Führungskräften vorgelebt werden und mit einer Vision gefüllt sein. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen sich immer stärker mit dem Zweck ihres Unternehmens und der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit. Hier sind Führungskräfte gefordert, den Mitarbeitern Orientierung und Inspiration zu vermitteln und sie auch zu motivieren. Kaum etwas verbindet und motiviert mehr, als ein gemeinsames unternehmerisches Ziel zu verfolgen. Einer der Hauptgründe, warum namhafte Unternehmen wie Microsoft, Google, etc. bei IT-Fachkräften eine so hohe Anziehungskraft haben, ist die dortige gemeinsame Zielsetzung. Der Wunsch, gemeinsam etwas Großes zu erreichen.

Fazit:

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen sich auch nach Corona einen digitalen Arbeitsplatz ohne Abhängigkeit von der IT. Ein wichtiges Ziel ist ein positives Employer Branding, dies wirkt sowohl auf bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch auf die Rekrutierung neuer Kräfte. Beim Arbeitsplatz der Zukunft denken viele schnell an schicke und architektonisch moderne Bürogebäude, doch es kommt nicht nur auf das Ambiente an: Flexibilität in der Arbeitsform ist gefragt, aber auch hier gibt es häufig Unterschiede.

Ohne den passenden kulturellen Fit können noch so viele Anreize geschaffen werden. Entspricht die Unternehmenskultur nicht dem unternehmerischen ‚Outfit‘, entsteht eine Diskrepanz, die im Zeitalter der offenen und teilweise exzentrischen Kommunikationsmedien und Gepflogenheiten, nicht lange geheim bleiben.

Was letztlich beim Konzept der New Work zählt, ist das Gesamtpaket.

Ralf Hager ist Gründer und Geschäftsführer der auf Executive Search spezialisierten Hager Unternehmensberatung. Die Hager Unternehmensberatung beschäftigt mittlerweile rund 100 Mitarbeiter an den deutschen Standorten. Aufgrund der Partnerschaft zu Horton International ist sie in mehr als 40 Niederlassungen in den global wichtigsten Wirtschaftsregionen vertreten.

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