Wie Kommunikationsagenturen ihre Teammitglieder binden

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Es braucht einen Mindset-Wandel in den Führungsebenen der Kommunikationsagenturen, sagt Daniela Harzer, COO bei PIABO. Wie gehen Führungskräfte mit einem Leadership-Mindset vor?

Deutschlands Agenturszene fehlen tausende Fach- und Nachwuchskräfte. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Gesamtverbands für Kommunikationsagenturen (GWA). Für manche Agenturen ist der allgemeine Fachkräftemangel die Ursache, anderen fehlt die richtige Personalstrategie, aber nur ein Teil geht das Problem an und sucht aktiv den Weg aus der Krise.

Um Agenturen zukunftsfähig aufzustellen und Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter langfristig für Karrieren in Agenturen zu begeistern, muss in erster Linie ein Mindset-Wandel stattfinden. Des Weiteren sollten Agenturen gewisse Grundvoraussetzungen erfüllen, um Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter langfristig zu binden. Wie diese aussehen, wird im Folgenden erläutert.

Mit dem richtigen Mindset zum Erfolg

Selbstreflexion in den obersten Führungsebenen ist der erste Schritt. Als Agenturleitung bei sich selbst anzufangen, ist immer eine gute Idee. Welche Art von Kultur möchte ich für meine Organisation? Was bedeutet dies in der Umsetzung? Was sind meine Werte, welche Art von Führungskraft möchte ich sein? Die eigenen Perspektiven zu hinterfragen und dem Team offen und vorurteilsfrei zuzuhören.

Was braucht das Team? Was treibt jede / jeden einzelnen an? Wo sind Hürden? Welche Unterstützung kann die Organisation den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geben, sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiterzuentwickeln? Das heißt, es braucht einen Mindset-Wandel in den Führungsebenen der Agenturen: weg von “der persönlichen Perspektive” hin zu einer Perspektive, die konsequent vom Team aus denkt.

Kommunikationsagenturen: Leadership statt Management

Persönliche Weiterentwicklung ist einer der meistgenannten Punkte für Mitarbeitende, in einem Unternehmen zu bleiben oder nicht. Dabei geht es vor allem darum, dass persönliche Entwicklung und Entfaltung jeder / jedes einzelnen integraler Bestandteil des Arbeitsalltags wird. Leadership hat die Aufgabe, das zu orchestrieren. Wenn eine Führungskraft den Mindsetshift geschafft hat und vom Team aus denkt, steht nicht mehr das Managen von Ressourcen im Vordergrund der Führung. Klassisches Management verwaltet Stunden, stellt Teams zusammen und denkt Karriere in einem geradlinigen Pfad mit starren Richtlinien.

Leadership sieht die großen Perspektiven für das Team und für die Agentur mit gleichzeitig einem klaren Fokus auf das Individuum und seine Persönlichkeit. Leadership schenkt Mitarbeitenden die Freiheit, ihre Ideen zu gestalten, mutige Entscheidungen zu treffen und Fehler machen zu können. Gleichzeitig haben Führungskräfte mit einem Leadership-Mindset im Blick, was die Entwicklung des / der einzelnen für die Vision der Agentur bedeutet.

Von der Ressource zur ganzheitlichen Persönlichkeit

Oder von Human Resources zum People Department. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr nur als Ressource, sondern als Menschen mit individuellen Bedürfnissen und Wünschen zu betrachten, ist der Weg für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung. Agenturen unterliegen, anders als Corporates, keinen strikten Organisationsstrukturen oder Richtlinien. Sie sind selbstbestimmter, haben mehr Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheiten und profitieren von agilen und schnellen Prozessen. Diese Vorteile müssen Agenturen in ihrer Personalstrategie besser für sich nutzen.

Auch wenn es einen Mehraufwand bedeutet, profitieren Agenturen von individuellen Lösungen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Integration von Berufs- und Privatleben spielen für das persönliche Wohlergehen gerade in einem schnelllebigen Agenturalltag eine wichtige Rolle. Es gibt keine „one size fits all“-Lösung. Work-Life-Integration sieht für jede Mitarbeiterin / jeden Mitarbeiter anders aus.

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Echtes Leadership bedeutet auch, das gemeinschaftliche, körperliche, mentale und soziale Wohlergehen seiner Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter als oberste Priorität zu sehen und entsprechende Maßnahmen und Initiativen zu entwickeln. Dazu gehört das Angebot von individuellen, flexiblen Arbeitszeiten oder -modellen (zum Beispiel Führungs-Tandems oder Teilzeit-Karrieren), Remote- und Homeoffice-Möglichkeiten sowie auch Mental Health & Self Care Sessions, Sport- und Kulturprogramme und Teamevents.

Beteiligung als Voraussetzung für erfolgreiche Mitarbeiterbindung

Menschen möchten gestalten und als Individuum wertgeschätzt werden. Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter haben den Drang, in ihren Tätigkeiten zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Jede Mitarbeiterin / jeder Mitarbeiter hat spezifische Talente und Qualifikationen, welche von den Führungskräften identifiziert und gefördert werden müssen.

Besonders Agenturen können durch wechselnde Arbeitsaufträge sowie Kunden-, Themen- und Branchenvielfalt profitieren und ihren Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern neue Perspektiven und Karrieremöglichkeiten eröffnen. So können Agenturen durch ihre weniger politischen und direkteren Strukturen und Prozessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv an Entscheidungen beteiligen sowie Verantwortung schneller übergeben.

Gleichzeitig können sich Teammitglieder als Expertinnen und Experten innerhalb der Agentur häufig schneller als in Corporates profilieren und bekommen eher die Chance, selbstverantwortlich neue agenturrelevante Themenbereiche aufzubauen. Gute Führungskräfte und Personalverantwortliche in Agenturen erkennen diesen Mehrwert und fördern ein solches Verhalten mithilfe von individuellen Entwicklungs- und Weiterbildungsprogrammen bewusst.

Transparenz: Wer sind wir, wo stehen wir und wo möchten wir hin

Nur wenn man als Agentur weiß, wo man sich hin entwickeln möchte und sich seinen Stärken und Schwächen bewusst ist, kann man seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern langfristig eine Perspektive geben. Transparenz und ehrliche offene Kommunikation gegenüber den Teamitgliedern und Kandidatinnen / Kandidaten hilft Vorstellungen zu entmystifizieren.

Offene Managementfragen mit dem Team zu teilen lohnt sich. Dabei gilt nicht, die perfekte Antwort zu geben, sondern das Team am Prozess teilhaben zu lassen. Zudem werden unternehmensstrategische Entscheidungen weitaus offener angenommen, wenn der Weg dahin und die Entscheidung gegen andere Optionen für alle klar ist. Auch für Kommunikationsprofis gilt eine aktive und authentische Kommunikation. Weniger „würde“, „könnte“, „sollte“, keine Verklausulierungen und vor allem keine Beschönigungen.

Authentizität und Haltung zeigen

Erst wenn auf allen Ebenen der Employer Experience vom Recruiting bis zum Offboarding die gleiche strategische Ausrichtung und Haltung der Agentur erlebbar ist, ist der Weg für eine erfolgreiche Retention geebnet. Dazu gehört, dass Mitarbeitergewinnung und -bindung genauso als strategisches Projekt mit KPIs und Zielen angesehen wird, wie Business Development oder Kunden-Akquise. Die Entwicklung einer Employer Value Proposition und deren Kaskadierung durch alle Bereiche der Agentur sowie auch Haltung gegenüber Kunden zu zeigen, sind Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Mitarbeiterzentrierung.

Fazit

In Agenturen muss ein grundsätzlicher Mindset-Wandel stattfinden, um Agentur-Silos aufzubrechen und so die Arbeitsbedingungen und damit verbunden den Ruf von Agenturen, als Arbeitgeber deutlich zu verbessern. Ein Dreiklang aus individuellen und persönlichen Wachstumsperspektiven, eine aktive Jobgestaltung sowie zeitgemäße Rahmenbedingungen sind essentielle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mitarbeitergewinnung und -bindung.

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Daniela Harzer  ist Chief Operation Officer der auf Tech-, Digital,- und Innovationskunden spezialisierten Kommunikationsagentur PIABO. Als Managerin arbeitet Daniela in vielerlei Hinsicht in einem High-Growth-Umfeld: Sie gestaltet bei PIABO einen hoch dynamischen Wachstumsprozess, bei dem innerhalb eines Jahres Mitarbeiter- und Kundenzahl als auch Umsatz verdoppelt worden sind. Sie verantwortet: Strukturen & Prozesse, Profitabilität, Schärfung des Profils der Agentur nach innen und außen, Organisationsstruktur und kulturelle Transformation.

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