Wertschätzung ist die wichtigste Währung

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Drei Hebel gibt es, um die Mitarbeiterbindung zu fördern. Wertschätzung ist einer davon. Elke Frank, Mitglied des Vorstands der Software AG, berichtet, wie Ihr Unternehmen diese einsetzt, um das Gefühl der Zugehörigkeit zu stärken.

Die Pandemie hat die Arbeitswelt komplett auf den Kopf gestellt. Seit zwei Jahren rekrutieren viele Unternehmen zu 100 Prozent digital und in vielen Ländern findet zumindest Wissensarbeit praktisch nur noch remote statt. Vieles von dem, was vor Corona gültig war, ist damit obsolet geworden. Der krisenbedingte Digitalisierungsschub fördert neue Arbeitsstrukturen, die von Work-Life-Blending, Kollaboration und Remote Work geprägt sind. Laut einer Hays-Umfrage zeigte sich dreiviertel der Befragten positiv überrascht, wie gut das Arbeiten zu Hause funktioniert, 64 Prozent geben an, im Homeoffice sogar produktiver zu sein und 70 Prozent empfinden das Verschmelzen von Beruflichem mit Privatem als angenehm.

Den erlebten Zugewinn an Flexibilität und Eigenverantwortung, das stärker ergebnisorientierte Arbeiten und die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Job wollen die meisten Mitarbeitenden auch nach der Pandemie nicht mehr missen. Laut einer Studie von Slack und Kantar wären 40 Prozent der deutschen Angestellten sogar bereit, den Job zu wechseln, wenn sie wieder fünf Tage die Woche ins Büro müssten.

Wie wir Talente nicht nur gewinnen, sondern auch halten

Diese Zahl lässt aufhorchen. Zwar haben mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen bereits reagiert und neue Homeoffice-Regelungen eingeführt, auch die Software AG gehört dazu. Doch das wird nicht ausreichen, um Mitarbeitende langfristig zu binden. Zwar sind wir hierzulande noch weit entfernt von den Verhältnissen wie in den USA, wo im vergangenen Jahr 45 Millionen Menschen ihren Job gekündigt, sich neue Herausforderungen gesucht haben, und das Schlagwort von der „Great Resignation“ somit allgegenwärtig wurde.

Dennoch hat die ohnehin seit Jahren schwächelnde Mitarbeiterbindung während der Pandemie auch in Deutschland einen neuen Tiefpunkt erreicht. Gleichzeitig steigt der Fachkräftemangel überall rapide an. Die Aufgabe Talente nicht nur gewinnen, sondern auch zu halten, wird zu einer der wichtigsten, wenn nicht gar zur wichtigsten Aufgaben für HR-Verantwortliche.

Um Mitarbeiterbindung zu fördern, gibt es drei zentrale Hebel:

  1. Die Anerkennung der beruflichen Leistung
  2. Die Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung im Job
  3. Wertschätzung und Motivation durch die/den direkten Vorgesetze(n)

Alle drei sind eng miteinander verzahnt und letztlich Ausdruck der vorherrschenden Unternehmenskultur.

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Warum wir nicht Prozesse, sondern Menschen in den Mittelpunkt stellen

Um Erfolg zu haben, ist es heute unerlässlich, nicht die Prozesse, sondern die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – und genau daran haben wir bei der Software AG in den vergangenen drei Jahren hart gearbeitet: Wir haben Silos und überflüssige Bürokratie abgebaut, zum Beispiel haben wir unseren internen Bestellprozess vereinfacht. Wir haben sowohl einzelnen Mitarbeitenden als auch ganzen Teams dadurch mehr Entscheidungsfreiheit gegeben.

Wir haben weltweit neue Standards für regelmäßiges Feedback und Mitarbeiterentwicklungsgespräche gesetzt. Mit Hilfe unserem strukturierten Prozess für die Nachfolgeplanung stellen wir außerdem sicher, dass Mitarbeitende sich permanent inhaltlich und beruflich weiterentwickeln und somit den nächsten Schritt in ihrer Karriere verfolgen können. Zudem haben wir verschiedene Initiativen ins Leben gerufen, um unsere Beschäftigten stärker in die Weiterentwicklung des Unternehmens einzubinden. Bei den sogenannten „Tech Interrupts“ können sich zum Beispiel unsere Softwareentwickler ihrer Kreativität freien Lauf lassen, um neue Technologien und Produktkonzepte zu entwickeln

Vor allem stärken wir die Stimme unser Mitarbeitenden, indem wir sie viel mehr bei Entscheidungen und Verbesserungen einbeziehen. Unser Purpose „We connect people and technology for a smarter tomorrow“ ist das beste Beispiel dafür. Als Team haben wir mit unseren weltweit knapp 5.000 Mitarbeitenden diesen Purpose erarbeitet und anschließend darüber abstimmen lassen. Dieses Mitwirken ermöglicht eine hohe emotionale Bindung zu dem was wir tun. Das Warum ist essenzieller Bestandteil eines jeden Unternehmens und von hoher emotionaler Bedeutung.

Wie wir Mitarbeitende nicht nur beruflich, sondern auch persönlich stärken

Um den Wandel zu begleiten und voranzutreiben, haben wir neben einer globalen DE&I Ambassador Gruppe das sogenannte ‚Change Network‘ ins Leben gerufen. 48 Kolleginnen und Kollegen aus 14 verschiedenen Ländern und 27 verschiedenen Funktionsbereichen und Hierarchie-Ebenen arbeiten in enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand, unseren globalen Führungskräften und den HR-Business-Partnern an der Umsetzung unserer People & Culture-Initiativen – und damit letztlich an der Förderung des Mitarbeiterengagements.

Damit Bindung gelingt, müssen Unternehmen ihre Mitarbeitenden heute allerdings nicht nur beruflich, sondern auch auf persönlicher Ebene stärken. Es gilt, die Gesundheit, die Zufriedenheit und die Resilienz der gesamten Belegschaft im Auge zu behalten und zu unterstützen. Bei der Software AG hilft ein globales Employee Assistance Programm sowie die kostenlose Nutzung von Headspace unseren Mitarbeitenden bei der Bewältigung jeglicher Art von Stress oder Krisen. Zudem steht jeder zweite Montag im Zeichen von Produktivität ohne Unterbrechung und es sollten keine Meetings stattfinden.

Warum Achtsamkeit und Empathie jetzt zu entscheidenden Tugenden werden

All das ersetzt allerdings nicht den persönlichen Austausch, für den sich Führungskräfte jetzt unbedingt viel Zeit nehmen müssen. Gute Führungskräfte geben Verantwortung ab und schützen ihre Mitarbeitenden gleichzeitig vor Überforderung. Sie sorgen dafür, dass Menschen ihre Ideen frei entfalten können – und dabei auch Fehler machen dürfen. In einer zunehmend hybriden Arbeitswelt werden Achtsamkeit und Empathie zu entscheidenden Tugenden, damit zu jeder Zeit alle Mitarbeitenden gleichermaßen Gehör finden und niemand unterwegs verloren geht. Hier unterstützen wir unsere Führungskräfte mit unserem „Leadership Learning Program“, um das Verständnis bereits von oben zu festigen.

Wie strategische Ausrichtung und Unternehmenskultur zusammenspielen

Unser Ziel bei der Software AG ist eine ‚People-First-Culture‘, die auf allen Ebenen des Unternehmens von gegenseitigem Vertrauen und Empathie geprägt ist. Wir sind davon überzeugt, dass ein festes Gefühl der Zugehörigkeit nur erreicht werden kann, wenn wir unseren Talenten optimale Entwicklungsmöglichkeiten bieten und uns gemeinsam auf einen offenen und ehrlichen Dialog einlassen. Nur mit einer echten Wertschätzung aller für alle werden wir auch als Unternehmen erfolgreich sein. Dabei sind die strategische Ausrichtung und die Unternehmenskultur wie Ying und Yang – beide müssen perfekt ausbalanciert zusammenspielen. Genau diese Kultur hält uns am Ende alle zusammen und verbindet!

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Dr. Elke Frank ist seit 2019 Mitglied des Vorstands der Software AG und für die Bereiche Personal, Recht, IT und Transformation verantwortlich. Zuvor arbeitete sie für Daimler, Carl Zeiss Vision, Microsoft Deutschland und die Deutsche Telekom. 2015 veröffentlichte sie zusammen mit ihrem damaligen Microsoft-Kollegen Thorsten Hübschen das Buch „Out of Office – Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen“. Elke Frank hat an der Uni Würzburg in Jura promoviert.

Zudem ist sie seit 2020 Mitglied des Aufsichtsrats der Scout24 AG, die das Portal Immoscout24 betreibt. Privat ist die Personalvorständin ein großer Bergfan. Sie fährt leidenschaftlich gern Ski und wandert. Zusammen mit ihrem Ehemann lebt sie in Stuttgart.

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