Wechselbereitschaft: Ein Drittel auf dem Sprung

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Jobwechsel-Kompass für das dritte Quartal 2022: Wechselbereitschaft steigt weiter an, vor allem junge Menschen sind offen für neue Jobs. Das HR JOURNAL stellt die Ergebnisse der neuen Ausgabe des Jobwechsel-Kompass exklusiv vor.

Die Wechselbereitschaft in Deutschland steigt weiter an. So sind derzeit genau ein Drittel der Beschäftigten offen für einen Jobwechsel. Zu diesem Ergebnis kommt der erschienene Jobwechsel-Kompass, den die Königsteiner Gruppe quartalsweise mit der Online-Jobbörse stellenanzeigen.de erhebt. Für die aktuelle Ausgabe wurden bundesweit 1.025 Beschäftigte befragt.

Entsprechend steigt auch der Jobwechsel-Index (Skala 1-5) mit den neuen Zahlen weiter an. Nachdem dieser im März bei einem Wert von 2,36 und im Mai bei 2,50 gelegen hatte, ermitteln die Arbeitsmarktforscher nun einen erneuten Anstieg auf 2,60. Besonders auffällig: Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren sind überdurchschnittlich offen für einen Wechsel ihres Arbeitgebers. 47 Prozent hegen aktuell den entsprechenden Wunsch zur beruflichen Veränderung – 14 Prozent mehr als der altersübergreifende Mittelwert aller Teilnehmenden.

Grafik Wechselbereitschaft

Wer aktuell unzufrieden ist, zieht schneller die Konsequenzen

Auch wenn die Deutschen zunehmend offen für einen Jobwechsel sind, klagen sie kaum über ihren gegenwärtigen Arbeitgeber. So stieg die aktuelle Mitarbeiter-Zufriedenheitsquote von 51 Prozent im Mai auf nun 64 Prozent. Allerdings sind zufriedene Mitarbeitende nicht in gleichem Maße auf dem Sprung wie unzufriedene. So liegt die Wechselbereitschaft bei denjenigen, die sich zurzeit in ihrem Job wohlfühlen, bei nur 21 Prozent. Die tendenziell Unglücklichen sind dagegen zu 63 Prozent wechselwillig.

Kandidat*innen sehen gute Perspektiven für sich auf dem Jobmarkt

Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt schätzen die Beschäftigten in deutschen Unternehmen nach wie vor sehr optimistisch ein. Insgesamt liegt der Anteil derjenigen, die sich selbst gute oder sehr gute Chancen für einen Jobwechsel ausrechnen bei 61 Prozent (Mai: 60 Prozent). Auffällig ist dabei allerdings der prozentuale Anstieg bei denjenigen, die sich explizit „sehr gute“ Perspektiven einräumen. Dieser stieg um 6 Prozent auf nunmehr 24 Prozent. Auch diejenigen, die derzeit unglücklich bei ihrem gegenwärtigen Arbeitgeber sind, gehen insgesamt zu 58 Prozent von guten oder sehr guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus.

Nils Wagener
Nils Wagener ©Cherie Birkner

„Die auffällig hohe Wechselbereitschaft ist verbunden mit einem hohen Selbstbewusstsein der Kandidat*innen. Gerade dass auch die unzufriedenen Mitarbeitenden von einer schnellen erfolgreichen Jobsuche ausgehen, ist eine beunruhigende Nachricht für deren Arbeitgeber. Denn die Unternehmen, die ihre Beschäftigten eigentlich halten möchten, laufen Gefahr, diese wertvollen Mitarbeiter*innen ohne vorherigen Dialog zu verlieren. Und eine hohe Fluktuationsrate kann sich derzeit kein Unternehmen leisten“, so Nils Wagener, Geschäftsführer der Königsteiner Gruppe zu den Ergebnissen.

Vor allem junge Beschäftigte glauben an die Zukunft

Die optimistische Grundhaltung der Kandidatinnen und Kandidaten hält übrigens trotz aller gegenwärtigen Krisen – von der Pandemie über den Ukraine-Krieg bis hin zur Inflation – auch mit Blick auf die Zukunft an. So sehen 87 Prozent der Befragten ihre individuellen Chancen auf dem Arbeitsmarkt in sechs Monaten so gut wie heute (67 Prozent) oder gar besser (20 Prozent). Wenn die Beschäftigten ein volles Jahr vorausschauen, liegt der Anteil derjenigen, die dann von genauso guten Perspektiven wie heute ausgehen bei 53 Prozent. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) gehen sogar von dann noch besseren Aussichten auf dem Bewerbermarkt aus.

Hier sticht vor allem der Optimismus der jungen Generation heraus. Denn satte 53 Prozent der jungen Beschäftigten zwischen 18 und 29 Jahren glauben fest daran, in einem Jahr noch bessere Chancen zu besitzen als jetzt schon.

Foto Peter Langbauer
Peter Langbauer

„Unsere Zahlen zeigen, dass sich die Kandidatinnen und Kandidaten ihres Wertes bewusster sind denn je. Trotz schwieriger politischer Rahmenbedingungen sind sie sicher, dass sie eine starke Position auf dem Arbeitsmarkt besitzen – jetzt und in Zukunft. Arbeitgeber müssen sich also auf eine zunehmend selbstbewusste Gruppe von gefragten Talenten einstellen“, so Peter Langbauer, Geschäftsführer der Online-Jobbörse stellenanzeigen.de, zu den Ergebnissen.

Über die Analyse

Für den Jobwechsel-Kompass befragt das Marktforschungsinstitut bilendi im Auftrag der Königsteiner Gruppe sowie stellenanzeigen.de quartalsweise 1.000 Beschäftigte zu ihren beruflichen Zukunftsaussichten sowie ihrer Wechselbereitschaft. Der aktuelle Befragungszeitraum lag für die vorliegende Ausgabe im August 2022. Alle Teilnehmer*innen waren zum Zeitpunkt der Befragung erwerbstätig.

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