Vier-Tage-Woche für eine bessere Work-Life-Balance

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Die Pandemie hat den Menschen gezeigt, was ihnen im Leben am wichtigsten ist, sagt Scott Day von Corel. Sind wir auf dem Weg zur Vier-Tage-Woche?

Angesichts der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie wird erwartet, dass die Employee Experience im Jahr 2022 zu einer der wichtigsten Prioritäten wird. Das bedeutet, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und jeder Mensch eine individuelle Identität mit unterschiedlichen Motivationen, Talenten und Lebensgeschichten hat. Die Pandemie hat den Menschen gezeigt, was ihnen im Leben am wichtigsten ist.

Die Arbeit hat zwar Priorität, aber die meisten haben auch erkannt, dass sie großen Wert auf ihre Gesundheit, auf Zeit mit ihren Lieben und auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legen. Um Top-Talente anzuziehen und zu halten, ist es wichtig, dass die Führungskräfte eine starke Beziehung zwischen den Mitarbeitern und ihrer Arbeit kultivieren und ihnen einen Sinn in ihrem Arbeitsumfeld geben. Gleichzeitig erkennen sie an, dass die Arbeit nur eine Komponente im erfüllten Leben ihrer Mitarbeiter ist. Menschen erbringen bessere Leistungen, wenn Führungskräfte sie als ganze Menschen mit einem Privatleben sehen und behandeln.

Flexible Arbeitszeiten für individuelle Selbstverwirklichung

Aus diesem Grund bieten immer mehr Unternehmen flexible Arbeitszeiten, zusätzlichen bezahlten Urlaub zum Beispiel für soziales Engagement oder Pflegetätigkeiten und sowie auch die Möglichkeit zur Reduktion der Arbeitszeit auf Teilzeitmodelle. Diese sind für Bewerber durchaus attraktiv, da Mitarbeiter ihre Arbeitszeit so flexibel an die jeweiligen Lebensumstände anpassen können.

Ein weiterer Vorteil: Diese Flexibilität räumt Unternehmen gegenüber anderen Unternehmen in ihrer Branche eine höhere Wettbewerbsfähigkeit ein, um neue Talente zu begeistern und die eigenen zu behalten. Deshalb sollten Führungskräfte diese neue Art der Arbeitsgestaltung auch für ihr eigenes Unternehmen in Betracht ziehen.

Arbeitgeber müssen umdenken

Es ist schön zu sehen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit haben und auch wahrnehmen, ihre Arbeitszeit flexibel zu gestalten und andere Optionen entsprechend ihrer privaten und familiären Situation anzupassen. Vor allem dann, wenn der Arbeitgeber darauf ohne Widerworte flexibel und verständnisvoll reagiert. Denn hier hat sich die Einstellung zur Beschäftigung in den letzten Jahren stark verändert. Herrschte bislang eher ein traditionelles, resistentes Verhalten der Führungsebene gegenüber Stundenreduktionen oder flexiblen Arbeitszeiten vor, zeigt sich nun ein zunehmend offenes Verhältnis gegenüber diesen Veränderungen.

Die Unternehmen haben zwar noch oft das Gefühl, dass zu viel für sie auf dem Spiel steht, wenn sie ihren Angestellten mehr zeitliche Freiheiten erlauben. Die Pandemie hat ihnen jedoch eine große Chance geboten, traditionelle Arbeitsverhältnis umzustrukturieren. Das förderte das Umdenken, um auch die veränderten Einstellungen und Bedürfnisse der Mitarbeiter besser zu berücksichtigen.

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Mitarbeiter verlangen mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung

Die Einstellung der Generationen zur Arbeit ändert sich langsam, da die Millennials und die Generation Z einen größeren Teil der Belegschaft ausmachen. Während für die Babyboomer eine hohe Vergütung der wichtigste Faktor bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes war, ist dies bei den jüngeren Generationen nicht mehr der Fall. Flexibilität, Autonomie, ein unterstützendes und soziales Arbeitsumfeld und eine gesunde Work-Life-Balance sind Schlüsselfaktoren, die Unternehmen jetzt bieten müssen. Ansonsten gefährden sie ihre Fähigkeit, Talente anzuziehen und zu halten. Die Idee, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, ist eine entscheidende neue Entwicklung in der modernen Arbeitswelt.

Laut der Zenjob Gen Z – Studie wollen sich 83 Prozent der Gen Z und 84 Prozent der Millennials ihre Zeit selber einteilen, um nach dem eigenen Rhythmus arbeiten zu können. Im Zentrum dieser Einstellung steht unter anderem auch die Idee einer Vier-Tage-Woche, die weltweit an Fahrt aufnimmt. Für Personalverantwortliche ist die Aussicht, die Arbeitszeit der Mitarbeiter ohne Produktivitätseinbußen reduzieren zu können, ein beeindruckendes Ziel. Diese neue Art des Arbeitens stellt eine wesentliche Verbesserung des Gleichgewichts zwischen Arbeit und Leben dar.

Vier-Tage-Woche für erfülltes Leben

Gerade jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind eher von der Idee angetan, dass sie „arbeiten, um zu leben“, als dass sie „leben, um zu arbeiten“. Nationen wie das Vereinigten Königreich und Spanien testen derzeit die Vier-Tage-Woche ohne Lohneinbußen, um zu sehen, wie sie sich auf die Produktivität und die Zufriedenheit der Arbeitnehmer auswirkt. Die Ergebnisse früherer Versuche in Island waren ein überwältigender Erfolg: Die Teilnehmer berichteten, dass sich ihr Wohlbefinden und ihre Work-Life-Balance dramatisch verbessert haben.

Die Erkenntnis, dass die Arbeit nur ein Teil eines erfüllten Lebens ist, ist ein wichtiger Gedanke, den Manager respektieren müssen. Wir wissen, dass Menschen mehr leisten, wenn sie als ganze Menschen mit einem Privatleben behandelt werden. Und auch wenn wir nicht vorhersagen können, was genau als Nächstes kommt, so ist es doch spannend zu sehen, wie viele der grundlegenden Aspekte der Arbeit mit neuen Ansätzen wie der Vier-Tage-Woche überdacht werden.

Scott Day ist Chief People Officer bei Corel.

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