Vertrauenskultur: Das Ende der „guten alten Bürozeiten“

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Technologie ermöglicht flexibles Arbeiten, aber nur eine Vertrauenskultur sichert den Unternehmenserfolg, sagt Sherif Seddik, Senior Vice President bei Citrix.

Vertrauen in die Motivation und das Engagement ihrer Belegschaft ist die Grundlage jedes Unternehmens, unabhängig von Branche oder Größe. Als Manager ihre Mitarbeiter aufgrund der COVID-19-bedingten Lockdowns jedoch ins Home Office schicken mussten, fürchteten einige allerdings, dass Motivation und Engagement dort abnehmen und die Produktivität entsprechend sinken würde. Tatsächlich ist in vielen Fällen das Gegenteil eingetreten: die Produktivität der Mitarbeiter blieb stabil oder stieg sogar an.

Diese Flexibilität wird langfristig bleiben – für Unternehmen bedeutet dies, dass sie die Voraussetzungen schaffen müssen, damit ihre Angestellten von jedem Ort aus bestmöglich arbeiten können. Hierfür ist nicht nur ein technologischer, sondern auch ein kultureller Wandel von Nöten.

Als COVID-19 im letzten Jahr weltweit ausbrach, mussten sich Unternehmen in zahlreichen Branchen schnell Lösungen überlegen, um ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Für Anbieter aus der Veranstaltungsbranche hieß dies zum Beispiel, Events wie Konzerte, Theaterstücke, Messen oder Produkt-Roadshows in den digitalen Raum zu verlegen und per Stream oder Online-Plattform in die heimischen Wohnzimmer zu transportieren. Bei Büroarbeitern gestaltete sich die Situation leichter, da viele von ihnen mit dem passenden Equipment problemlos ins Home Office wechseln konnten. Dadurch hat die Pandemie den weltweiten Trend hin zu flexiblen Arbeitsmodellen auch in Deutschland erheblich beschleunigt.

Vertrauenskultur über Grenzen hinweg etablieren

Aber damit diese Flexibilität langfristig funktioniert, müssen Führungskräfte ihre Unternehmenskultur anpassen. Nur so können sie ihre Mitarbeiter motivieren und dazu befähigen, ihre bestmögliche Arbeit abzuliefern ohne dabei unter hohem Stress und physischer Belastung zu leiden. Die richtige Technologie ist zwar die Grundlage für flexible und hybride Arbeitsmodelle, aber eine Atmosphäre des Miteinanders – unabhängig davon, wo sich die Mitarbeiter befinden – entscheidet dabei über den Unternehmenserfolg.

Damit ihre verteilten Teams effektiv arbeiten können, müssen Manager sich schnellstmöglich von der mancherorts noch vorherrschenden Überwachungskultur lösen, bei der Produktivität anhand der im Büro verbrachten Arbeitszeit gemessen wird. Stattdessen müssen sie für jedes ihrer Teammitglieder konkrete Ziele definieren, an denen sie gemessen werden. Die Mitarbeiter wiederum müssen aufhören, sich um die alltäglichen Details der Arbeitsabläufe zu kümmern und zu einem ergebnisorientierten Ansatz übergehen.

Der notwendige Wandel ist jedoch noch grundlegender: Im Zeitalter der digitalen Arbeit, in dem die Digitalisierung die physische Anwesenheit im Büro in vielen Fällen für die Ergebnisse irrelevant macht, wird der Unternehmenserfolg maßgeblich davon abhängen, eine Kultur des Vertrauens innerhalb und zwischen geografisch verteilten Teams zu etablieren. Dieser Wandel wird sich jedoch nicht über Nacht vollziehen. Stattdessen wird der Aufbau von Teams, die über verschiedene Standorte, Zeitzonen, kulturelle Hintergründe und persönliche Lebensumstände hinweg effektiv zusammenarbeiten, Zeit und Mühe in Anspruch nehmen und Interaktionen erfordern – sowohl über Videoanrufe als auch persönliche Treffen.

Flexibilität verbessert die Work-Life-Balance und damit die Produktivität

Diese neue Arbeitskultur wird auch verändern, wie Unternehmen ihre Büroflächen nutzen und wie ihre Mitarbeiter konkret zusammenarbeiten. Regelmäßige und Ad-hoc-Meetings sind wichtige Komponenten, um Vertrauen, Motivation und Engagement zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Künftig werden diese allerdings vermehrt hybrid verlaufen: Während einige Teammitglieder im Konferenzraum zusammenkommen, wählen sich andere per Telefon oder Videokonferenztool ein. Es wird an den Organisatoren liegen, hierbei etwa als Moderatoren zu agieren, um sicherzustellen, dass alle Teilnehmer in die Diskussion einbezogen werden und sich gleichberechtigt fühlen. Darüber hinaus müssen aber auch die informellen Aspekte der Büroarbeit neu erfunden werden, wie After-Work-Drinks oder Team-Abende. Solche Begegnungen, bei denen nicht die Arbeit selbst, sondern das Miteinander im Fokus steht, sind wichtig, damit Kollegen als Team zusammenwachsen.

Ein weiterer Faktor, der künftig besondere Aufmerksamkeit erfordern wird, ist das Zeitmanagement. Ein großer Vorteil flexibler Arbeitsmodelle besteht darin, dass viele Mitarbeiter nach ihren eigenen Termin- und Zeitplänen arbeiten können. Dadurch können sie ihrer Arbeit nachgehen, wenn sie am produktivsten sind und ihre Work-Life-Balance verbessern. Dies bedeutet, dass die (Team-)Arbeit in Zukunft zunehmend asynchron verlaufen wird. Unternehmen müssen prüfen und festlegen, inwieweit sie ihre Arbeitsprozesse und Teaminteraktionen an diese Asynchronität anpassen können. Eine Möglichkeit ist, unternehmensweite Meetings durch eine Reihe kleinerer Treffen zu ersetzen und verstärkt auf asynchrone Kommunikationswege zu setzen statt auf Telefonanrufe oder Videokonferenzen. Auch sollten sie Umgebungen schaffen, die effizient unterschiedliche Arbeitsabläufe ermöglicht.

Fazit: Unternehmen müssen das Miteinander fördern

Künftig wird es für Unternehmen eine Hauptaufgabe sein, ihre Mitarbeiter in verteilt arbeitender Teams bestmöglich zu unterstützen, damit diese engagiert und motiviert ihrer Arbeit nachgehen. Denn: Eine Rückkehr zur „guten, alten Bürozeit“ wird es nicht geben – viele Mitarbeiter haben die Flexibilität der letzten Monate zu schätzen gelernt und werden sie nicht mehr aufgeben wollen. Um diese neue Arbeitsrealität erfolgreich zu gestalten, müssen Manager regelmäßig mit ihren Teammitgliedern sprechen und eine engere persönliche Beziehung aufbauen. Dadurch können sie früher Anzeichen bemerken, wenn sich ihre Mitarbeiter isoliert oder gestresst fühlen oder Schwierigkeiten haben, ihre individuellen Ziele zu erreichen.

Solche sozialen Bindungen werden in Zukunft entscheidend für den Unternehmenserfolg sein und die Grundlage für eine vertrauensvolle Arbeitskultur sein, unabhängig davon, wo und wann die Angestellten arbeiten. Genau wie Eventmanager, die sich umorientieren und traditionelle Präsenzveranstaltungen in den digitalen Raum verlagern mussten, müssen auch Büroarbeiter nach einer neuen Normalität streben. Ein Zurück in die Vergangenheit steht nicht mehr auf der Agenda.

Sherif Seddik war bis September 2021 Senior Vice President für die EMEA-Region von Citrix. In dieser Position war er für die Expansion und die Entwicklung des Citrix-Geschäfts in Europa, dem Nahen Osten und Afrika verantwortlich. Seit Oktober 2021 ist er Senior Vice President Commercial Strategy & Go To Market.

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