So entwickeln Mitarbeitende ein agiles Mindset

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Wie erlangen Mitarbeitende ein agiles Mindset und was ist das überhaupt? Ein Grundsatzbeitrag von René Kräling, Managing Consultant bei Campana & Schott.

Angesichts sich ständig verändernder Rahmenbedingungen ist Agilität eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung des eigenen Unternehmens. Das belegt der Future Organization Report 2021 (FOR 2021).

Das Mindset eines Menschen bildet die Grundlage zur Bewertung und Interpretation von Informationen, wodurch das strategische Entscheidungsverhalten beeinflusst wird. Dabei beschränkt sich das Mindset nicht nur auf das individuelle Denken und Handeln, sondern es kann auch die Denk- und Handlungslogik von Unternehmen prägen. Ein agiles Mindset bezeichnet eine dynamische Denkweise, die sich in ständiger Entwicklung befindet und dabei ihre Umgebung umfassend einbezieht. Zu den Kerncharakteristika gehören: offene Kommunikation, Transparenz, flexible Zusammenarbeit und kontinuierliches Feedback.

Fail fast, fail often

Mitarbeitende besitzen ein agiles Mindset, wenn sie

  1. kontinuierlich nach neuen Erkenntnissen suchen, um auf Veränderungen zu reagieren,
  2. Wege und Ergebnisse der Arbeit transparent mit anderen teilen und diskutieren,
  3. selbst entscheiden, wie sie weiter vorangehen und
  4. kontinuierlich, iterativ und kundenorientiert in einem „Co-Creation-Ansatz“ bei der Arbeit sind.

Um diese Mentalität zu entwickeln, braucht es Vertrauen und vor allem psychologische Sicherheit als Grundvoraussetzungen im Unternehmen. Mitarbeitende müssen beim Ausprobieren neuer Ansätze auf den Rückhalt der Führungsebene und des Teams vertrauen können. Je sicherer sich Mitarbeitende fühlen, neue Dinge auszuprobieren und dabei auch scheitern zu können, desto fruchtbarer ist der Boden für innovative Ideen und Lösungen.

Damit eine Person sich sicher fühlt, sollten Schwierigkeiten offen angesprochen und gemeinsam an Lösungen gearbeitet werden, ohne die betreffende Person zu beurteilen. Laut FOR 2021 geben 82 Prozent an, dass sie Probleme gern offen mit anderen ansprechen.

Eine offene Kommunikation in alle Richtungen und über alle Hierarchien hinweg ermöglicht echte Transparenz. Das kreiert den nötigen Freiraum, zum Ausprobieren und aus Fehlern zu lernen. Gleichzeitig muss ein agiles Werteverständnis etabliert werden, das einen freien Informationsfluss ermöglicht. Auch agile Arbeitsmethoden fördern dies, wie beispielsweise Scrum, ein Vorgehensmodell aus der Softwareentwicklung und dem Projektmanagement.

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Grafik HR Innovation Day 2022
Chart Agiles Mindset
Kennzeichen einer leistungsstarken Belegschaft

Motivation steigert Qualität, Quantität und Innovativität der Ergebnisse

Der zentrale Faktor einer erfolgreichen Zusammenarbeit ist Motivation. Sie fängt bereits beim Recruiting-Prozess an und liegt damit zunächst in der Hand der Personalabteilung. Diese sollte darauf achten, dass neue Angestellte bereits eine Portion intrinsische Motivation mitbringen. Während der Einarbeitung gilt es, gezielte Impulse zu setzen und das Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass agile Werte und Prinzipien gelebt werden können.

Dazu gehören Freiraum, Dinge auszuprobieren, direkter Kundenkontakt und retrospektive Inspektion und Adaption der Arbeitsweise. Erleben Mitarbeitende dabei, wie die geschäftliche Umgebung unbekannte Thematiken aufgeschlossen angeht, sind sie eher gewillt, sich auszuprobieren. Schulungen, Coachings, Workshops und Zertifizierungen unterstützen die permanente, nachhaltige Entwicklung von Fähigkeiten.

85 Prozent der im FOR 2021 Befragten, die sich selbst ein agiles Mindset attestieren, trauen sich mutiger an neue Aufgaben heran, bei denen sie nicht alle Anforderungen von Beginn an kennen. Auch aus diesem Grund sollten sich Recruiter nicht scheuen, Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen einzustellen, denn diese bringen vielfältige Qualitäten mit. 87 Prozent bekommen gerne Feedback von Menschen mit weitreichenden, diversen Perspektiven.

Ziele vereinbaren, statt Aufgaben verteilen

Selbstorganisation ist ein zentraler Aspekt des agilen Mindsets, denn sie fördert die Motivation. Laut FOR 2021 haben 87 Prozent der befragten Unternehmen eine stark positive Einstellung zu Selbstorganisation und Verantwortungsübernahme.

Um eine agile Unternehmenskultur zu schaffen, muss das Management eine Vorbildfunktion einnehmen und übergreifende Ziele formulieren. Danach ist die Übertragung von Verantwortung an die Mitarbeitenden (Empowerment) entscheidend. Durch die Vereinbarung von Zielen und Ergebnissen, anstatt der Delegation von Aufgaben, unterstützten Führungskräfte ihre Kolleginnen und Kollegen dabei, ihre Arbeit selbst zu organisieren und zu priorisieren.

Die schrittweise Fertigstellung von kleinen Liefergegenständen ermöglicht regelmäßige Erfolgserlebnisse und ein stetiges Dazulernen, was wiederum die Geschwindigkeit und Qualität der Arbeitsergebnisse verbessert.

Immer mehr Mitarbeitende wünschen sich zudem ein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen. Auch wenn dies aufwändig ist, sollten Mitarbeitende die Chance erhalten, Prozesse mitzugestalten, um deren Commitment sicherzustellen, beispielsweise wenn es um die „New Work“ Strategie geht. Das heißt aber nicht, dass der Führungsstil durch Laissez-faire geprägt sein sollte, denn auch agile Mitarbeitende benötigen Führung.

Chart Agiles Mindset
Veränderung der Unternehmensagilität in den letzten drei Jahren

Fachübergreifender Austausch sorgt für Gemeinschaftsgefühl

Vertrauen, Offenheit, Respekt und Mut: Diese Werte müssen nicht nur top-down vermittelt werden, sondern auch untereinander im Kollegium vorherrschen. Durch eine gesteigerte Teamorientierung entwickeln Mitarbeitende ein Bewusstsein für ihren Beitrag am Unternehmenserfolg. Cross-funktionale Kollaborationen über Fach- und sogar Unternehmensgrenzen hinweg (sogenannte „Knowledge Tribes“) fördern die Inspiration und sorgen für Innovationen.

Interne Communities sowie der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Mitarbeitenden sind ein strategischer Erfolgsfaktor bei der Förderung eines agilen Unternehmens-Mindsets. Auch der enge Austausch mit Kunden kann sich positiv auf das agile Mindset auswirken. Im Umkehrschluss begünstigt dieses die sichere Orientierung in neuen Umgebungen: 83 Prozent der Mitarbeitenden, die laut eigenen Angaben über ein agiles Mindset verfügen, fühlen sich mit Veränderungen, neuen Ideen und neuen Technologien wohl.

Generell lohnt es sich für Unternehmen, die Entwicklung eines agilen Mindsets mit verschiedenen Maßnahmen und Rahmenbedingungen zu fördern. Das Resultat sind intrinsisch motivierte, selbstorganisierte Mitarbeitende, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und die flexibel, positiv und eigenständig auf schnelle Veränderungen reagieren.

René Kräling ist Managing Consultant am Standort Zürich, Co-Lead Enterprise Agility und Projektmanager des „Future Organization Report“ bei Campana & Schott. Er begleitet Kunden bei globalen Projekten und Transformationsvorhaben zu den Themen Agilität, Market Access und Content-Strategie in der Pharmabranche.

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