People Excellence: Der Weg zu einer exzellenten Workforce

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People Excellence lebt von fachübergreifendem Austausch und cross-funktionaler Zusammenarbeit, sagt René Kräling, Managing Consultant Campana & Schott. HR kann auf dem Weg zu einer exzellenten Workforce eine treibende Rolle einnehmen.

Ein neuer Mitarbeiter soll eine komplexe Aufgabe erledigen. Obwohl zu Beginn detaillierte Arbeitsvorgaben fehlen und er sich im Unternehmen noch nicht auskennt, kann er die Erwartungen erfüllen und das Projekt nach kurzer Zeit erfolgreich abschließen. Was hat zu diesem Erfolgserlebnis geführt? Zunächst hat die HR-Abteilung seine Wünsche zur individuellen Arbeitsplatzgestaltung berücksichtigt und ihm eine feste Ansprechpartnerin zur Seite gestellt.

Der Mitarbeiter hat sich dadurch von Beginn an willkommen und sicher gefühlt. Die Aufgabe passte zu seinen Kompetenzen und hat ihn ge- aber nicht überfordert. Durch seine flexible, dynamische Denkweise, mit der er bereits im Bewerbungsprozess überzeugte, hat der Mitarbeiter fehlende Informationen nicht nur bei seiner Ansprechpartnerin eingeholt, sondern über digitale Kollaborations-Tools noch weitere Kolleginnen und Kollegen eingebunden. Dieses Beispiel macht deutlich: Der Erfolg eines Unternehmens steht und fällt mit einer leistungsstarken, motivierten und vernetzten Belegschaft.

Das belegt auch der Future Organization Report 2021 (FOR): „People Excellence“ steigert die Produktivität der Unternehmen und bringt sie schneller ans Ziel. Mitarbeitende erbringen exzellente Leistungen, wenn sie sowohl hochqualifiziert als auch motiviert sind und die richtigen Rahmenbedingungen für ihre Arbeit vorfinden. Zu den wichtigsten Instrumenten zählen hierbei Purpose, Incentives und Weiterbildung, aber auch die (technische) Arbeitsplatzgestaltung, psychologische Sicherheit und das Empowerment im Unternehmen.

Chart Agiles Mindset
Kennzeichen einer leistungsstarken Belegschaft

Die Vorteile liegen auf der Hand: Fachexperten arbeiten engagierter daran, Ziele zu erreichen und Probleme mit kreativen Ansätzen zu lösen. Das fördert den Zusammenhalt, stärkt die persönliche sowie allgemeine Arbeitszufriedenheit und steigert ganz nebenbei die Innovationsfähigkeit. Zufriedene Mitarbeitende sind zudem laut des AOK-Fehlzeitenreports seltener krank. Und: Wer sich wohl fühlt, bleibt länger bei seinem Unternehmen.

Doch welche Skills und vor allem welche Mentalität steckt genau hinter dem Konzept People Excellence? Und wie können Unternehmen und insbesondere die HR-Verantwortlichen Schritt für Schritt zu einer exzellenten Workforce beitragen?

Ein agiles Mindset fördert den Unternehmergeist

Laut FOR verfügen leistungsstarke Mitarbeitende über ein agiles Mindset (wir berichteten bereits darüber). Diese dynamische Denkweise erlaubt es ihnen, flexibel, ergebnisorientiert und vor allem selbstorganisiert zu agieren – Mitarbeitende werden zu Unternehmern im Unternehmen. Um in diesem Sinne zu handeln, entwickeln sie sich kontinuierlich weiter und beziehen dabei ihre Umgebung umfassend mit ein. Sie suchen beständig nach neuen Erkenntnissen, reflektieren diese, kommunizieren transparent und tauschen sich mit anderen aus. Wie in unserem Beispiel sind sie von Anfang an exzellent vernetzt: Dank einer intensiven Einarbeitung durch HR und Vorgesetzte wissen leistungsstarke Mitarbeitende, wen sie ansprechen müssen, um Informationen und Inspiration für die Lösungsfindung zu erhalten.

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Zusammenarbeit stärkt den Zusammenhalt

„People Excellence“ lebt von fachübergreifendem Austausch und cross-funktionaler Zusammenarbeit. Denn in einer Umgebung des vertrauensvollen Miteinanders lösen Mitarbeitende Probleme am besten und probieren Neues zuversichtlich aus. Sowohl positive als auch negative Rückmeldungen von allen Beteiligten sind dabei von zentraler Bedeutung. So gaben 87,2 Prozent der Befragten des FOR 2021 an, gerne Feedback von anderen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zu erhalten. Entsprechend ist Diversität ein wichtiger Baustein für optimale Zusammenarbeit.

Besonders wichtig ist im Zuge dessen auch eine positive Fehlerkultur: Das heißt, wenn jemand einen Fehler macht, wird darüber offen und wertungsfrei gesprochen – egal ob Chef oder Praktikant. Führungskräfte und HR sollten hierbei eine Vorbildfunktion einnehmen und das hierarchiefreie Miteinander fördern. Nur weil eine pyramidale Unternehmensstruktur arbeitsrechtlich und organisatorisch sinnvoll ist, bedeutet es nicht, dass diese Hierarchie die Zusammenarbeit einschränken sollte.

Ferner sollten Organisationen verinnerlichen, dass Top-Personal nicht zwangsläufig rekrutiert werden muss, sondern unter den richtigen Bedingungen auch intern entwickelt werden kann. Laut Xing kann jeder Dritte sein Potenzial nicht entfalten, da Unternehmen und Führungskräfte versäumen, ihre Mitarbeitenden entsprechend ihrer Stärken und Interessen einzusetzen. Und das, obwohl es die Bindung an das Unternehmen stärkt. Angesichts des Fachkräftemangels sollten Unternehmen und gerade HR-Abteilungen alles daransetzen, „schlafende“ Potentiale zu erkennen und gezielt zu fördern.

Ganzheitlich transformieren – angefangen im Management

Doch wie lassen sich die genannten Eigenschaften nun praktisch fördern? Das Management und HR sollten zunächst eine ganzheitliche Perspektive einnehmen, um gröbere Hindernisse wie veraltete, ineffiziente Prozesse zu erkennen und zu adressieren. Im nächsten Schritt sollte ein abgestimmtes Maßnahmenpaket umgesetzt werden. Dabei sollte sowohl ein Top-down-Ansatz über das Management gefahren als auch Bottom-up-Initiativen gesät werden, die sich wie eine Blumenwiese im Unternehmen ausbreiten. Dabei geht das eine nicht ohne das andere.

Viele Unternehmen möchten beispielsweise kürzere Entscheidungswege etablieren, was nur funktioniert, wenn man die Mitarbeiten befähigt und autorisiert, Entscheidungen zu treffen. Dieser Schritt der vermeintlichen „Machtabgabe“ verunsichert das Management häufig und wird daher blockiert. Das zeigt, dass sowohl mit dem Management als auch mit den Mitarbeitenden gearbeitet werden muss. Dies gilt für den Erfolg und die Nachhaltigkeit aller kultureller Veränderungen.

Chart KPIs für People Excellence
Erfolgsfaktoren und KPIs für People Excellence

Zudem braucht es eine Vision und klare Unternehmensziele: Laut FOR geben 64 Prozent der Befragten an, dass eine leistungsstarke Belegschaft einen übergeordneten Purpose benötigt. Denn Mitarbeitende, die ihre Arbeit als sinnvoll erachten, sind intrinsisch motivierter. Das Management muss also eine Vision vermitteln, mit der sich die Belegschaft identifiziert. Das klingt selbstverständlich, hat in der Praxis aber seine Tücken. So wissen Unternehmen zwar um den Wert der Mitarbeitenden für die Erreichung ihrer Ziele, jedoch kennt laut Studie ein Viertel der Mitarbeitenden die Unternehmensziele nicht, falls es überhaupt welche gibt.

Um diese Ziele dann zu verbreiten, müssen Top-Management, HR und Führungskräfte eine stabile Kommunikation etablieren und den kontinuierlichen Austausch zwischen unterschiedlichen Abteilungen fördern. In Zeiten von Hybrid Work leidet die Vernetzung der Mitarbeitenden in nahezu allen Organisationen. Durch interne Communities, diverse Events und andere Maßnahmen zum regelmäßigen Austausch sollte die Vernetzung gezielt gefördert werden.

Ganzheitliche Verbesserungen für nachhaltige Wertschöpfung

Bei der Entwicklung einer „exzellenten Workforce“ gilt es, die erwähnten Dimensionen auszubalancieren und ganzheitlich zu verbessern. Die HR-Abteilung kann und sollte eine treibende Rolle einnehmen, um

  1. Kompetenzen zu akquirieren und aufzubauen,
  2. geeignete und individuelle Motivationsstrukturen zu schaffen,
  3. eine positiv gelebte Fehlerkultur und agiles Mindset der Organisation zu fördern sowie
  4. die geeigneten Arbeitsbedingungen zu schaffen (Digitaler Arbeitsplatz, Flexible Arbeitszeitmodelle und individuelle Weiterentwicklungsmöglichkeiten).

Gelingt dies, sorgen exzellente Mitarbeitende und effiziente Prozesse für nachhaltigen Unternehmenserfolg.

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René Kräling ist Managing Consultant am Standort Zürich, Co-Lead Enterprise Agility und Projektmanager des „Future Organization Report“ bei Campana & Schott. Er begleitet Kunden bei globalen Projekten und Transformationsvorhaben zu den Themen Agilität, Market Access und Content-Strategie in der Pharmabranche.

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