Mentales Wohlbefinden: Das Management überzeugen

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Mit welchen Argumenten kann HR das Management von Investitionen in mentales Wohlbefinden der Belegschaft überzeugen? Julia von dem Knesebeck von Auntie gibt Tipps.

Die meisten Unternehmen verfolgen mittlerweile einen ganzheitlichen Ansatz beim betrieblichen Gesundheitsmanagement. Dazu gehört neben der physischen Gesundheit auch das mentale Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Die größte Herausforderung für die meisten Personalerinnen und Personaler ist es jedoch, dafür Budget vom oberen Management freigegeben zu bekommen. Hier kommen Tipps für HR.

Ausgangssituation / Problemstellung

Zahlreiche, omnipräsente Krisen, Fachkräftemangel, Verunsicherung in fast allen Lebensbereichen – Gründe für eine angegriffene Psyche gibt es genug. Das Thema „mentales Wohlbefinden“ ist nicht nur in den Medien und an den heimischen Esstischen angekommen. Auch in der Arbeitswelt spricht man mittlerweile offener über psychische Erkrankungen und mentales Unwohlsein. Das bemerken in den Unternehmen vor allem die Personalerinnen und Personaler. Sie haben oft den weitesten und tiefsten Einblick in den seelischen Zustand der Mitarbeitenden.

Zudem sind sie naturgemäß die erste Anlaufstelle für Probleme in diesem Bereich. Das hat auch mit einem allgemeinen Wandel im Personalwesen zu tun. HRlerinnen und HRler nehmen verstärkt eine strategische Rolle im Betrieb ein, verwalten nicht nur Verträge und die Lohnbuchhaltung, stattdessen treten sie im Unternehmen als interne Dienstleister auf. Die Anforderungen des Managements, aber auch der anderen Mitarbeitenden, an die Personalerinnen und Personaler sind gestiegen. Sie sind nicht nur überlastet, sondern meist gar nicht für die Anforderungen ausgebildet. Schlimmer noch, sie selbst nehmen die Probleme mit nach Hause, ohne zu wissen, wie sie sich davon abgrenzen können.

Herausforderungen

Diesen tiefen Einblick in das mentale Wohlbefinden der Mitarbeitenden haben Unternehmensleiterinnen / -leiter und Managerinnen / Manager oft nicht. In ihrem Blickfeld sind vor allem die Zahlen, was richtig und wichtig, aber eben nicht ausreichend ist. Zu ihnen muss die Brücke geschlagen werden. Vor allem muss Ihnen verständlich gemacht werden, dass Fachkräfte nicht mehr Schlange stehen vor den eigenen Türen, sondern ihnen mittlerweile einiges über das Gehalt hinaus geboten werden muss.

Dass diese Tatsache noch nicht überall angekommen ist, zeigen die gängigen Gegenargumente aus dem C-Level. Etwa, dass früher auch keine externen Dienstleister und Hilfen für die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeitenden angeboten wurden. Zuweilen hält sich auch hartnäckig die Überzeugung, dass mentale Probleme erst dadurch entstehen, dass über sie geredet wird. Ein sowohl falsches als auch gefährliches Vorurteil, welches zur weiteren Stigmatisierung beiträgt.

Mentales Wohlbefinden: Argumentationshilfe

Doch wie reagiert man auf Skepsis und Vorbehalte, die die Führungskraft einem entgegenbringt? Folgend die gängigsten Totschlagargumente und Killerphrasen und wie HR geschickt kontern kann:

“Das haben wir früher auch nicht gebraucht.”

Mag sein, allerdings haben sich die Zeiten geändert, vor allem durch den aktuellen Fachkräftemangel. Das Recruiting von geeigneten Mitarbeitenden ist eine der größten Herausforderungen für Unternehmen, die im gegenseitigen Konkurrenzkampf um die besten Talente stehen. Und sind diese erst angeworben, ist es mindestens genauso schwierig und wichtig, sie auch im eigenen Betrieb zu halten. Dafür reicht eine großzügige Vergütung nicht, schon gar nicht, wenn das Arbeitsklima schlecht und die Unternehmenskultur nicht vorhanden ist.

Das gilt insbesondere für Gen Z, die aktuell in der Arbeitswelt ankommt. Sie hat ganz andere Erwartungen und Ansprüche an den Arbeitgeber und das eigene Arbeitsleben. Dazu gehört die Vereinbarkeit mit dem Privatleben, Flexibilität und Autonomie, aber auch die persönliche Identifikation im Job stehen im Fokus der unter 25-Jährigen. Nicht zuletzt redet diese Generation offen über ihre eigene mentale Gesundheit und erwartet Verständnis und Unterstützung dafür in ihrem Berufsleben.

Grafik Ansprüche Gen Z

“Das kostet alles wieder so viel.”

Natürlich kostet die Implementierung und Umsetzung von Mental Health Lösungen zunächst Geld. Was dabei aber schnell vergessen wird, ist, dass Stress und Burn-out Unternehmen noch viel mehr Geld kosten, etwa durch Fehltage und Krankschreibungen. Der Burn-out eines Mitarbeitenden kostet Unternehmen im Schnitt etwa 40.000 Euro, deutlich mehr als jede Präventionsmaßnahme.

Das liegt unter anderem daran, dass die Arbeitsleistung eines ausgefallenen Mitarbeitenden von den Kolleginnen / Kollegen niemals zu 100 Prozent ausgeglichen werden kann. Die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten von Arbeitsausfällen beliefen sich 2020 so auf 24,3 Milliarden Euro. Zudem sind glückliche und gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter produktiver und leistungsfähiger. Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz ist also alles andere als ein nice-to-have und kann zum Unternehmenserfolg beitragen.

“Für ihre mentale Gesundheit sind die Mitarbeitenden selbst verantwortlich. Was habe ich als Arbeitgeber damit zu tun?”

Die Eigenverantwortung besteht und soll auch gar nicht komplett auf das Unternehmen abgewälzt werden. Doch Probleme mit dem mentalen Wohlbefinden, etwa Stress, Überlastung und Erschöpfung, sind häufig auf die Erwerbstätigkeit zurückzuführen. Außerdem bedeutet betriebliches Gesundheitsmanagement mehr als die Einhaltung von Sicherheitsstandards und allgemeiner Arbeitsschutz. Als ganzheitlicher Ansatz umfasst es Bereiche wie die Führungskultur, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber eben auch die psychische Gesundheit der Angestellten.

Unternehmen, die das mentale Wohlbefinden und die Motivation nachhaltig fördern, gewinnen dadurch selbst und tragen zum eigenen Erfolg bei. Dabei übernehmen die Mitarbeitenden Verantwortung für die eigene mentale Gesundheit, indem sie die Angebote annehmen. Nur dafür muss es diese erst einmal geben.

Fazit

Es kann herausfordernd sein, Führungskräfte davon zu überzeugen, Lösungen und Maßnahmen für das mentale Wohlbefinden der Belegschaft einzuführen. Das gilt besonders, wenn diese vermeintlich nur Geld kosten und die Ergebnisse nicht sofort greifbar sind. Lohnen tut sich die Überzeugungsarbeit dennoch. Denn glückliche und mental gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind produktiver, stärken das Unternehmen und sind diesem gegenüber loyaler.

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Julia von dem Knesebeck studierte Psychologie und Medienwissenschaft und spielte nach erfolgreicher Arbeit mit führenden Brands in der Gamingbranche eine Schlüsselrolle in der Expansion von Zalandos Filialgeschäft in europäischen Fußgängerzonen. Als “data first”-Company gilt bei Zalando “was man nicht messen kann, existiert nicht.” Als Deutschlandchefin von Auntie überträgt sie diesen Ansatz auf die Corporate Wellbeing-Branche: Das mentale Wohlbefinden von Mitarbeitenden zu steigern, muss durch KPIs belegbar sein.

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