Lockdown light: Mentalen Belastungen vorbeugen

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Der Lockdown light kann zu handfesten psychischen Problemen führen. Schnelles Reagieren der Führungskräfte ist gefragt, sagt Reinhild Fürstenberg.

Die mit Corona verbundenen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Ängste haben mit den steigenden Infektionszahlen und dem November-Lockdown weiter zugenommen. „Während vielfach von einem Lockdown light gesprochen wird, sind die aktuellen Auswirkungen auf die Psyche alles andere als ‚light‘“, sagt Reinhild Fürstenberg, Gründerin und Geschäftsführerin des Fürstenberg Instituts.

Die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown im Frühjahr machen es nicht leichter, sondern für viele sogar schwerer. Gepaart mit den Herausforderungen der dunklen Jahreszeit für die Psyche, hat die aktuelle Situation eine hohe Brisanz für die mentale Stabilität. Deswegen sollten Unternehmen über die organisatorischen Herausforderungen des zweiten Lockdown auf keinen Fall die psychische Stabilität der Belegschaft aus dem Blick verlieren.

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Unsicherheiten und Ängste auf verschiedenen Ebenen

Die Unsicherheiten und Ängste, die mit Corona einhergehen, existieren auf verschiedenen Ebenen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen neben der Gesundheit Fragen wie: Welche Auswirkungen hat Corona auf mein Unternehmen? Ist mein Arbeitsplatz in Gefahr? Welche gesellschaftlichen Veränderungen folgen? Wie lange werde ich wieder isoliert arbeiten müssen? Dazu kommen finanzielle Sorgen durch Kurzarbeit. Das alles kann zu mentalen Belastungssituationen führen, die sich im Arbeitsalltag unter anderem an folgenden Punkten zeigen:

  • Mitarbeiter machen mehr Flüchtigkeitsfehler als bisher und sind deutlich langsamer.
  • Sie / Er reagiert auf sachliche Kritik sehr empfindlich und gekränkt.
  • Sie / Er verbreitet schlechte Stimmung im Team.
  • Mitarbeiter ziehen sich zurück, wirken in den Gesprächen niedergeschlagen und abwesend.

Mehr Gespräche mit den Teammitgliedern führen

„Mentale Belastungen sind nicht zu unterschätzen. Sie können sich zu handfesten psychischen Problemen auswachsen. Wenn Unternehmen rechtzeitig und richtig auf Warnhinweise reagieren, können sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen und lange Krankheitszeiten vermeiden“, sagt Fürstenberg.

Die wichtigste Maßnahme zur Prävention von psychischen Problemen ist das schnelle Reagieren der Führungskräfte. Die Distanz im Homeoffice erschwert allerdings, Veränderungen bei Team-Mitgliedern festzustellen. Führungskräfte sind wegen Corona nicht aus der Fürsorgepflicht entlassen. Deswegen rät Fürstenberg trotz der höheren Workload zu mehr Gesprächen mit den Teammitgliedern als üblich. Mit festen Telefon- und Video-Routinen – im Einzelgespräch und ohne Termindruck.

Bei Auffälligkeiten sollten Führungskräfte ihre Beobachtungen sofort mit den Betroffenen besprechen. Und unbedingt bei Bedarf auf professionelle Hilfsangebote hinweisen. Eine externe Beratung kann Entlastung auch für die Führungskraft bringen. Denn sie muss ihre Grenzen bei der gesetzlich verankerten Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen kennen. Sie ist und bleibt Führungskraft mit Fürsorgepflicht – nicht aber Arzt oder Therapeut.

Reinhild Fürstenberg ist Gründerin und Geschäftsführerin des Fürstenberg Instituts. Das systemische Beratungsunternehmen unterstützt Firmen dabei, Mitarbeiter gesund und leistungsstark zu halten, Zukunftskompetenzen in der Belegschaft aus- und aufzubauen und so psychische Belastungen in herausfordernden Veränderungs- oder Krisensituationen zu reduzieren. Die Lösungsstrategien beinhalten ein Beratungsangebot für Mitarbeiter und Führungskräfte (EAP), die gesundheitsorientierte Organisationsberatung, den Work-Life-Service sowie die Entwicklungs- und Qualifizierungsangebote der Fürstenberg Akademie.

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