Hybrides Arbeiten: 5 Tipps, wie Sie bei Ihrem Team punkten

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Hybrides Arbeiten eröffnet neue Chancen im Recruiting und stärkt die Mitarbeiterbindung. Julius Bolz von Lendis erklärt, was Unternehmen tun können.

Laut einer aktuellen Studie hat sich der Anteil von Online-Stellenausschreibungen mit Homeoffice-Option zwischen 2019 und 2021 mehr als verdreifacht. Hybrides Arbeiten ist also nicht nur eine Corona-Erscheinung, sondern eine langfristige Entwicklung der Arbeitswelt.

Das birgt neue Herausforderungen für das Personalmanagement und Recruiting und setzt HR-Managerinnen / Manager vieler Unternehmen zunehmend unter Druck. Denn die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten gilt nicht mehr als “nice to have”, sondern wird zur grundlegenden Forderung der Mitarbeitenden. So ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung EY, dass 54 Prozent der befragten Arbeitnehmenden ihren Job sogar kündigen würden, wenn ihnen keine Flexibilität in Bezug auf Arbeitsort und -zeit ermöglicht wird.

Gleichzeitig erholt sich der Arbeitsmarkt vom Coronajahr der Kurzarbeit und Entlassungen. Trotz Pandemie ist die Arbeitslosenquote so niedrig wie zuletzt vor 40 Jahren – es mangelt eher an Arbeitskräften als an Arbeitsplätzen. Flexibles und digitales Arbeiten eröffnet dabei neue Möglichkeiten im Recruiting: Theoretisch wird der weltweite Talentpool eröffnet. Es gilt also, potentielle Mitarbeitende mit den richtigen Argumenten zu überzeugen und sich von anderen Unternehmen abzuheben.

Hybrides Arbeiten: Was Sie tun können

1. Gen Z verstehen

Im Laufe der nächsten 15 Jahren wird die Babyboomer-Generation in den Ruhestand gehen. Schon jetzt ist es deshalb wichtig, sich als Unternehmen auf die Generation einzustellen, die jetzt in die Arbeitswelt eintritt: Gen Z. Um auch für Fachkräfte der nächsten Generation interessant zu bleiben, müssen Unternehmen ihre individuellen Bedürfnisse verstehen. Jüngere Mitarbeitende haben andere Prioritäten und Wünsche als vorherige Generationen. Besonders groß ist der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeitmodellen bei den 20- bis 30-Jährigen: Laut einer Befragung von EY geben 86 Prozent an, einen Teil ihrer Arbeitszeit künftig aus dem Homeoffice erledigen zu wollen. Außerdem wichtig: Ein sinnstiftender Job. Karriere allein ist bei dieser Generation nicht mehr ausreichend für Jobzufriedenheit.

2. Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen – nicht den Arbeitsort

Die freie Wahl von Arbeitsort und -zeit spielt für immer mehr Arbeitnehmende eine wichtige Rolle. Um als Arbeitgeberin / Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, sollte auf diesen Wunsch eingegangen und entsprechende Konzepte erarbeitet werden. Dabei sollten vor allem die Mitarbeitenden im Vordergrund stehen und nicht, wann und wo gearbeitet wird. In puncto Homeoffice ist es zudem wichtig, eine gute Ausstattung für die Belegschaft sicherzustellen. Denn während oft zwar Notebooks und Headsets zur Verfügung gestellt werden, mangelt es an Ausstattung für einen ergonomischen Arbeitsplatz. So klagt in einer Umfrage des Forschungsinstituts Forsa jede / jeder dritte Homeoffice-Nutzerin / -Nutzer über gesundheitliche Probleme wegen eines schlecht ausgestatteten Arbeitsplatzes. Inzwischen gibt es Anbieter, die Unternehmen Büroausstattung im Mietmodell liefern. So können sich Mitarbeitende ihren Wunscharbeitsplatz einfach im Büro oder Zuhause zusammenstellen.

3. Onboarding neu denken

Oft wird der Onboarding-Prozess in der hybriden Arbeitswelt vernachlässigt. Dabei bildet er die Grundlage für einen erfolgreichen Einstieg ins Unternehmen und langfristige Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Der häufigste Fehler: Das Onboarding ist nicht an die hybride Arbeitswelt angepasst. Durch die fehlende persönliche Interaktion im Team lernen sich Mitarbeitende langsamer und zunächst oberflächlicher kennen. Das Ergebnis: Sie fühlen sich schneller auf sich alleine gestellt. Eine mögliche Lösung ist hier ein Buddy-Programm, das neuen Kolleginnen / Kollegen erfahrene Teammitglieder zur Seite stellt. Zudem muss sichergestellt werden, dass die technische Ausstattung rechtzeitig vorhanden ist und bedient werden kann. Egal, ob komplett digital oder hybrid, in jedem Fall sollte die Führungskraft für Klarheit und Orientierung während des Onboardings sorgen und das Team aktiv miteinander vernetzen.

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4. Digitale Tools an Bedürfnisse der Mitarbeitenden anpassen

Digitale Tools zur Kommunikation wie Slack oder zum Projektmanagement wie Asana oder Jira spielen eine tragende Rolle im Arbeitsalltag und sind für die Zusammenarbeit in Teams mit flexiblen Arbeitsmodellen essenziell. Schnell summiert sich aber die Anzahl der verwendeten Tools, wodurch sie mehr zum Zeitfresser als zum Alltagshelfer werden. Wichtig ist, gemeinsam im Team zu entscheiden, welche Software für die Arbeit sinnvoll ist. Auch regelmäßige Feedbackrunden und Verbesserungsvorschläge können dabei helfen, den richtigen, individuellen Mix aus digitalen Tools zu finden. Oft wird dem gesamten Team das gleiche Repertoire an Tools zur Verfügung gestellt. Was dem HR-ler aber vielleicht den Arbeitsalltag erleichtert, kann für das Marketingteam ein unnötiger Zeitfresser sein. Digitale Tools müssen stets auf die individuellen Bedürfnisse und Aufgaben der Mitarbeitenden angepasst sein. Eine pauschale Lösung gibt es nicht.

5. Teamspirit fördern – trotz örtlicher Distanz

Kurze Gespräche nebenbei oder gemeinsame Mittags- und -Kaffeepausen werden im Homeoffice oft vernachlässigt. Mangelnde Kommunikation im Arbeitsalltag kann zu einer Kluft zwischen den Mitarbeitenden und sogar zu Produktivitätseinbußen führen. Deshalb ist es wichtig, dass sich Mitarbeitende auch im digitalen Raum vernetzen und austauschen. Digitale Spieleabende oder kurze “Coffeetalks” sollten fest im Arbeitskalender integriert werden. In regelmäßigem Abstand können auch gemeinsame Betriebsausflüge den Zusammenhalt stärken. Ein weiterer Trend: Workations – also die Kombination aus Arbeit (Work) und Urlaub (Vacation), die dafür sorgt, dass an einem Urlaubsort gemeinsam gearbeitet wird. Sie bieten eine gute Möglichkeit, das Team noch besser kennenzulernen, sich gegenseitig zu inspirieren und Synergien zu schaffen.

Julius Bolz ist Co-Founder und Managing Director von Lendis. Er will mit Lendis Unternehmen mehr Flexibilität bieten. Für Homeoffice und hybrides Arbeiten ist er mittlerweile ein Experte. Denn er hat alle Herausforderungen am eigenen Leib erfahren. Sein Team arbeitete erst im Office, dann im Homeoffice und schließlich im Hybridmodell – und musste sich immer wieder neu überlegen: Wie kann Arbeit trotz zeitlicher und örtlicher Flexibilität funktionieren.

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