Führungskräfte zeigen wenig Engagement für Innovationen

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„Wohlfühlstimmung trotz Krise“ dominiert bei deutschen Führungskräften. Zu diesem Ergebnis kommt das zwölfte Manager Barometer von Odgers Berndtson. Weniger die Innovationsfähigkeit als eine passende Kultur würde im Vordergrund stehen.

Die geopolitischen und wirtschaftlichen Umbruchzeiten scheinen deutsche Führungskräfte nur bedingt zu tangieren. Diese Annahme legt die Befragung zum aktuellen Manager Barometer von Odgers Berndtson nahe, an der im Juli und August dieses Jahres rund 1.500 Führungskräfte aus Großunternehmen und dem deutschen Mittelstand teilgenommen haben.

Für die große Mehrheit der Managerinnen ist die Sinnhaftigkeit und Freude an der eigenen Arbeit die wichtigste Motivation für ihren Berufsweg. Nicht einmal die Hälfte der Befragten motiviert hingegen die Mitwirkung an Veränderungen in einem innovativen Unternehmen. Angesichts der enormen ökonomischen Herausforderungen in Folge des Ukrainekriegs und der Notwendigkeit, aktiv an Veränderungsprozessen zu arbeiten, zeichnen diese Ergebnisse ein ernüchterndes Bild der Innovationskraft des Landes.

Empathische Macherinnen / Macher sind gefragt

Foto Nicola Müllerschön
Nicola Müllerschön

„Unsere Führungskräfte in Deutschland haben viele Jahre mit dem Vorwurf gelebt, sie führen nicht empathisch genug und seien zu sehr leistungsorientiert gewesen. Jetzt haben sich die Zeiten geändert und wir müssen wieder umdenken“, erklärt Nicola Müllerschön, Partnerin bei Odgers Berndtson und Leiterin des diesjährigen Manager Barometers. „Wir brauchen heute den empathischen Macher, der wirtschaftlich handelt und dabei die Mitarbeitenden nicht aus dem Auge verliert. Eine Herausforderung, die nicht zu unterschätzen ist.“

Je jünger die Teilnehmerinnen / Teilnehmer der Studie, desto unwichtiger ist ihnen die Mitwirkung an Veränderungen in einem innovativen Unternehmen. Während rund die Hälfte der Babyboomer für ihren Berufsweg durch die Mitwirkung in einem innovativen Unternehmen „sehr stark“ motiviert sind, gilt dies nur für 41 Prozent der Generation Y. Auch das Interesse an der Innovationsfähigkeit eines neuen Arbeitgebers ist bei der Generation Y auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken. 2022 gaben 38,5 Prozent an, dass dies ein sehr wichtiger Faktor bei der Wahl eines potenziellen neuen Arbeitgebers sei, 2021 waren es noch 42,6 Prozent und auch in den vorgehenden Jahren lag der Anteil höher als 2022.

Fehlerkultur zu wenig verbreitet

Drei von vier Führungskräften wünschen sich stattdessen eine zu ihren persönlichen Werten passende Unternehmenskultur. Gleichzeitig beobachten sie, dass in ihren Unternehmen eine Fehlerkultur zu wenig verbreitet ist. Nur ein Viertel der Befragten gab an, dass in ihrer Organisation Fehler kommuniziert, offen diskutiert und lösungsorientiert angegangen werden. Vorurteile – etwa aufgrund von Geschlecht oder Herkunft – werden ebenfalls nur ungern thematisiert. Lediglich ein Fünftel der Befragten sagten, in der Führungsebene würden Vorurteile offen angesprochen. Heißt das, dass eine Fehlerkultur nicht zwingend zu den Werten zählt, die für die Managerinnen / Manager eine passende Unternehmenskultur ausmachen oder haben sie nur resigniert?

„Deutschland ist nicht für seine offene Fehler- und Lernkultur bekannt. Das hat jedoch Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit. Denn wie oft entsteht Neues durch das Lernen aus Fehlern. Hier können wir von der Start-up-Kultur lernen, bei der Mut zum Scheitern häufig ein Türöffner für richtungsweisende Entwicklungen ist“, meint Nicola Müllerschön.

Im aktuellen Manager Barometer gab indes fast die Hälfte der Befragten an, dass in ihrem Unternehmen neue Ideen „out of the box“ per se kritisch betrachtet werden.

ESG scheitert in vielen Unternehmen an der Umsetzung

Ein Innovationstreiber kann auch das Bewusstsein für ein nachhaltiges Handeln und Wirtschaften sein, das nicht zuletzt durch die ESG-Kriterien von Investorenseite forciert wird. Im aktuellen Manager Barometer wurden die Führungskräfte daher zu ihrer Einschätzung befragt, ob das ESG-Engagement bereits Teil der Unternehmensstrategie oder vornehmlich kapitalmarktgetrieben ist. Ein gutes Drittel der Führungskräfte sagt, dass ESG ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie sei. Etwas mehr, nämlich 44,5 Prozent, sehen ESG als ein Element der Unternehmenskultur. Gleichwohl kennen aber nur 43 Prozent der Befragten die ESG-Faktoren in ihrem Unternehmen. Nur etwas mehr als ein Fünftel der Führungskräfte geht davon aus, dass die Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter die Inhalte der strategischen ESG-Projekte und -Maßnahmen kennen.

Obwohl die ökologischen, sozialen und Governance-Anforderungen an die Wirtschaft steigen, scheinen sie weder in der Führungsebene noch im Maschinenraum der Unternehmen anzukommen. Als Innovationsmotor werden sie noch weniger wahrgenommen. Lediglich 21 Prozent betonen, dass ESG-Themen ins Innovationsmanagement ihres Unternehmen einfließen.

Das neue Manager Barometer 2022/2023 finden Sie hier zum Download.

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