7 Empfehlungen: Fehlzeiten aufgrund psychischer Belastungen reduzieren

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Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Belastungen und Erkrankungen sind in den letzten Monaten dramatisch gestiegen. Reinhild Fürstenberg, Fürstenberg Institut, gibt sieben Empfehlungen, was Unternehmen jetzt tun können.

Die Ursachen sind vielfältig und nicht nur beruflicher, sondern auch privater Natur: Hoher Stress durch Krisen, finanzielle Sorgen, häufige Nutzung von Technologien und soziale Isolation. Die Leidtragenden sind nicht nur die Betroffenen selbst und ihr direktes Arbeitsumfeld, sondern auch die Unternehmen und Führungskräfte, die parallel zum Fachkräftemangel die steigenden Fehlzeiten und die mentalen Belastungen ihrer Mitarbeitenden kompensieren müssen. Fakt ist: Unternehmen haben keine Wahl, sie müssen sich aktiv um ihre Fehlzeiten kümmern.

1. Gesundheit auf die Agenda setzen

Die Gesundheit der Belegschaft ist zum Wettbewerbsfaktor geworden und sollte mit regelmäßigen Kennzahlen auf der Agenda jeder Geschäftsführung stehen, die das Thema strategisch steuert und nachhält. Grundvoraussetzung für gesunde und leistungsstarke Mitarbeitende und weniger Fehlzeiten ist eine gemeinsame Ausrichtung, die mit HR und dem Betriebsrat abgestimmt ist und zum Ziel hat, dass Gesundheit nicht allein an BGM-Verantwortliche delegiert wird, sondern in den Alltagsstrukturen und -Prozessen stattfindet.

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2. Klare Regelungen im Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitenden

Ein klarer und transparenter Prozess, wie mit psychisch belasteten oder erkrankten Mitarbeitenden umgegangen wird, verleiht nicht nur Führungskräften die notwendige Handlungssicherheit, sondern sorgt auch für frühzeitige Ansprachen und Lösungen bei den Mitarbeitenden. Darin enthalten sein sollte auch, wie während längerer Krankheitszeiten der Kontakt zu den betroffenen Mitarbeitenden gehalten wird und wie das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) geregelt ist.

3. Externe Mitarbeiter- und Führungskräfteberatung als Anlaufstelle

Damit Mitarbeitende frühzeitig und selbständig an ihren mentalen Themen arbeiten können, bieten viele Firmen eine externe Mitarbeiter- und Führungskräfteberatung bzw. ein Mental Health Coaching an. Mitarbeitende bekommen sieben Tage die Woche zu jeder Zeit wertvolle Unterstützung und können diskret und anonym mit professionellen Beratern und Beraterinnen sprechen.

Und das nicht nur in Krisensituationen, sondern auch präventiv, wenn Mitarbeitende aufgrund von beruflichen oder privaten Themen den Kopf für die Arbeit nicht frei bekommen. Für Führungskräfte stehen spezielle Berater und Beraterinnen zur Verfügung, die beim Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitenden unterstützen. Einige Unternehmen bieten der Belegschaft inzwischen auch einen Therapievermittlungsservice an, der meistens in das Beratungsangebot integriert ist.

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4. Qualifizierung und Begleitung von Führungskräften, HR und Betriebsräten

Führungskräfte können einen erheblichen Einfluss darauf nehmen, ihre mental belasteten Mitarbeitenden zu motivieren, professionelle Hilfe zu nutzen und dadurch wieder kraftvoll und leistungsfähig zu sein. In vielen Unternehmen ist es bereits gelebte Praxis, dass Führungskräfte qualifiziert werden, gesund zu führen. Auch bieten zunehmend mehr Unternehmen ihren Führungskräften, Personalverantwortlichen und Betriebsräten Austauschgruppen an. Die Erfahrung zeigt: Damit sich Führungskräfte konsequent um die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden kümmern können, muss sich ein Unternehmen zuerst um die Führungskräfte kümmern.

5. Kontinuierliche Arbeit an gesunden Rahmenbedingungen

Eine gute Gesundheitskultur zeichnet sich dadurch aus, dass Gesundheit in Verbindung mit der Produktivität der Mitarbeitenden natürlich und selbstverständlich überall mitgedacht wird. Mit der regelmäßigen Durchführung der gesetzlich verpflichtenden Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen (GBU Psyche) wird zum Beispiel dafür Sorge getragen, dass an guten Rahmenbedingungen für mentale Gesundheit gearbeitet wird. Um im Unternehmen gezielt dort anzusetzen, wo Mitarbeitende mentale Belastungen erleben, gibt es gute Erhebungs- und Steuerungstools.

6. Impulse für die Belegschaft

Der Erhalt der psychischen Gesundheit erfordert nicht nur Wissen darüber, sondern auch eine regelmäßige Aufmerksamkeit, die vom Unternehmen mit einfachen Maßnahmen unterstützt werden kann. Zum Beispiel durch Angebote zu Bewältigungsstrategien bei Stress, zu Zeit-, Energie- und Selbstmanagement, Achtsamkeit, Resilienz oder zur Umsetzung gesunder Lebensweisen. Gute soziale Kontakte und Beziehungen sind ebenfalls ein wesentlicher Faktor für mentale Stabilität, Wohlbefinden und Vitalität. Deshalb tun Unternehmen gut daran, dafür zu sorgen, dass ihre Teams dynamisch und in Zeiten von Homeoffice in Kontakt zueinander bleiben.

7. Offene Kommunikation über mentale Gesundheit

Auch wenn heute bereits viel offener über mentale Themen gesprochen wird, so verwenden die meisten Mitarbeitenden nach wie vor viel Energie darauf, psychische Belastungen im Unternehmen zu verbergen. Hintergrund für das Verbergen ist meist die Angst der Betroffenen, dass auf sie nicht ausreichend sensibel reagiert wird. Deshalb ist es wichtig, dass psychische Belastungen genauso wie andere Gesundheitsthemen im Unternehmen ins Gespräch gebracht werden.

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Reinhild Fürstenberg ist Gründerin und Geschäftsführerin des Fürstenberg Instituts. Das systemische Beratungsunternehmen unterstützt Firmen dabei, Mitarbeiter gesund und leistungsstark zu halten, Zukunftskompetenzen in der Belegschaft aus- und aufzubauen und so psychische Belastungen in herausfordernden Veränderungs- oder Krisensituationen zu reduzieren. Die Lösungsstrategien beinhalten ein Beratungsangebot für Mitarbeiter und Führungskräfte (EAP), die gesundheitsorientierte Organisationsberatung, den Work-Life-Service sowie die Entwicklungs- und Qualifizierungsangebote der Fürstenberg Akademie.

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