Employee Retention: Hier bin ich Mensch, hier bleib’ ich Mitarbeitender

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Individualisierung ist der Schlüssel zum Erfolg moderner Employee Retention-Strategien. Femke Huijbers von Recruitee stellt hier sechs praktische Maßnahmen vor, die auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden einzahlen.

Jenseits verhältnismäßig kurzlebiger makroökonomischer Entwicklungen bildet sich Individualisierung in der Arbeitswelt immer stärker als Megatrend heraus. Ordneten sich Mitarbeitende früher ihrer Arbeit unter, verstehen sie sich immer stärker als entscheidende Ressource für den Unternehmenserfolg und priorisieren gleichzeitig das “Life” in der mittlerweile altbekannten Formel der “Work-Life-Balance”, die dadurch eher zur “Life-Work-Balance” wird.

Eine Studie von YouGov im Auftrag von Recruitee bestätigt diesen kulturellen Wandel. Dieser Gastbeitrag fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zusammen und gibt praktische Tipps, wie sich diese in konkrete Maßnahmen übersetzen lassen.

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Was Mitarbeitende wirklich wollen

503 Personen im arbeitsfähigen Alter und 128 HR-Verantwortliche wurden dazu befragt, wie Arbeitnehmer*innen über Arbeit und ihre Arbeitgebenden denken und was sie sich von ihnen in Bezug auf Arbeitsmodelle, Benefits und Bewerbungsverfahren wünschen. Ein Ergebnis, das nachdenklich stimmt, ist die geringe emotionale Verbundenheit der Kandidat*innen zum Arbeitgebenden, die sich hier analog zu anderen Umfragen bestätigt: Nicht einmal jede*r zweite Befragte (46 Prozent) empfindet eine “eher starke” oder “starke” emotionale Verbundenheit zum derzeitigen bzw. letzten Arbeitgebenden.

Das eigene allgemeine Wohlbefinden spielt dabei für den Abschied von einem Arbeitgebenden laut der Umfrage eine wichtige Rolle: So würden über drei Viertel der Befragten ihre aktuelle Stelle verlassen, wenn das Arbeitsumfeld schlecht für die eigene psychische (78 Prozent) und körperliche Gesundheit (74 Prozent) ist. Die körperliche und psychische Verfassung hängt eng mit der Frage der Workloads zusammen. 73 Prozent möchten ihre Position verlassen, wenn sie überlastet sind. Hier ist der Wert bei Frauen (80 Prozent) höher als bei Männern (65 Prozent). Die eigene körperliche Gesundheit ist besonders Menschen über 45 Jahre (79 Prozent) wichtig.

Die bevorzugten Benefits korrelieren mit dem Alter und den Lebenssituationen, in denen sich die Befragten befinden. Zum Beispiel sind Zusatzleistungen für die betriebliche Altersvorsorge Personen über 45 Jahren deutlich wichtiger (81 Prozent) als den 35- bis 44-Jährigen (66 Prozent). 50 Prozent der 18- bis 34-Jährigen wollen die Workation, bei den 45- bis 54-Jährigen sind es 47 Prozent.

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Die besten Einsichten sind häufig die offensichtlichsten: Bedürfnisse und Erwartungen an die Arbeit unterscheiden sich in einer diversen Gesellschaft, deren Diversität gleichzeitig immer sichtbarer wird. Lebensentwürfe werden immer vielfältiger. Diesem Umstand müssen Unternehmen gerecht werden, wollen sie nicht von der gesellschaftlichen Entwicklung überholt werden.

Employee Retention leicht gemacht

Wer sich jetzt fragt, wie er oder sie in ihrem Unternehmen diese Ergebnisse in praktische Maßnahmen übersetzt, dem seien folgende leicht umsetzbare Ideen nahegelegt:

  1. Wertschätzung – es kann so einfach sein:
    Anerkennung und Wertschätzung sind entscheidende Faktoren für die Mitarbeiterbindung. Öffentliche Anerkennung von Leistungen, das Feiern von persönlichen Meilensteinen und regelmäßige Check-ins sind nur einige Beispiele, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden wertschätzen können.
  2. Stay-Interviews – frag’ doch mal:
    Statt auf Exit-Interviews zu warten, sollten Unternehmen fortlaufende Dialoge mit ihren Mitarbeitenden führen, um Bedenken und Wünsche frühzeitig zu erkennen und anzusprechen.
  3. Anonymes Feedback – der digitale Kummerkasten:
    Digitale Umfragen bieten Mitarbeitenden die Möglichkeit, offen und ehrlich Feedback zu geben, ohne befürchten zu müssen, dass ihre Anonymität verloren geht.
  4. Flexibilität ermöglichen – Flex ist sexy:
    Flexible Arbeitszeiten, Remote-Arbeit und die Möglichkeit, regelmäßig Pausen einzulegen, tragen dazu bei, dass sich Mitarbeitende wohler fühlen und langfristig im Unternehmen bleiben.
  5. Life-Work-Balance unterstützen – der Mensch ist Mensch:
    Führungskräfte sollten darauf achten, dass ihre Mitarbeitenden nicht überlastet sind. Programme für psychische Gesundheit und Sport können dabei helfen, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben herzustellen.
  6. Das Benefits-Buffet – die Auswahl macht’s:
    Unternehmen sollten im Dialog mit ihren Mitarbeitenden herausfinden, welche Benefits für sie besonders wichtig sind und diese gezielt anbieten. So können zum Beispiel Zusatzleistungen für die betriebliche Altersvorsorge oder Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten werden, je nachdem, welche Bedürfnisse im Vordergrund stehen.

Individualisierung ist der Schlüssel zum Erfolg moderner Employee Retention-Strategien. Unternehmen, die auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden eingehen und ihnen die Möglichkeit geben, sich als ganze Persönlichkeit im Arbeitsumfeld zu entfalten, werden langfristig erfolgreicher sein und eine vielfältigere Belegschaft anziehen.

Wer diesen Trend frühzeitig anerkennt und konsequent in seine Überlegungen mit einbezieht, wird von seiner Vorreiterrolle profitieren. Wer dagegen immer noch auf eine Rückkehr der Zeiten hofft, in der Mitarbeitende ihrer Arbeit alles andere untergeordnet haben, den wird mit ziemlicher Sicherheit von den transformativen Kräften hinter dieser Entwicklung fortgespült werden.

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Femke Huijbers ist Director of People and Culture bei Recruitee. Ihr Ziel ist es, erfolgreiche Umfelder zu schaffen, in denen Mitarbeitende ihr volles Potenzial entfalten können. Mit einem Bachelor in International Business und einem Master in Sozialwissenschaften begann Femke ihre Karriere in der IT-Personalvermittlung. Von FinTech über eCommerce bis hin zu Biotech, von Start-ups bis zu etablierten Unternehmen ist Femke kaum ein wirtschaftliches Umfeld unbekannt.

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