DIN Spec definiert Standards für Video-Recruiting

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Qualitätsrichtlinien sind im Video-Recruiting aus personaldiagnostischer und ethischer Sicht notwendig. Erfahren Sie mehr über die neue DIN Spec 91426.

In den letzten fünf Monaten erfuhr die HR-Branche einen dramatisch beschleunigten Digitalisierungsschub. Bestes Beispiel dafür ist die extrem angestiegene Anzahl von video-gestützten Job-Interviews. Großes Manko bisher: Für die Vielfalt an unterschiedlichen video-gestützten Anwendungen existierten noch keine spezifischen, einheitlichen Richtlinien für deren Einsatz.

Bei der Beurteilung von Bewerbern jedoch ist eine einheitliche Qualitätsrichtlinie sowohl aus personaldiagnostischer als auch aus ethischer Sicht zwingend notwendig. Gerade durch die Schwemme an zum Teil sehr zweifelhaften Anwendungen, die Mimik oder Sprache über die Videos der BewerberInnen auswerten, hat dieses Thema an Brisanz gewonnen. Der Handlungsdruck ist gestiegen.

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Ein DIN-Konsortium aus Wirtschaft und Wissenschaft hat nun eine DIN Spec für die digitale Eignungsbeurteilung von Bewerbern via Video-Recruiting Verfahren entwickelt. Die gerade veröffentlichte DIN Spec (PAS) wurde als Ergänzung der DIN 33430 erarbeitet. Als praxisorientierter Leitfaden unterstützt sie Unternehmen und Organisationen direkt beim Qualitäts-Benchmark ihrer video-gestützten Auswahlprozesse.

Sie wird voraussichtlich im November auf der Webseite des Beuth Verlages veröffentlicht, wo sie ab dann kostenfrei zum Download zur Verfügung steht. Ihr genauer Titel: „DIN Spec 91426: Qualitätsanforderungen video-gestützte Methoden der Personalauswahl (VMP)“.

Orientierung zu video-gestützten Interviewprozessen geben

Sara Lindemann

„Die Begleiterscheinungen der Corona-Krise haben unter anderem dazu geführt, dass die Personalarbeit in Deutschland innerhalb von nur gut fünf Monaten hinsichtlich der digitalen Entwicklung ins Jahr 2025 katapultiert wurde. Dieser Innovationswandel benötigt umso dringender verlässliche Leitplanken. Aktuell herrscht Unklarheit und Wildwuchs. Die DIN Spec soll Unternehmen und Organisationen dabei unterstützen, keine Schäden durch nicht-fachgerechte Anwendung video-gestützter Methoden zu erleiden. Sie erhalten nun endlich die notwendige Orientierung,“ so Sara Lindemann von viasto, Initiatorin und Leiterin des DIN-Konsortiums.

“Gerade in Zeiten von hohem Innovationsdruck ist es wichtig, dass alle schnellstmöglich eine gute Orientierung haben, welche video-gestützten Interviewprozesse gute Entscheidungen ermöglichen und welche eher zu Fehlentscheidungen oder gar zu systematischer Diskriminierung von Kandidatinnen und Kandidaten führen. Ab sofort können sie ihre video-gestützten Prozesse und Methode zertifizieren lassen – das ist ein Meilenstein für die innovative Personalauswahl in Deutschland.”

Video-Recruiting Tools und Prozesse zertifizieren lassen

Die neue DIN Spec richtet sich an alle Unternehmen (sowohl diejenigen, die die Methoden anwenden als auch diejenigen, die diese entwickeln und vertreiben) wie auch an Behörden und Organisationen, die sicherstellen wollen, dass sie in ihrer Personalarbeit nach den neuesten, gesicherten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Technik arbeiten. Auf Basis der neuen DIN Spec können sie ihr jeweiliges Video-Recruiting Tool und den damit verbundenen Prozess ab sofort zertifizieren lassen.

Vor diesem Hintergrund regelt die Norm zukünftig verschiedene Aspekte hinsichtlich der digitalen Personalauswahl. Zum einen klärt sie drängende Fragen rund um den Einsatz von Features auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) im Video-Recruiting. Das ist vor allem deshalb für Arbeitgeber wichtig, weil die Anwendung von nicht abgesicherter KI ethische und rechtliche Gefahren mit sich bringt, die zwar nicht beabsichtigt sein müssen, sich aber unter anderem negativ auf die Wahrnehmung einer Arbeitgebermarke auswirken können. Zudem nimmt die neue Regelung nicht zuletzt den Schutz der Kandidatinnen und Kandidaten in den Fokus und regelt neben wichtigen Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung im Bewerbungsprozess auch deren Informationsanspruch beim Einsatz von KI-Technologie zur Personalauswahl.

Das Konsortium

Die Mitglieder des im Juni 2019 angetretenen Konsortiums kommen sowohl aus dem Anbieter- als auch aus dem Arbeitgeberumfeld und der Wissenschaft. Im Gremium engagieren sich:

  • Sara Lindemann (viasto GmbH)
  • Harald Ackerschott (Obmann der DIN Arbeitsausschusses Personalmanagement und Geschäftsführer der Harald Ackerschott GmbH)
  • Carl-Christoph Fellinger (Beiersdorf AG, Vorstandsmitglied QUEB Bundesverband e.V.)
  • Norbert Gantner (Geschäftsführer TEME Entwicklung und Anwendung psychologischer Test- und Messverfahren GmbH)
  • Prof. Andreas Gourmelon (Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen)
  • Rico Knapper (Geschäftsführer anacision GmbH)
  • Prof. Tuulia Ortner (Universität Salzburg)
  • Anna Ott (Vice President People, HV Ventures)
  • Heiko Sill (Vorsitzender des Vorstands Psychodiagnostisches Zentrum, PDZ, Prüflabor der DIN CertCo für Eignungsdiagnostik)
  • Alexander Warkus (Geschäftsführer, Intelligenz System Transfer GmbH, Leipzig)
  • Prof. Matthias Ziegler (Humboldt Universität zu Berlin)

Die neue DIN Spec wird spätestens ab dem 13.11 auf der Webseite des Beuth Verlags zum Download bereitstehen. Bis dahin kann sie hier bereits vorbestellt werden.

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