Arbeitgeber kommunizieren an den Bewerbern vorbei

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Candidate Experience 2020: Da geht mehr. Infos zu Gehältern und Arbeitgeberbewertungen machen den Unterschied, so eine Umfrage von softgarden.

Während die meisten Arbeitgeber in Stellenanzeigen und Karrierewebsites auf austauschbare Floskeln à la „erstklassige Karrierechancen“ setzen, wünschen sich Bewerber etwas ganz anderes: Transparenz. Stellenanzeigen mit Informationen zu Gehältern und positive Arbeitgeberbewertungen machen das Rennen in der Gunst der Jobsuchenden. Das zeigt die Studie „Candidate Experience 2020“ des Recruiting Software-Anbieters softgarden, die dem HR JOURNAL exklusiv vorliegt. Für die Studie wurden 6.720 Bewerberinnen und Bewerber befragt.

Die insgesamt dreiteilige Studie nimmt das Such- und Bewerbungsverhalten von Jobinteressierten in den Fokus. Anhand von bildgestützten A/B-Auswahlsituationen hat softgarden dabei überprüft, welche Faktoren dazu führen, dass sich Jobinteressierte tatsächlich zu einem Arbeitgeber „durchklicken“. So entsteht ein facettenreiches Bild der „Candidate Journey“, des digitalen Wegs der Jobinteressierten zum Arbeitgeber. Im hier veröffentlichten ersten Teil der Studie geht es vor allem um Erfolgsfaktoren und „Showstopper“ in Arbeitgebermedien.

Stellenanzeigen: Gehaltstransparenz und integrierte Bewertungen

Die Studie zeigt, dass Stellenanzeigen nach wie vor den wichtigsten Einstieg für die Mehrheit der Bewerber darstellen. Diese wünschen sich dort konkrete Gehaltsangaben. Online-Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe werden von 74,3 Prozent der Bewerber bevorzugt geklickt. Im A/B-Test fiel eine ansonsten identische Stellenanzeige ohne Gehaltsangabe durch (25,7 Prozent). Den größten Effekt auf die Click-through-Rate in Stellenanzeigen erzielt jedoch die Integration von positiven Arbeitgeberbewertungen. Stellenanzeigen mit integrierten Bewertungen von Mitarbeitern des Unternehmens wurden von 80,7 Prozent der Teilnehmer geklickt.

Bewerbungsschwellen auf Arbeitgeberbewertungsplattformen

Bei den Arbeitgeberbewertungen gibt es für Bewerber eine erkennbare Schwelle, die bei einem Durchschnittsscore von 3,5 liegt. Für über zwei Drittel der Jobinteressierten kommen Arbeitgeber überhaupt nur in Frage, wenn sie auf einer Arbeitgeberbewertungsplattform mit 3,5 oder besser bewertet wurden. 41,8 Prozent bewerben sich sogar erst ab einem Score von 4,0 oder 4,5. Der branchenübergreifende Bewertungsdurchschnitt auf der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu liegt derzeit bei 3,4.

Karrierewebsites: Bewerbungs-KPIs und Videos

Auf Karrierewebsites machen solche Angebote das Rennen, die Jobinteressierte transparent über die Dauer des Bewerbungsprozesses informieren. Eine solche Karrierewebsite wird von 74,4 Prozent der Bewerber geklickt, die Variante ohne Angaben zum Bewerbungsprozess von 25,6 Prozent. Auch Videos wirken sich im Employer Branding positiv aus. In den auf einer Karrierewebsite veröffentlichten Stellenanzeigen werden Beispiele mit Mitarbeitervideos von 68,7 Prozent bevorzugt.

Neuer Standard im Recruiting nötig

Die Bewerberpräferenzen sind klar und weichen erheblich vom gewohnten Standard im Recruiting ab. Die Integration von Bewertungen oder Transparenz bei der Gehaltsangabe sind hier nicht die Regel, sondern die seltene Ausnahme. „Arbeitgeber brauchen dringend einen anderen Standard in ihren Recruitingprozessen, in dem Transparenz und echte Informationen die Hauptrolle spielen“, sagt Mathias Heese, Geschäftsführer von softgarden.

Download und weitere Teile der Studie

Der erste Teil der Candidate Experience 2020-Studie steht zum kostenlosen Download zur Verfügung. Der zweite Teil nimmt in den kommenden Wochen Prozessaspekte wie die gewünschte Dauer der Verfahren aus Kandidatensicht in den Blick sowie die Erlebnisdimension in Form von individuellen Insights der Jobsucher. Im abschließenden dritten Teil geht es um die jeweiligen Besonderheiten je nach Einstieg in die Jobsuche (Google, Jobbörse, Xing oder LinkedIn, Karrierewebsite).

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