„Arbeit ist, was Du tust, nicht wo Du bist“

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Flexibles Arbeiten ist Normalität. Die Unternehmenskultur stellt die Stärken der Teams in den Fokus. Katrin Hartmann, Personalchefin bei Cisco Deutschland, im Interview.

Im Januar hat Arbeitsminister Heil angekündigt, dass die Ampel-Koalition „moderne Regeln für mobiles Arbeiten in Deutschland“ und einen Rechtsanspruch auf Homeoffice schaffen wird. Damit ist klar, es gibt kein Zurück. Spätestens jetzt muss sich jedes Unternehmen auf hybride Arbeitsmodelle einlassen.

Diese erfordern eine gute technische Ausstattung, vor allem aber eine Vertrauenskultur und den Mut, die Belegschaft selbstbestimmt arbeiten zu lassen. Der HR-Abteilung kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Wie das im Arbeitsalltag gelingen kann und welche Potenziale hinter Mitarbeiterzentrierung schlummern, erläutert Katrin Hartmann im Gespräch mit dem HR JOURNAL.

Frau Hartmann, Homeoffice ist Teil der Cisco-DNA. Hatte die Pandemie also keinen Einfluss auf Ihre Arbeitsweise?

Katrin Hartmann: Für Cisco gilt: Arbeit ist, was Du tust, nicht wo Du bist. Flexibles Arbeiten ist für uns schon lange Normalität. Schließlich ist jeder Mensch anders gestrickt: Die eine ist eine Nachteule und der andere muss die Arbeit mit zwei Kindern zu Hause unter einen Hut bringen. Daher kann bei uns jedes Team selbst entscheiden, wie, wann und wo gearbeitet wird – Hauptsache, das Ergebnis stimmt.

Die Pandemie hat unsere Arbeitsweise nur in einer Hinsicht verändert. Vorher stand es unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern frei, ob sie im Büro arbeiten. Jetzt dürfen sie es schlicht nicht. Doch auch wenn wir diese Arbeitsweise gewöhnt sind, fehlt vielen nach all den Monaten die Nähe zu den Kolleginnen / Kollegen und Kundinnen / Kunden.

Cisco will laut eigener Aussage die besten hybriden Arbeitsplätze der Welt schaffen. Geht da also noch mehr?

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Katrin Hartmann: Aber ja. Wir wollen die besten hybriden Arbeitsplätze bieten. Dazu gehört auch, sich weiterzuentwickeln. Deshalb überprüfen wir die Arbeitsumgebung ständig und so kommen immer neue kreative Aspekte dazu. Aktuell fokussieren wir uns auf die Erweiterung unserer flexiblen Arbeitszeitmodelle. Schwerpunkte sind dabei: „Arbeiten über Ländergrenzen hinweg“, aber mit deutschem Arbeitsvertrag und „Bürogestaltung, um den bestmöglichen Ort der Begegnung zu schaffen?“.

Wie unterstützt Ihre HR-Abteilung die Cisco-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter explizit?

Katrin Hartmann: Mit Strukturen, Tools, Prozessen und Produkten. Das heißt, natürlich nutzen wir unsere eigenen Technologien, um für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überall eine professionelle Arbeitsumgebung zu schaffen. Auf meiner Webex Desk Pro sehe ich beispielsweise Gesprächspartnerinnen / Gesprächspartner, als säßen sie mir gegenüber am Schreibtisch – das ist ein völlig anderes Gefühl, als wenn man die kleinen Kacheln auf einem Laptop fast mit der Lupe beäugen muss. Zudem sind unsere Prozesse nahezu ausschließlich virtuell in der Cloud abgebildet. Das vereinfacht das Miteinander und die digitale Kollaboration, egal von wo und woran die KollegInnen arbeiten.

Daneben haben wir eine Unternehmenskultur etabliert, die sich auf die Stärken unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konzentriert und diese gezielt fördert. Als HR- beziehungsweise People & Communities-Bereich arbeiten wir hier eng mit unseren Führungskräften zusammen. Wir sind nah an unseren Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern dran, hören zu und gehen individuell auf sie ein.

Während wöchentlicher Check-Ins führen unsere Managerinnen / Managern Gespräche mit den einzelnen Teammitgliedern, die weit über den täglichen Arbeitsalltag hinausgehen. Dadurch können wir ganzheitlich auf unsere Teams eingehen und mögliche Barrieren abbauen.

Cisco stellt seit drei Jahren die psychische Gesundheit in den Mittelpunkt. Wie sieht das konkret aus, besonders zu Pandemiezeiten?

Katrin Hartmann: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ausschlaggebend für unseren Erfolg. Während der Pandemie sind Beruf und Privatleben enger zusammengerückt, was zu stärkeren Belastungen führt. Diese versuchen wir mit Wellbeing- und Mental Health-Programmen aufzufangen und bieten beispielsweise Impulsvorträge, Kinderbeschäftigung oder virtuelle Sportkurse.

Führungskräfte wurden zu Teamzusammenhalt und Belastungssteuerung geschult. Zudem hat Cisco fünf Arbeitstage im Jahr zum „Day for me“ erklärt, die allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit als Auszeit dienen – für Hobbies, Sport, Familie oder Freunde. Über das Programm „Critical time off“ können wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in schwierigen Situationen unkompliziert eine zusätzliche Auszeit gewähren.

Auch „Giving Back“ ist uns eine Herzensangelegenheit. Alle Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter können zehn Arbeitstage im Jahr dafür nutzen, soziale Projekte ihrer Wahl unterstützen. Vergangenen Sommer haben beispielsweise viele Kolleginnen und Kollegen im Ahrtal geholfen. Zuletzt habe ich im Kindergarten meiner Töchter Bäume im Wald gepflanzt und Müll gesammelt. Das sind großartige und wichtige Möglichkeiten.

„Vertrauenskultur“ ist wohl das Wort des Jahres 2021, neben „hybrid“ und „remote“. Wie drückt sich diese Kultur in Ihrem Unternehmen aus?

Katrin Hartmann: Cisco hat bereits vor einigen Jahren eine Kulturreise begonnen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Zentrum gestellt. Basis für die Vertrauenskultur ist unser People Deal: Wir haben sechs „Give & Take“ definiert. Diese bringen auf den Punkt, was Cisco von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwartet, aber auch, was diese von Cisco erwarten können. Alle sollen mit einbezogen werden, Verantwortung übernehmen und zum gemeinsamen Ziel beitragen. Uns ist es wichtig, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genau verstehen und weitergeben können, welche Ziele und Strategien Cisco hat. Vertrauenskultur, auf Stärken basierendes, eigenverantwortliches Arbeiten und Flexibilität sind gemeinsame Erfolgsfaktoren, die gelebt und sehr schätzt werden.

Was steht 2022 bei Cisco Deutschland und seiner HR auf der Agenda?

Unser nächstes großes HR-Projekt nennt sich „We are Cisco“ und ist Teil unserer Deutschland-Strategie. Hybrid Work, Organisationsentwicklung, Talent Development, Kultur und Employer Branding sind unsere Schwerpunkte. Gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern arbeiten wir an unserer Transformation, analysieren neue Programme und Prozesse. Wir wollen den Bedürfnissen unserer Teammitglieder gerecht werden, das beste Arbeitsumfeld mit individuell flexiblen Modellen für alle Lebensphasen schaffen und in der hybriden Arbeitswelt mit unseren Angeboten und Sozialleistungen immer auf dem aktuellsten Stand sein.

Das Interview führt Helge Weinberg, Herausgeber HR JOURNAL.

Katrin Hartmann ist seit Februar 2021 Leiterin People & Communities bei Cisco Deutschland. Sie verfügt über 24 Jahre HR-Erfahrung in der IT-Branche und bringt eine umfassende, vielfältige und integrative Perspektive auf HR, Karriere, Talententwicklung, Employer Branding und vieles mehr mit.

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