„Algorithm Manager“: Die neuen Berufsbilder in HR

| | ,

- Anzeige -

HR sollte Fachkompetenzen rund um die großen Zukunftsthemen aufbauen, sagt Janet Haupka, Geschäftsführerin DONE!Berlin. Neue Berufsbilder wie „Algorithm Manager“ könnten so entstehen.

Der Klimawandel und Megatrends wie die Digitalisierung und die Gesundheit prägen unsere Gesellschaft. Dadurch entstehen neue Werte und Bedürfnisse. Das wird auch unsere Arbeitswelt beeinflussen. Wie HRler darauf reagieren sollten, erklärt Janet Haupka.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierungsprozessen entwickelt sich zu Standards in vielen Unternehmen. Das wird zu Konflikten zwischen Mensch und neuer Technologie führen. Darüber hinaus sind Stress und Burnout-Fälle durch die Pandemie, unsere „Always-on“-Arbeitsweise oder auch das Homeoffice gestiegen. Deshalb steht das Thema “Mitarbeitergesundheit” schon heute auf der Agenda vieler Personalabteilungen. Auch nehmen soziale und umweltbelastende Probleme zu. Mitarbeiter und Bewerber werden von Unternehmen in den nächsten Jahren erwarten, dafür Verantwortung zu übernehmen.

Um diesen neuen gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht zu werden und um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, kann HR bereits jetzt erste Weichen stellen – Brücken zwischen Unternehmensführung, Geschäftsplanung und den zukünftigen Wünschen der Belegschaft bauen. Doch für diese Zukunftsthemen fehlt Personalerinnen / Personalern die Fachkompetenz, denn Bereiche wie Digitalisierung, Gesundheit und Klimaschutz sind hochkomplex. Nur mit dem richtigen Fachwissen kann HR wirksame Strategien, Konzepte und Maßnahmen für ihre Mitarbeiter entwickeln.

IT-Fachkenntnisse sind zukünftig unerlässlich

Allein im Human Resources Management sind viele Prozesse durch New Work und Home Office digitalisiert worden. Dabei dürfen Personalerinnen und Personaler das Daten-Thema – die Datensicherheit, ihren Schutz und besonders den ethischen Umgang mit ihnen – nicht unterschätzen. Auch KI-Algorithmen, die im Recruiting und in der Personalentwicklung zunehmend eingesetzt werden, sollten stetig auf eine legale, sichere, diskriminierungsfreie und markengerechte Umsetzung kontrolliert werden.

Mitarbeiter und Bewerber vertrauen darauf, dass mit ihren Informationen ordnungsgemäß und fair umgegangen wird. Damit dieser Vertrauensvorschuss nicht enttäuscht wird, brauchen Personalerinnen und Personaler ein gutes IT-Verständnis. Entweder werden sie hierfür geschult, es wird Knowhow von außen eingekauft oder langfristig die neue Position des Ethical Data & Algorithm Manager geschaffen.

Berufsbilder in HR: Ethical Data & Algorithm Manager – Human Machine Teaming Manager

Eine weitere Herausforderung ist, die effektive Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine sicherzustellen. Zum einen müssen Vorurteile und Ängste abgebaut und neue Kompetenzen aufgebaut werden, zum anderen sollten Mitarbeiter die neuen Technikstärken so optimal wie möglich für ihre Arbeit nutzen können. Um das Miteinander zwischen Menschen und Maschinen zu verbessern, sollte sich jemand speziell dieser Problematik im HR-Team annehmen. Bei Bedarf kann zukünftig dafür auch ein Human Machine Teaming Manager eingestellt werden. Er wird dabei helfen, für jeden betroffenen Arbeitsprozess effiziente Interaktions- und Aufgabenplanungssysteme zu entwerfen und hybride Teams erfolgreich zu formen.

Gesundheit entwickelt sich zum Unternehmenswert

Leistungsdruck und Unsicherheiten, zunehmende Krisen und Katastrophen, persönliche Sorgen und Nöte beeinflussen Mitarbeiter – ob im Homeoffice oder im Büro, ob jung oder alt. Besonders die Zunahme älterer Arbeitnehmer durch die demografische Entwicklung wird das Thema “Gesundheit” zwangsläufig in den Mittelpunkt vieler Personalabteilungen stellen. HR wird sich zukünftig intensiv mit entsprechendem Fachwissen, um den körperlichen, geistigen und emotionalen Zustand ihrer Mitarbeiter kümmern. Dabei können erste Lösungen so aussehen: Arbeitszeitmodelle werden an die Bedürfnisse eines jeden einzelnen angepasst.

Zusätzlich kann sich das HR-Team professionelle Hilfe durch Experten oder MedTech-Startups ins Haus holen, um die mentale und physische Gesundheit der Mitarbeiter zu unterstützen, professionellen Gesprächsbedarf oder auch Beratung nach einer OP anzubieten. Will ein Unternehmen dazu langfristige Programme und Dienstleistungen aufsetzen, sollte darüber nachgedacht werden, einen Health Manager mit entsprechenden Qualifikationen Voll- oder Teilzeit einzustellen.

Nachhaltige Verantwortung wird zum A und O

Purpose und Klimaschutz sind zu bedeutenden Themen für Unternehmen geworden. In den nächsten 10 Jahren wird ihre Positionierung in Bezug auf Sinn, Zweck und Klimawandel nicht mehr verhandelbar sein. Denn Mitarbeiter und Bewerber werden ihre Stellungnahme zu gesellschaftlichen Problemen und entsprechende Maßnahmen einfordern.

Jedoch sind unternehmerische Herausforderungen rund um das Klima, den Umweltschutz oder soziale Missstände enorm komplex. Um einen Unternehmenssinn und nachhaltige Aktivitäten ganzheitlich zu verankern, dafür eine Strategie und Konzeption entwickeln zu können, braucht es spezifisches Fachwissen. Je nach Verständnis, Zweck und Branche kann es sich dabei um Umwelttechnik, Energiewissenschaft, Ökologie, Biologie, Chemie oder Soziologie handeln.

Für manche Firmen macht es Sinn, dafür einen eigenen Purpose oder Climate Protection Manager einzustellen. Er/sie wird interne und externe Stakeholder zusammenbringen und maßgeschneiderte Projekte vorantreiben. Vor allem aber wird sie/er für eine kompetente und motivierende Kommunikation in Richtung Mitarbeiter sorgen, lässt entscheidende Themen ins Employer Branding und in die Benefits einfließen.

Bereits heute sollten entsprechende Fachkompetenzen in den Personalabteilungen rund um die großen Zukunftsthemen aufgebaut werden – ob durch Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter oder durch externe Berater. Mittel- oder langfristig können dafür eigene Jobpositionen in Teil- oder Vollzeit geschaffen werden. Denn die Funktionen eines Ethical Data & Algorithm Managers, eines Human Machine Teaming Managers, eines Health, Purpose oder Climate Protection Managers werden zukünftig gebraucht.

Janet Haupka ist HR-Expertin. Sie baut als Interim Head of HR in vielen Unternehmen interne Teams und Prozesse auf, implementiert neue Software-Systeme und berät das C-Level-Management. Sie ist eine von zwei Geschäftsführerinnen bei DONE!Berlin – einer Personalberatung für schnell wachsende Unternehmen. Zu den Kunden von DONE!Berlin zählen airbnb Europe, Knauf Digital, N26, Volocopter, Doctolib, H&M und viele mehr. Foto: ©Cherie Birkner

Vorheriger Beitrag

Koalitionsvertrag: Was sich im Arbeitsrecht ändern soll

Das Büro in den Zeiten des Hybrid Work Paradoxons

Folgender Beitrag