Achtsam gegen die Erschöpfung in Zeiten permanenter Veränderung

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Veränderungen sind eine Konstante in vielen Unternehmen und führen bei der Belegschaft zu Überforderung und Erschöpfung. Sarah Lange, Managerin People & Organizational Development bei MHP, spricht sich dafür aus, Mitarbeitende und Führungskräfte in Achtsamkeit zu schulen, damit diese im Change-Prozess und im Arbeitsalltag einen kühlen Kopf bewahren.

Veränderung ist die einzige Konstante im Leben. Das wussten schon die Philosophen im alten Griechenland. Und das gilt bis heute und für die moderne Arbeitswelt mehr denn je. Wir müssen uns ständig neuen Anforderungen anpassen. Grundsätzlich haben wir kognitiv wie auch emotional ein immenses Potenzial dazu. Dennoch ist die Fähigkeit nicht bei jedem Menschen gleich. Denn es kommt darauf an, wie die anstehende Veränderung – ob freiwillig oder nicht – interpretiert wird. Am besten kommen diejenigen zurecht, die im Wandel die Chance entdecken, und die vom Unternehmen im Prozess gut begleitet werden. Dann sind Menschen bereit, die Energie aufzuwenden und das Risiko einzugehen, sich zum Wohle aller persönlich immer wieder weiterzuentwickeln.

Genau daran, am Change Management, scheitern Transformationsprojekte aber nach wie vor: Unternehmen müssen oder wollen bewusst neue Wege beschreiten, nehmen ihre Mitarbeitenden dabei aber nicht mit. Ein aktuelles Beispiel ist der Konflikt um flexibles Arbeiten. Haben sich die Beschäftigten gerade an das Homeoffice und die damit verbundenen Herausforderungen gewöhnt, holen Unternehmen sie nun wieder zurück ins Büro zurück. Eine 180-Grad-Drehung von heute auf morgen, die verständlicherweise für Aufruhr sorgt. Viele fühlen sich der Situation ausgeliefert, nehmen die Veränderung dadurch negativ wahr – und lehnen sich dagegen auf.

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Veränderungen belasten die Psyche

Frau arbeitet am Laptop
Envato/fxquadro

Ein weiterer Aspekt ist, wie oft und stark sich Unternehmen in letzter Zeit verändern müssen. Verschiedene Megatrends treiben Unternehmen häufig gleichzeitig an und lösen einen Change-Prozess nach dem anderen aus. Das führt auch dazu, dass Menschen veränderungsmüde werden und sich ausgelaugt fühlen. Aktuelle Studien bestätigen das. Laut dem Fehlzeitenreport der AOK geben 47 Prozent der Beschäftigten an, in ihrem Betrieb starke bis sehr starke Veränderungen wahrzunehmen, sowohl durch die Folgen der Pandemie als auch wegen technologischer Entwicklungen.

Hinzu kommen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Betriebs, verbunden mit Zukunftsängsten. Beides trägt dazu bei, dass sich Menschen durch die Arbeit psychisch belastet fühlen und erkranken. Mittlerweile verzeichnen Krankenkassen einen Höchststand an Krankheitstagen; ein Teil davon ist auf psychische Erkrankungen zurückzuführen, die zu besonders langen Ausfällen führen.

Was Studien zeigen, ist in der Praxis bestätigt. Ich erlebe regelmäßig, wie sehr Veränderungen bei der Arbeit zu Erschöpfung und Überforderung führen, vor allem unter Führungskräften. Denn mit Transformationsprojekten verbunden sind immer auch neue Rollen, Systeme und eine neue Art der Führung und Zusammenarbeit. Ein Führungsstil, der im Büro funktioniert hat, muss in der digitalen Zusammenarbeit plötzlich völlig neu entwickelt werden. Gleiches gilt für die Meetingkultur. Wird dann alles wieder zurückgedreht, ist das Chaos perfekt. Viele Führungskräfte fühlen sich dadurch inkompetent, verunsichert und unwohl.

Achtsamkeit beeinflusst Führungsverhalten positiv

Achtsam gegen die Erschöpfung
Envato/f9photos

Wie können sich Unternehmen also verändern und Mitarbeitende trotzdem mental gesund bleiben? Bei uns bei MHP gibt es verschiedene Teams, die sich mit dem übergreifenden Thema mentale Gesundheit beschäftigen, sowohl im eigenen Unternehmen als auch bei Kunden. Entwickelt werden spezielle Programme, Schulungen, Anreize und viele weitere Maßnahmen für den Umgang mit Veränderung und Stress – und um in Zeiten des Mangels an qualifiziertem Personal wertvolle Talente zu halten. Ich setze mich dabei speziell mit Achtsamkeit auseinander, und mit Führungskräften, die in ihrer Vorbildfunktion im Unternehmen oft die Schlüsselrolle einnehmen.

Die positive Wirkung von Achtsamkeit auf den Job wie ein reguliertes Stresslevel, die Gedächtnisleistung oder Empathiefähigkeit ist längst empirisch bewiesen. Mehr noch: Kontrolliertes Atmen, Meditation und Achtsamkeitsübungen können nachweislich sogar Hirnstrukturen verändern – was wiederum dazu führt, dass sich Angst verringern kann.

In meiner Dissertation fand ich unter anderem heraus, dass Führungskräfte, die im Umgang mit sich selbst und ihren Mitarbeitenden achtsam sind, weniger destruktiv und gleichzeitig transformationaler agieren. In eigens entwickelten achtsamkeitsbasierten Präsenztrainings für Führungskräfte haben mein Team und ich zudem festgestellt, dass sich deren Führungsverhalten signifikant verbesserte, sie ihr Stressniveau senken konnten, achtsamer wurden und sich sowohl deren Führungsverhalten als auch deren Gemütszustand positiv auf deren Mitarbeitende auswirkte.

Nicht nur predigen, sondern leben

Aus meinen Erfahrungen ergibt sich eine klare Empfehlung an Unternehmen: Nicht nur die Probleme wahrzunehmen und die Symptome zu ändern, sondern das Thema wirklich anzunehmen und damit zu entstigmatisieren. Das bedeutet, Mitarbeitende tatsächlich in Achtsamkeit zu schulen, damit sie im Change-Prozess – und auch sonst im Arbeitsalltag – einen kühlen Kopf bewahren. Angefangen mit den Führungskräften. Sie sind die Vorbilder, an denen sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter orientieren. Sie können ihren Teams in einem derzeit sehr volatilem Umfeld Sicherheit geben, sich selbst und anderen gegenüber Ruhe ausstrahlen.

Darüber hinaus passen Maßnahmen, wie beispielsweise Communities zu bilden, in denen das Thema achtsame Kommunikation behandelt und geübt wird. Hier schafft man zunächst einen angenehmen und sicheren Raum, in dem man sich austauscht. Außerdem kann man in Meetings neue Rituale wie Check-ins und Check-outs, kurze Meditationen und Body Scans implementieren. Auf lange Sicht gesehen führen solche Maßnahmen sogar zu einem höherem affektiven Commitment. Wichtig dabei ist, nicht auf schnelle, effiziente Ergebnisse, sondern auf langfristige Effekte zu setzen. Erst dann profitieren Unternehmen von gesunden, resilienten, leistungsfähigen und loyalen Mitarbeitenden im Change genauso wie im Daily Business.

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Foto Sarah Lange

Seit 2019 ist Dr. Sarah Lange bei MHP im Cluster People & Organization und im Team „Organizational Transformation“ tätig. In ihrer Rolle als Portfolio-Entwicklerin arbeitet sie zurzeit an einem Beratungsansatz zum Thema mentale Gesundheit in Unternehmen und Organisationen. Vor ihrer Zeit bei MHP beschäftigte sich und unterrichtete Sarah Lange am Lehrstuhl für Personalentwicklung und Veränderungsmanagement mit wirtschaftspsychologischen Fragestellungen.

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